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Bielefeld

Wirte kündigen Sky-Abos

Bezahlsender erhöht erneut die Gebühren / Gaststätten sollen bis zu 7.500 Euro pro Saison zahlen

Zafer Atmaca, Pächter des Pappelkrugs, hat beim Bezahlsender bereits gekündigt. Das bekannte Sky-Schild hängt nicht mehr lange an der Hauswand. - © SYMBOLFOTO: ANDREAS FRÜCHT
Zafer Atmaca, Pächter des Pappelkrugs, hat beim Bezahlsender bereits gekündigt. Das bekannte Sky-Schild hängt nicht mehr lange an der Hauswand. (© SYMBOLFOTO: ANDREAS FRÜCHT)
Wirte kündigen Fußball-Abo - © Bielefeld
Wirte kündigen Fußball-Abo (© Bielefeld)

Bielefeld. Heimischen Gastwirten, die in ihren Lokalen Sportübertragungen des Bezahlsenders Sky ausstrahlen, steht eine saftige Gebührenerhöhung ins Haus. Schon im vergangenen Jahr drehte Sky an der Preisschraube. Damals unterschrieben viele Gastwirte noch zähneknirschend. Jetzt haben sie genug – viele kündigen. Der Sender wehrt sich gegen die massive Kritik.

Michael Hanke traute seinen Augen kaum: Per Brief teilte Sky dem Betreiber der Bielefelder Bahnhofsklause jetzt mit, er müsse ab September rund 7.500 Euro im Jahr zahlen, wenn er Fußball zeigen will. "629 Euro im Monat – für 49 Quadratmeter Fläche", so Hanke. "Das sind 200 Euro mehr als im Vorjahr". Das Geld könne er nicht wieder reinholen, sagt Hanke. Durchschnittlich 150 Euro zusätzlichen Umsatz bräuchte er pro Spieltag, um kein Minus zu machen. Utopisch, findet Hanke. "Sky nutzt einfach seine Monopolstellung aus."

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Private Kunden nicht betroffen

Die Preiserhöhung ab September bezieht sich laut Unternehmenssprecherin Britta Krämer nur auf gewerbliche Kunden.
Die Preise sind in mehrere Kategorien eingeteilt. Kneipen mit einer Fläche bis 35 Quadratmeter mussten in der abgelaufenen Saison durchschnittlich 209, jetzt 279 Euro zahlen. Große Lokale ab 200 Quadratmeter zahlten bislang im Schnitt 750, jetzt 969 Euro.
Laut Eingabemaske auf der Unternehmenswebsite strahlen 48 Einrichtungen in Bielefeld die Sky-Sender aus.
Die Kosten für ein Abonnement werden nach einer neuen Staffelung im Jahr 2013 unter anderem aus Gaststättengröße und -lage, der Bevölkerungsdichte am Standort der Kaufkraft der Kunden und ihrer "Sportaffinität" berechnet.
Zudem spielt es eine Rolle, ob in der Stadt ein Bundesliga-Verein beheimatet ist.
Um die Werte zu ermitteln, setzt Sky auf eigene Marktforschung.

Hanke ist mit seinem Ärger nicht alleine. Die Betreiber des Mexim’s haben sich gefügt, aber im Oerkenkrug in Jöllenbeck, im Café Milestones und im Pappelkrug ist ab September Sendeschluss für Sky. 500 statt zuletzt 350 Euro sollte etwa Pappelkrug-Pächter Zafer Atmaca monatlich zahlen. "Dabei ist Arminia nicht einmal mehr in der Zweiten Liga", sagt er. Er könne ja auch Motorsport ausstrahlen, habe ihm eine Mitarbeiterin von Sky mitgeteilt. Ein Kassenschlager sei das kaum, meint Atmaca – "zumal wir erst um 17 Uhr öffnen." Dann ist die Formel 1 längst über die Ziellinie. Valter Domingos, Geschäftsführer des Café Wunderbar, ist ebenfalls "entsetzt". Tendenz: Abbestellung.

Dafür müsste er bis zum 10. August von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Das räumt Sky Kunden ein, sobald ein Preissprung von mehr als fünf Prozent ansteht, sagt Britta Krämer. Laut der Unternehmenssprecherin werden die Tarife ab September "im Schnitt 30 Prozent teurer", weil auch die Produktionskosten gestiegen seien. Die Bundesliga flimmert seit dem Vorjahr hochauflösend über die Bildschirme, die Rechte für Champions League und Wimbledon wurden verlängert – das kostet. "Außerdem sind manche Verträge mit Sportverbänden gestaffelt kalkuliert." Überweist Sky mehr Geld an die Lizenzgeber, muss das "zu einem Anteil auf die Abgabepreise umgelegt werden", so Krämer. Das heißt: Die Kunden zahlen mehr.

Online-Rechner für Gastwirte

Ob es aber wirtschaftlich schlau ist, gerade bei Gastwirten zuzulangen, bezweifelt Andreas Büscher. Der Vize-Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) OWL vermutet: "Wenn Sky in Lokalen ausgestrahlt wird, ist das für den Sender auch Werbung." Das kurbele das Geschäft mit den Privatkunden an.

Auch für Thorsten Hellwig, NRW-Sprecher der Dehoga, ist der Ärger der Gastwirte "vollends verständlich". Mit einem Online-Rechner des Verbands können Betroffene jetzt kalkulieren, wie viel Speisen und Getränke zusätzlich verkauft werden müssen, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. Außerdem gebe es einen Sky-Rabatt für Dehoga-Mitglieder. Der ist aber klein: Michael Hanke bekäme für die Bahnhofsklause von 7.500 Euro nur wenige Hundert Euro zurückerstattet. Seine Entscheidung gegen den Bezahlsender ist endgültig.

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