Tumulte nach Auseinandersetzung zwischen Jesiden und Salafisten in Herford

Großeinsatz der Polizei / 30-Jähriger verletzt

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Nach Tumulten: Weiter starke Polizeipräsenz in Herford - © Herford
Nach Tumulten: Weiter starke Polizeipräsenz in Herford (© Herford)

Herford (red/nw). Eine Messerattacke auf Männer jesidischen Glaubens in Herford und deren Folgen war am Mittwochabend der Grund für einen großen Polizeieinsatz in der Herforder Innenstadt.

Nach Informationen von Polizeisprecher Michael Albrecht war es gegen 16 Uhr vor einem Imbiss in der Nähe des Bahnhofs zwischen fünf jesidischen und sechs Salafisten zu einer Schlägerei gekommen. Dabei sei ein 30-jähriger Jeside verletzt worden. Die Beteiligten sollen mit Flaschen und einem Messer bewaffnet gewesen sein. Anlass der Schlägerei soll ein Racheakt für einen Streit am Nachmittag gewesen sein. Zu der Zeit hatte der 30-jährige - ein Herforder Wirt - Plakate in der Innenstadt aufgehängt, die zu einer Jesiden-Demonstration am Freitag gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat in Irak und Syrien" (ISIS) aufrufen. ISIS wird von Jesiden für den Völkermord in Syrien und im Irak verantwortlich gemacht. Beim Aufhängen der Plakate geriet der Wirt mit mehreren Salafisten aneinander, wobei es auch zu einem Handgemenge gekommen sein soll.

Jesiden aus ganz Ostwestfalen demonstrieren in Herford. - © FOTO: RALF BITTNER
Jesiden aus ganz Ostwestfalen demonstrieren in Herford. (© FOTO: RALF BITTNER)

Im Laufe des späten Nachmittags und Abends versammelten sich laut Polizei rund 300 Jesiden, unter anderem auch aus Bielefeld, Lippe, dem Kreis Kleve und Hannover in Herford, um gegen ISIS und die Salafisten zu demonstrieren. Zeitweise blockierten sie den Verkehr auf der wichtigen Durchgangsstraße Auf der Freiheit. Es kam nach Angaben der Ermittler auch zu weiteren Sachbeschädigungen und Körperverletzungen im Innenstadtbereich. Unter anderem, "als eine größere vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Menge auf Passanten einschlug", wie es von der Polizei heißt. Nur durch einen massiven Einsatz von Pfefferspray habe die Polizei die Lage unter Kontrolle bringen können. Dabei wurde ein 24-jähriger Herforder verletzt. Insgesamt mussten mehrere Personen im Krankenhaus behandelt werden.

Die Jesiden skandierten durch ein Megafon den Namen ihrer kurdischen Partei, beschimpften Salafisten und forderten zum Zusammenhalt auf: "Wir sind eure Freunde, die Salafisten eure Feinde. Jesiden, Jesiden!"

Starke Polizeikräfte aus allen Behörden Ostwestfalens und Beamte der Einsatzhundertschaften aus Bochum und Dortmund sorgten für eine Trennung der Gruppen und begleiteten die Tumulte, die gegen 21 Uhr zu Ende gingen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Sechs Personen wurden festgenommen.

Eine Mahnwache verschiedener politischer Gruppen gegen den Krieg im Gaza-Streifen in der Innenstadt war nach den Zwischenfällen kurzfristig abgebrochen worden.

Die Nacht verlief nach Angaben der Polizei "weitgehend ruhig". Als eine 86-köpfige Gruppe von Personen kontrolliert wurde, fanden die Beamten Schlagwerkezuge und eine Schusswaffe. "Auch am heutigen Tag erhält die Polizei Herford Unterstützung von Beamten einer Einsatzhundertschaft und wird starke Präsenz insbesondere in der Innenstadt zeigen. Wir werden dem Versammlungsrecht unterliegende Veranstaltungen schützen, jedoch keine gewalttätigen Aktionen dulden", heißt es von der Polizei.

Information

Jesiden

Im Nordirak sind derzeit zehntausende Menschen auf der Flucht vor den Extremisten. Sie gehören der religiösen Minderheit der Jesiden an, einer monotheistischen Religion. Die Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Die Terrorgruppe Islamischer Staat hatte am Wochenende mehrere Gebiete nördlich und westlich von Mossul nach heftigen Kämpfen mit kurdischen Einheiten unter ihre Kontrolle gebracht. Sie geht rücksichtslos gegen Gegner und Andersgläubige

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