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Bielefeld/Herford

Nach dem NW-Diskotest: Türsteher berichten von ihren Erlebnissen

Aktive Einlasskontrolleure berichten von den Herausforderungen ihres Jobs, ehemalige Disko-Mitarbeiter erheben dagegen schwere Vorwürfe

Skopp sagt: "Ich erinnere mich, dass es eine Situation mit einem behinderten Gast gab. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass meine Leute ihn trotz Ausweis rausgeworfen haben." Er selbst habe keinen Behindertenausweis gesehen. Außerdem seien des Öfteren "Leute aus Bethel" im Movie. Grundsätzlich würde Skopp auch keine Türsteher im Sinne von geschultem Sicherheitspersonal beschäftigen, sondern sogenanntes "Einlasspersonal". Diese Arbeitsplatzbeschreibung bestätigt auch der ehemalige Mitarbeiter. "In der Praxis mussten wir aber genauso durchgreifen wie Türsteher."

Ein anderer Leser, der drei Jahre in einem kleinen Club in Bielefeld gearbeitet hat, der nicht Teil des NW-Testes war, berichtet wiederum von der hohen Verantwortung, die er als Anfang-20-Jähriger hatte: "Ich bin selbst Türke und sicher nicht rassistisch, aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es besser ist, einen Gast ungerechterweise wegzuschicken als ein Risiko einzugehen." Ihm sei es oft passiert, dass Gäste versucht hätten, über die Gemeinsamkeit des Migrationshintergrunds Einlass zu erhalten. "Die Lächeln dir ins Gesicht und wenn sie drin sind, benehmen sie sich unmöglich."

Grundsätzlich, so beschreibt es dieser ehemalige Türsteher, sei das wichtigste Kriterium, wie gut besucht eine Disko ist. "Wenn der Laden voll ist, nimmst du dir die Freiheit, die Gäste genauer auszusuchen."

Das sagen die Türsteher im Netz

Frank Dunklau: „Ich arbeite seit fast dreißig Jahren an der Tür. Im Laufe der Jahre bin ich mehrfach schwer verletzt worden. Es waren immer Personen mit Migrationshintergrund. Da ist dann aber niemand, der einem hilft. Polizei ist immer zu spät. Da hat man nur eine Möglichkeit und die ist, potenzielle Täter draußen zu lassen. Und da muss ich mich auf mein Gefühl verlassen. Das ist heutzutage das einzige Mittel, das ich habe.“

Türsteher 1: „Ich bin selbst türkischstämmiger Türsteher und ich bin sicherlich nicht ausländerfeindlich. Die Erfahrung hat leider über Jahre gezeigt, dass solche großen Gruppen dazu neigen, Probleme zu machen, und genau das will man einfach verhindern.“

Stephan Lideck: „Ich arbeite im Sicherheitsdienst und auch als Türsteher in einer Disko. Wenn ich die Beleidigungen, die ich mir von sogenannten Asylbewerbern anhören muss, hier aufzählen würde, wäre ich die nächsten 30 Minuten beschäftigt. Gut, es sind nicht alle so, meine Kollegen sind selbst Ausländer und müssen die Anordnung des Betreibers umsetzen. Ich habe nichts gegen Ausländer, sonst wäre ich in meinem Hauptjob wie in meinem Nebenjob fehl am Platz!“

Der Artikel, der alles ins Rollen brachte

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