Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Nachrichten

Computervirus "Locky" legt Tausende Rechner lahm

Auch Unternehmen in OWL sind davon betroffen. Experten warnen vor immer mehr Hacker-Attacken

Bielefeld. Über E-Mail-Anhänge verbreitet sich zurzeit rasend schnell der Computervirus "Locky" und infiziert Rechner. Mit fatalen Folgen, denn Dateien werden verschlüsselt, Textdokumente und Fotos sind nicht mehr abrufbar. Besonders übel ist der sogenannte Trojaner aber für Unternehmen.

Ist ein Computer erst einmal infiziert, verbreitet sich die Schadsoftware über das Firmennetzwerk weiter und verschlüsselt im schlimmsten Fall den Server. "Dann geht nichts mehr", sagt Andreas Durnio, externer Datenschutzbeauftragter aus Minden. Um wieder Zugriff auf die Dateien zu bekommen, soll der Besitzer ein Lösegeld von rund 190 Euro zahlen. "Locky" ist momentan das bekannteste Beispiel für einen Hackerangriff.

"Die Bedrohungslage im Cyber-Raum spitzt sich weiter zu", sagt der Vizepräsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Andreas Könen, und warnt vor einer wachsenden Anzahl gezielter Attacken auf Unternehmen und Behörden. Angreifer verfügen über immer mehr Know-how und nutzen Sicherheitslücken, um Daten auszuspionieren und auf Rechner zuzugreifen.

In Deutschland werden laut der Internetseite Heise online stündlich 5.000 Computer infiziert. Heise beruft sich hierbei auf den Sicherheitsforscher Kevin Beaumont. Auch in OWL hat "Locky" bereits zugeschlagen. "Mehrere Unternehmen sind von dem Trojaner betroffen", sagt Durnio. Bei der Polizei Bielefeld wurden bereits Anzeigen erstattet. "Es sind erst ein paar Fälle, aber die Dunkelziffer wird deutlich höher sein", sagt Andreas Schaub, Leiter des Kommissariats für Computerkriminalität.

Bei "Locky" gehe es nicht um den Zugriff auf persönliche Daten, "sondern um das Geld". Falls der geforderte Betrag bezahlt werde, könne es natürlich sein, dass die Daten für den Nutzer wieder zugänglich sind. "Eine Garantie dafür gibt es aber nicht", sagt Schaub. Grundsätzlich rät er dazu, Vorsorge zu treffen und den Computer ausreichend zu schützen. "Das Internet wird verstärkt von Kriminellen genutzt", beobachtet auch Gregor Engels vom Institut für Informatik der Universität Paderborn.

Immer wieder werden derzeit Krankenhäuser zum Ziel von Cyberattacken. Erst kürzlich war das Klinikum Arnsberg von einem Computervirus betroffen. Das komplette Computersystem musste heruntergefahren werden. "Bislang gab es keine Angriffe auf das Datennetz des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld und des Krankenhauses Mara", sagt Sprecherin Sandra Gruß. Um das Risiko möglichst gering zu halten, setzt man dort auf ein mehrstufiges Sicherheitskonzept.

Kommentar von Stefan Weber

Diese Nachrichten schrecken auf: Krankenhäuser müssen ihre Computernetze herunterfahren, OP-Termine verschoben werden, weil Computerviren Daten vernichten. Experten warnen vor gefährlichen Dateien, jeder Klick stellt ein Risiko dar. Der Angriff auf unsere Daten, unser Geld ist in vollem Gange.

Die Methoden der Computer-Mafia werden immer ausgeklügelter. Es erreichen uns Mails, die uns suggerieren, wir hätten Rechnungen nicht bezahlt, und jetzt droht mindestens eine Mahnung, wenn wir nicht kurz mal hier klicken und unsere persönlichen Daten bestätigen. Wehe, wenn wir es tun.

Früher waren die Täuschungsversuche aus Fernost wenigstens noch an putzigen Rechtschreibfehlern und falschen Logos zu erkennen. Mittlerweile sehen die Mails täuschend echt aus. Kaum zu glauben, dass das Internet, wie wir es kennen, gerade mal 25 Jahre alt ist. Es hat sich in stetiger Beschleunigung zur Lebensader entwickelt. Ohne das „Netz" geht nichts mehr, weder im Beruf noch privat. Selbst wenn wir wollten, wir könnten den Stecker nicht mehr ziehen.

Die Angriffe der Cyber-Kriminellen richten erheblichen Schaden an. Unternehmen müssen viel Geld aufwenden für Virenscanner und andere Sicherheitstechnik. Wenn der Virus zugeschlagen hat, müssen Daten aufwendig rekonstruiert werden.

Der Kampf um die Computersicherheit ist ein permanenter Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern.

Auch im Privatleben können die Folgen gravierend sein. Fotos, Videos, ein ganzes Leben in Bildern lagern wir auf Computern und Mobilgeräten. Ein Virus wie „Locky", der sie verschlüsselt und unbrauchbar macht, kann Erinnerungen an ganze Lebensabschnitte auslöschen.

Was also tun angesichts der täglichen Flut von Täuschungsversuchen?

Klar: Daten sichern auf USB-Festplatten, die nicht ständig am Rechner hängen. Aktuellen Virenschutz auf dem Rechner haben. Sichere Passwörter verwenden.

Und dann: Noch kritischer werden, noch genauer hinsehen. Mails, die verdächtig sind, löschen. Was wirklich wichtig ist, kommt per Briefpost. Die Cyberattacken sind ein lukratives Geschäft. Die Angriffe werden nur nachlassen, wenn die Erfolgsaussichten für die Kriminellen geringer werden. Das Internet ist erwachsen. Jetzt müssen auch wir, die „User", es werden.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.