Dunja Hayali begleitet rechtsextreme Frauen durch Bielefeld

Neonazi-Demo von Samstag: TV-Journalistin Dunja Hayali geht der Frage nach, woher der Hass von Ester Seitz und Melanie Dittmer vom "Bielefelder Bürgerwillen" kommt

Jens Reichenbach

- © Foto: Barbara Franke
(© Foto: Barbara Franke)

Bielefeld. Die Neonazi-Demonstration am vergangenen Samstag in der Bielefelder Innenstadt hat - wie berichtet - unter den Augen zahlreicher Medienvertreter stattgefunden. Prominenteste Beobachterin war sicherlich die Fernsehjournalistin Dunja Hayali vom ZDF, die gleich mit zwei Kamerateams die Demoanmelderin Ester Seitz und die wegen Volksverhetzung vorbestrafte Pegida- und Biegida-Rednerin Melanie Dittmer begleitete. Warum eigentlich?

ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn erklärt: "Der ,Donnerstalk´ wird sich mit der Frage beschäftigen, welche Rolle Frauen in der rechten Szene spielen." Zwei Protagonistinnen dieser Szene seien Melanie Dittmer und Ester Seitz, die Dunja Hayali mit ihren Teams in Bielefeld getroffen hat. Denn statt der angekündigten rechtskonservativen Asylkritiker aus Bielefeld tauchten mehrere vorbestrafte Neonazis aus Düsseldorf, Dortmund, Köln und Hamm am Hauptbahnhof auf. Auch einige Redner aus dem rechtsextremen Lager (Die Rechte, NPD) gelten als einschlägig vorbestraft.

Die ZDF-Reporterin, deren Eltern aus dem irakischen Mossul stammen, will dabei wissen, "woher der Hass der Frauen kommt? Gegen was kämpfen sie? Und wo schlägt rechte Propaganda in Gewalt um?". Im Anschluss an den Reportagebeitrag wird sich die bekannte Journalistin (Morgenmagazin, heute) dann auch im Studiogespräch mit Experten auseinandersetzen, die die Funktionsprinzipien der Rechtsextremen und ihre Rekrutierungsstrategien beleuchten sollen, so Hagedorn.

Fotostrecke: Bielefeld: Demonstration der Initiative „Bielefelder Bürgerwille“ und ihre Gegner

Auf Anfrage nimmt der ZDF-Sprecher auch Stellung zu einem Gerücht, das sich seit Samstag in Bielefeld hält: Demnach soll die Demo eigens für das Fernsehteam initiiert worden sein. Doch Ester Seitz hatte die Demo bereits am 8. Juni bei der Polizei angemeldet. "Die Kontaktaufnahme unseres Drehteams mit Melanie Dittmer erfolgte erst am 27. Juni - also deutlich danach", so Hagedorn.

Insider des stets gut informierten "Bündnisses gegen Rechts" vermuten vielmehr, dass die Neonazis eher Biegida-Initiator Thomas Borgartz beweisen wollten, dass sie in Bielefeld eine größere Demo auf die Beine stellen können. Eine Machtdemonstration, nachdem die rechtsextreme Szene mit Borgartz - nach anfänglichem Wohlwollen - später gebrochen hatte. Andere vermuten, dass die Demo nur zeigen sollte, dass man ohne Störung durch das linke Bielefeld marschieren könne.

  • "ZDFdonnerstalk" mit Demo-Reportage aus Bielefeld, geplant am 28. Juli, 22.15 Uhr.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.