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Politik

Datenleck: Diese Politiker und Promis aus OWL sind betroffen

Miriam Scharlibbe, Lena Vanessa Niewald, Noah Matzat

Berlin/Bielefeld/Gütersloh. Es könnte eines der größten Datenlecks in der Geschichte Deutschlands sein. Unbekannte Hacker haben laut Informationen des ARD-Senders RBB offenbar etliche private Handynummern, Email-Adressen und Fotos von Politikern und Prominenten ausspioniert und via Twitter in Form eines Adventskalenders im Dezember veröffentlicht. Auch bekannte Persönlichkeiten aus OWL sind betroffen.

So wurde zum Beispiel die E-Mailadresse sowie die private Handynummer des Gütersloher CDU-Bundestagsabgeordneten und Fraktionschefs Ralph Brinkhaus veröffentlicht. Eine Stellungnahme aus Brinkhaus Berliner Büro gibt es vorerst nicht. "Wir können noch nichts genaues sagen. Der Prüfungsprozess läuft und ist kompliziert", sagt Brinkhaus Pressesprecherin Mirja Menke.

Vom Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Patrick Schnieder heißt es zu den Vorfällen: "Wir stehen in Kontakt mit der Bundestagsverwaltung, die wiederum mit den Sicherheitsbehörden zusammenarbeitet. Wir drängen auf eine rascheAufklärung." Die private Mailadresse der Gütersloher SPD-Abgeordneten Elvan Korkmaz wurde ebenfalls gehackt.

Alle Gruppen der SPD-Fraktion betroffen

Wiebke Esdar, Bundestagsabgeordnete der SPD aus Bielefeld, ist nach aktuellem Stand nicht betroffen. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet Esdar aber von dem Ausmaß des Schadens in ihrer Partei. "Seit Freitagmorgen sitzt die Fraktionspitze mit IT-Experten zusammen", so Esdar. "Was wir bisher sagen können: Bei uns sind Mitglieder aus allen Ausschüssen betroffen, junge Kollegen genauso wie ältere. Es lässt sich kein Muster erkennen."

Der Schaden sei massiv. Esdar: "Da wurden Bankverbindungen, Personalausweisnummern und private Kontaktdaten veröffentlicht. Die innerste Privatsphäre der betroffenen Kollegen wurde verletzt." So sehr Politiker Personen des öffentlichen Lebens seien, so sehr hätten sie doch auch ein Anrecht auf ein Privatleben. "Wir dürfen die E-Mail-Adresse des Bundestages gar nicht für alles nutzen", erklärt Esdar. "Jeder Abgeordnete braucht also beispielsweise auch eine private Mailadresse. Er sollte dann aber auch sicher gehen könnte, dass die Kontakte nicht veröffentlicht werden."

Niemand in der Berliner Poltik habe geglaubt, dass es eine Garantie auf absolute Datensicherheit gibt, sagt Esdar. Immerhin seien Vorfälle aus der Vergangenheit, wie das Datenleck bei Facebook, noch immer nicht aufgeklärt. Trotzdem müsse man jetzt darüber sprechen, welche Maßnahmen gegen so einen Hackerangriff helfen. Esdar selbst hat erste Konsequenzen gezogen: "In der Gruppe der zwölf jungen Abgeordneten der SPD wechseln wir jetzt den Messenger-Dienst."

"Ein dramatischer, krimineller Akt"

Kerstin Vieregge, Bundestagsabgeordnete der CDU für den Kreis Lippe, sieht den Angriff als "dramatischen, kriminellem Akt". Von ihr seien Name und Handynummer aufgelistet. "Es gibt aber nunmal Daten, die persönlich sind und keinen in der Bevölkerung etwas angehen." Offensichtlich habe es an irgendeiner Stelle keinen ausreichenden Schutz gegeben, kritisiert Vieregge.

Von Carsten Linnemann (CDU) wurde die private Handynummer neben seinem Namen veröffentlicht. Der Bundestagsabgeordnete aus Paderborn und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU zeigt sich entsetzt: "Als ich von dem Hackerangriff erfahren habe, habe ich mich gefragt, wo das hinführen soll." Ihm sei die Liste aller veröffentlichten Daten zugespielt worden, sodass er überprüfen konnte, ob er betroffen ist. "Das ist ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre und damit eine Straftat."

Linnemann kritisiert außerdem das Krisenmanagemant des Bundestags. "Ich habe aus den Medien von der Veröffentlichung der Daten erfahren, bevor ich irgendeine Information vom Bundestag erhalten habe. Das kann auch nicht richtig sein."

Christian Haase, CDU-Bundestagsabgeordneter für Höxter und Lippe, reagiert dagegen gelassen. In einem Gespräch mit Radio Hochstift sagte Haase, er halte die die Veröffentlichung seiner Handynummer nicht für dramatisch.

Britta Haßelmann, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen und Bundestagsabgeordnete aus Bielefeld spricht von einem "neuen, sehr ernstzunehmenden Versuch, unsere Demokratie zu destabilisieren". Ihre Partei habe immer und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass es um die IT-Sicherheit extrem schlecht steht. "Nun ist es uns ergangen, wie Millionen Menschen zuvor: Viele von uns sind Opfer eines umfangreichen Leaks geworden, bei dem nicht nur persönliche Daten von uns erbeutet wurden, sondern auch von Familienangehörigen und vielen anderen", sagt Haßelmann.

Haßelmann empfiehlt allen Betroffenen - ob Politikern, Ehrenamtlichen, Journalisten - Strafanzeige zu stellen und fordert die Behörden auf, den Angriff schnell und intensiv aufzuklären.

Ministerpräsident und NRW-Abgeordnete aus OWL betroffen

Auch Abgeordnete des NRW-Landtages sollen von dem Datenleck betroffen sein. „Unter den veröffentlichten Daten befinden sich offensichtlich auch Angaben von Mitgliedern der Landesregierung", sagt der stellvertretende Regierungssprecher Moritz Kracht. Die betroffenen Kabinettsmitglieder seien darüber zeitnah informiert worden. Die Landesregierung stehe in Kontakt mit den zuständigen IT- und Sicherheitsbehörden. Laut der Erklärung liegen der Staatskanzlei bisher allerdings keine Informationen vor, wonach Mitglieder der Landesregierung selbst unmittelbar Ziel eines Angriffs geworden sein könnten und demnach Quelle des Datenlecks wären. Nach Informationen des WDR sind die persönlichen Telefonnummern von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und seinem Stellvertreter, Minister Joachim Stanp (FDP) veröffentlicht worden.

Betroffen sind auch Oppositionspolitiker in NRW. Von den Grünen tauchen unter anderem die Namen der Fraktionschefs Arndt Klocke und Monika Düker aus Höxter auf. Ebenso steht der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Sebastian Hartmann auf einer der Listen mit den Daten.

Fotos der Kinder von Komiker Oliver Welke veröffentlicht

Komiker Oliver Welke - aufgewachsen in Harsewinkel - traf es noch härter. Die privaten Handynummern von Familienangehörigen und seiner Ehefrau sind für alle zugänglich im Netz. Auch private Fotos seiner Kinder sind offenbar in Umlauf gekommen.

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