"Horrorhaus"-Prozess: Psychiater erstellt neues Gutachten über Wilfried W.

Lukas Brekenkamp

Mehr als ein Jahr nach dem Urteil im spektakulären „Horrorhaus"-Prozess wird ein neues psychiatrisches Gutachten über Wilfried W. erstellt. - © Wolfgang Rudolf
Mehr als ein Jahr nach dem Urteil im spektakulären „Horrorhaus"-Prozess wird ein neues psychiatrisches Gutachten über Wilfried W. erstellt. (© Wolfgang Rudolf)

Höxter. Mehr als ein Jahr nach dem Urteil im spektakulären „Horrorhaus"-Prozess wird ein neues psychiatrisches Gutachten über Wilfried W. erstellt. Der Grund: Therapeuten in der forensischen Psychiatrie in Münster scheinen an der Schuldunfähigkeit W.s zu zweifeln. Aktuell werde demnach geprüft, ob er nicht doch schuldfähig und ein Hangtäter sein könnte. Das bestätigte Anwalt Carsten Ernst.

Wilfried W. wurde im Oktober 2018 vom Paderborner Landgericht unter anderem wegen Mordes durch Unterlassen zu elf Jahren Haft und Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt. Zurzeit ist er in einer Klinik in Münster untergebracht, in der vor allem stark minderbegabte Patienten behandelt werden. Während des Prozesses wurde ihm ein niedriger IQ von 59 sowie eine erheblich verminderte Schuldunfähigkeit attestiert.

Erstellt wurde dieses Gutachten von Nahlah Saimeh, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Forensik. Zuvor kam der forensische Psychiater Michael Osterheider bei Wilfried W. jedoch im Grunde zu einem gegenteiligen Schluss, ehe er nach schweren Manipulationsvorwürfen entpflichtet wurde.

Was Wilfried W. drohen könnte

Hatte Osterheider Recht, und Wilfried W. ist doch schuldfähig? Für ihn könnte das neue Gutachten schwerwiegende Folgen haben. Sollte er tatsächlich als sogenannter Hangtäter eingestuft werden, droht Wilfried W. die nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung. Anwalt Carsten Ernst scheint jedoch davon auszugehen, dass auch das neue Gutachten seinem Mandanten die Schuldunfähigkeit bestätigt: „Ich gehe davon aus, dass die Unterbringung in der Psychiatrie bestehen bleibt."

Zuständig für die neuen Untersuchungen ist laut Ernst der renommierte Psychiater Henning Saß. Saß hatte bereits den Mörder des Modemachers Rudolph Moshammer begutachtet. Und auch am NSU-Prozess war der Psychiater beteiligt: Zwar lehnte die Hauptangeklagte eine Untersuchung durch Saß ab, dieser stützte sich in seinem Gutachten damals jedoch auf Akten.

In Auftrag gegeben hatte das neue Gutachten von Wilfried W. die Strafvollstreckungskammer beim Landgericht Münster nach einer Stellungnahme der Psychiatrie.

Der Fall Höxter-Bosseborn hatte im Jahr 2016 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Angeklagt war neben Wilfried W. auch seine damalige Ehefrau Angelika. Das Paar hatte mehrere Frauen in ihrem Haus misshandelt und eingesperrt, zwei starben. Wilfried W. war zu dem Zeitpunkt bereits einschlägig vorbestraft. Während Wilfried W. in der Psychiatrie in Münster untergebracht ist, sitzt Angelika W. ihre Strafe (13 Jahre) in der JVA Bielefeld-Brackwede ab. Ihr Anwalt Peter Wüller sagte, ihr gehe es „bestens" und sie fühle sich im Vollzug „sehr wohl".

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