Corona bei Tönnies – Laschet schiebt's auf Südosteuropa

Florian Pfitzner

Ministerpräsident Laschet agiert unglücklich. - © picture alliance/dpa
Ministerpräsident Laschet agiert unglücklich. (© picture alliance/dpa)

Düsseldorf/Rheda-Wiedenbrück. Was die Ressentiments gegenüber Südosteuropäern angeht, steht der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet tief in der Tradition des ehemaligen Regierungschefs Jürgen Rüttgers (beide CDU). Findet jedenfalls NRW-Oppositionsführer Thomas Kutschaty, der Laschet dafür kritisiert, dass dieser in "dieselbe Schublade" gegriffen habe wie sein Vorvorgänger.

Laschet erklärte nach einem Gespräch der Ministerpräsidenten in Berlin, dass der Fall Tönnies "überhaupt nichts" über seine Lockerungspolitik der vergangenen Wochen aussage – Grund: "Weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt".


"Was ist das für ein Menschenbild?"

Kutschaty reagierte empört. "Was ist das bitte für ein Menschenbild? Jeder Erkrankte ist ein Mensch, egal wo er herkommt", sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion. "Armin Laschet sollte sich dafür entschuldigen."

Der nordrhein-westfälische Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verteidigte die Beschäftigten der Schlachthöfe im Fachausschuss des Landtags. "Es darf nicht so sein, dass die Menschen, die teilweise aus Osteuropa kommen, am Ende schuld sind", sagte Laumann. Aus seinem Haus hieß es: "Wir wissen alle, dass das Virus nicht verschwunden ist." Trotz aller Lockerungsmaßnahmen müsse man "die weitere Entwicklung engmaschig beobachten, weil man genau solche Ereignisse nicht ausschließen kann und zeitnah erkennen muss".

Rüttgers und die Rumänen

Rüttgers hatte sich im August 2009 eine Entgleisung bei einem Wahlkampfauftritt geleistet. Der damalige NRW-Ministerpräsident beschimpfte rumänische Arbeiter, als er sagte: "Und im Unterschied zu den Arbeitnehmern im Ruhrgebiet, kommen die in Rumänien nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und sie wissen nicht, was sie tun."

Nach dem Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind inzwischen mehr als 650 Beschäftigte positiv auf das Virus getestet worden (Stand: Mittwochabend, 17. Juni). Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) ließ Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bis zu den Sommerferien schließen. Tönnies schickte 7.000 seiner Mitarbeiter in Quarantäne.

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