Schmerzhafter Biss - wo Kriebelmücken vorkommen, wie Sie sich schützen

In einigen Regionen Deutschlands sind die Insekten derzeit ein größeres Problem

Talin Dilsizyan

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Mit ihren scharfen Mandibeln ritzt eine Kriebelmücke ein Loch in die Haut. - © picture alliance / WILDLIFE
Mit ihren scharfen Mandibeln ritzt eine Kriebelmücke ein Loch in die Haut. (© picture alliance / WILDLIFE)

Bielefeld. Sie sind nur zwei bis fünf Millimeter groß und kommen anders als Stechmücken in Fließgewässern vor: Kriebelmücken. Ihr Biss ist nicht nur schmerzhafter, auch kann er bei Menschen zu größeren gesundheitlichen Problemen führen. In einigen Regionen treten die Insekten derzeit vermehrt auf.

Viel Regen im Frühjahr bedeutet ideale Bedingungen für Kriebelmücken, um sich zu vermehren. Die Insekten, die auch als "schwarze Fliegen" bezeichnet werden, sind vor allem an Flüssen im Flachland anzutreffen. Die Larven schlüpfen bei Temperaturen über 8 Grad Celsius aus den Eiern. Sie filtern Algen, Bakterien und Schwebstoffe aus dem Gewässer und sind ein Zeichen für eine gute Wasserqualität. Die ausgewachsenen Kriebelmücken ernähren sich von Blütennektar. Allerdings gehört bei den weiblichen Tieren auch Blut auf den Speiseplan. So wie Stechmücken-Weibchen benötigen sie Proteine und Eisen, damit sie nach der Befruchtung Eier bilden und sich diese entwickeln können. Wenn sie massenhaft auftreten, können sie lebensgefährlich für Nutz- und Weidetiere werden.


Wie der menschliche Körper auf einen Biss reagiert

Besonders schmerzhaft ist ihr Biss für den Menschen, weil sie nicht über einen Stechrüssel das Blut saugen. Sie verfügen über scharfe Mundwerkzeuge, mit denen sie kleine Löcher in die Haut sägen. Für ihre Blutmahlzeit bevorzugen die Insekten dünnere Hautpartien, gut durchblutete Körperstellen etwa am Kopf oder an Armen und Beinen. Aus den Wunden saugen sie das Blut ein. Ihr Speichel enthält gerinnungshemmende Stoffe, die häufig zu Rötungen, starken Schwellungen, lokalen Blutergüsse führen. Auch können Bakterien übertragen werden. In seltenen Fällen kommt es zu stärkeren allergischen Reaktionen. Im schlimmsten Fall löst der Biss eine Blutvergiftung aus.

Wichtig ist es, wie auch bei einem Mückenstich, nicht an der betroffenen Stelle zu kratzen. Wer einen Biss bemerkt, sollte die Wunde zunächst reinigen und danach kühlen. Salben, die gegen den Juckreiz wirken oder auch Gels, die entzündungshemmende Inhaltsstoffe wie Hydrocortison enthalten, können die Heilung unterstützen. Klingt die Schwellung nach Tagen nicht ab, ist sie besonders groß und verursacht Schmerzen, hat man Fieber, sollte man zum Arzt gehen.

Kommen Kriebelmücken 2020 in NRW besonders häufig vor?

Je nach Witterung tritt die Kriebelmücke vor allem in den Monaten April und Mai sowie im August und September nahe der Bäche und Flüsse besonders häufig auf. Massenhaft schlüpfen die Larven, wenn es nach einer längeren, kühlen Zeit anhaltend warm, windstill ist und gleichzeitig hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Im Mai warnte das Veterinäramt des Kreises Heinsberg, dass in den folgenden Wochen aufgrund der steigenden Temperaturen an Rur und Wurm vermehrt Kriebelmücken anzutreffen seien. Aus weiteren Regionen sind jedoch keine Auffälligkeiten gemeldet worden.

Der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen liegen bisher keine Hinweise darauf vor, dass die Insekten derzeit zu einer größeren Gefahr für Weidetiere werden könnten. Dies hänge mit dem fehlenden Niederschlag zusammen. 2010 sorgte der Befall für Verluste bei Schafherden.

Aktuell gibt es aber Meldungen aus Mecklenburg-Vorpommern und Hessen, dass sich Kriebelmücken dort stark vermehrt haben. Wie der Hessische Rundfunk berichtet, sorgt sie etwa bei Wassersportlern auf der Fulda für unangenehme Erlebnisse. Bei einer 32-Jährigen war nach einem Biss der "Fuß zwei Tage später doppelt so dick wie normal" und sie musste ins Krankenhaus. Von mehreren Blasen und Blutergüssen berichtet eine 39-Jährige, die in ihrem Garten in Helsa bei Kassel gebissen wurde. Im Krankenhaus musste sie wegen einer Blutvergiftung auf der Intensivstation behandelt werden.

So schützen Sie sich vor Kriebelmücken

Um sich vor einem Biss zu schützen hilft es, gerade in der Nähe von Gewässern und nahe Weideflächen lange Kleidung, möglichst mit verschließbaren Bündchen sowie geschlossene Schuhe zu tragen. Da diese Mücken gern auch am Haaransatz zubeißen werden eng abschließende Kopfbedeckungen empfohlen. Insektenschutzmittel (Repellents) halten die Blutsauger von nicht bedeckten Stellen der Haut fern. Als besonders wirksam gelten Produkte, die DEET (Diethyltoluamid) enthalten.

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