Wie man sein digitales Erbe richtig regelt

Florian Rinke

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Fotos, sozialeNetzwerke, Cloud-Dienste: Auch Ihren digitalen Nachlass können Sie regeln. - © iStockphoto
Fotos, sozialeNetzwerke, Cloud-Dienste: Auch Ihren digitalen Nachlass können Sie regeln. (© iStockphoto)

Bielefeld. Hand aufs Herz: Wissen Sie, wie viele Nutzerkonten Sie im Internet inzwischen schon erstellt haben? Wir können ja mal überschlagen: Ein Konto bei einem E-Mail-Anbieter. Ein Nutzerkonto für Ihr Smartphone. Wie sieht es mit Online-Banking aus? Haben Sie ein Konto bei Amazon, Otto oder einem anderen Online-Händler? Vielleicht sogar noch bei einem Streaming-Dienst für Musik oder Filme, wo Sie jeweils persönliche Passwörter verwenden? Lesen Sie im Internet die Artikel auf einer Nachrichtenseite, bei der Sie sich anmelden müssen? Und: Sind Sie in sozialen Netzwerken aktiv?

Es ist schwer, da den Überblick zu behalten. Und das gilt nicht nur für die Nutzer, sondern auch für ihre Erben. Denn die müssen inzwischen nicht nur den analogen Nachlass verwalten, sondern sich auch um den digitalen kümmern – allein schon, weil je nach Dienst monatlich oder jährlich Kosten anfallen. Das ist schon mit wenig Aufwand möglich. Ein Überblick:

Übersicht behalten

Jetzt neu: Unser Vorsorgeordner hilft Ihnen, einen Überblick zu behalten. - © NW
Jetzt neu: Unser Vorsorgeordner hilft Ihnen, einen Überblick zu behalten. (© NW)

Damit Angehörige im Fall einer schweren Krankheit oder eines Todesfalls überhaupt wissen, um welche Online-Konten sie sich kümmern müssen, sollte man frühzeitig eine Liste anlegen, in der die Namen der jeweiligen Seiten sowie die dazugehörigen Login-Daten (Benutzername/Kennwort) hinterlegt sind. Wichtig dabei ist, diese Liste regelmäßig zu aktualisieren.

Alternativ kann man auch einen digitalen Tresor, also einen Passwort-Manager, verwenden, sodass alle Nutzerkonten zentral gespeichert und mit einem Master-Passwort gesichert sind.

Regelungen

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, neben den Kontoinformationen auch zu notieren, was mit dem Account passieren soll (also zum Beispiel: „Nach dem Tod löschen" oder „Account kündigen und dann löschen"). Im Internet hat sie dazu ein entsprechendes Muster-Formular bereitgestellt. Die Liste mit diesen Informationen und den Daten der Nutzerkonten sollte entweder auf Papier oder etwa auf einem USB-Stick gespeichert an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, etwa in einem Bankschließfach.

Vertraute Person

Es hilft, frühzeitig eine Person ins Vertrauen zu ziehen: Welche Unterlagen gibt es und wo sind diese gelagert? Sollte ein digitaler Tresor verwendet werden, muss jemand außerdem eingeweiht werden, mit welchem Master-Passwort man Zugriff auf die Daten bekommt. Natürlich kann man auch dieses Master-Passwort notieren und an einem sicheren Ort für den Ernstfall hinterlegen. In einer Vollmacht muss dieser Person außerdem gestattet werden, sich um den digitalen Nachlass kümmern zu dürfen – zu Lebzeiten (etwa im Falle eines Komas) oder nach dem Tod. Auch hierzu hat die Verbraucherzentrale NRW ein Muster-Dokument im Internet bereitgestellt. Alternativ kann der digitale Nachlass natürlich auch im Zuge eines Testaments geregelt werden.

Einstellungen anpassen

Viele Online-Anbieter ermöglichen es ihren Nutzern bereits zu Lebzeiten, Regelungen im Fall eines Ablebens festzulegen. So kann man bei Google (u.a. Gmail, Youtube) beispielsweise in den Einstellungen einen Kontoinaktivität-Manager starten. Mit diesem lassen sich bis zu zehn Personen benennen, die Zugriff auf die Daten erhalten, nachdem ein Konto als inaktiv gilt. Außerdem kann man festlegen, ob das Konto und sämtliche Daten gelöscht werden sollen.

Ähnliche Einstellungen lassen sich in sozialen Netzwerken wie Facebook vornehmen. Auch dort ist es möglich, einen Nachlasskontakt festzulegen. Dieser kann beispielsweise die Löschung des Kontos beantragen und die gespeicherten Daten herunterladen. Ein Facebook-Konto kann außerdem nicht nur gelöscht, sondern auch in einen Gedenkzustand umgewandelt werden. Im Zweifel hilft es also, sich frühzeitig mit den unterschiedlichen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die es bei den unterschiedlichen Angeboten gibt – denn viele Online-Dienste haben die Frage des digitalen Nachlasses noch nicht geregelt.

Rechtsprechung beachten

Der digitale Nachlass war lange Zeit ein Streitpunkt zwischen Online-Diensten und Betroffenen. So mussten beispielsweise die Eltern eines verstorbenen Mädchens bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) ziehen, um Zugriff auf ihr Facebook-Konto zu erhalten. Inzwischen hat der BGH für Klarheit gesorgt: Der digitale Nachlass ist wie das Erbe von Gegenständen zu behandeln. Daher gehen alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen an Online-Diensten auf den oder die Erben über. Darauf hat auch die Bundesregierung zuletzt noch einmal hingewiesen. Erben können damit über alle persönlichen Daten des Verstorbenen in E-Mail-Diensten und über seine Konten in sozialen Netzwerken verfügen.

Dennoch kann dieses Grundsatzurteil in den kommenden Jahren natürlich in weiteren Verfahren noch einmal Thema werden, wenn es etwa um bestimmte Einzelfälle oder Feinheiten geht. Daher hilft es, im Zweifel die aktuelle Rechtsprechung im Blick zu behalten.

Nutzungsrechte beachten

Bei der Rechtsprechung des BGH gibt es einen Unterschied der analogen und digitalen Welt zu beachten: Wenn man früher ein Erbe antrat, dann gehörten dazu auch die Bücher in den Bücherregalen oder die Platten und CDs in den Schränken. Das ist in der digitalen Welt unter Umständen anders. So gewähren viele Anbieter ihren Kunden nur ein einfaches Nutzungsrecht, das nicht übertragbar ist. Das bedeutet: Ein E-Book kann oft nicht vererbt werden – genauso wenig, wie es verkauft oder verschenkt werden kann.

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