Bielefeld. Europas größter Medienkonzern - da hat Andreas Grafemeyer (55) bislang gearbeitet. Er leitete die Bertelsmann-Pressestelle in Gütersloh. Doch nach mehr als 15 Jahren dort hat er sich eine neue Herausforderung gesucht. Grafemeyer hat beim aufstrebenden Bielefelder Start-up "The Trailblazers" von Jannis Johannmeier, Jule Bolzenius und Kristof Albrink angeheuert. Damit ist es dem jungen Unternehmen gelungen, einen der bekanntesten Namen der Szene zu sich zu holen. Vor Bertelsmann war Grafemeyer als Wirtschaftsjournalist für "Handelsblatt" und "Börsen-Zeitung" tätig. Er startet bei den Trailblazers als Senior Public Relations Manager. Doch Position oder Rang sind für ihn nicht entscheidend. "Mich fasziniert, wie die Agentur das Thema PR völlig neu angeht und versteht", sagt er. Weil er beschlossen hatte, sich noch einmal neu beruflich zu erfinden, bewarb er sich bei Jannis Johannmeier (33). Der Konzernsprecher rief den Start-up-Gründer an. "Das war ein unglaublicher Moment für uns", sagt Johannmeier. "Ich wusste sofort, dass wir das gemeinsam probieren müssen. Eine solche Chance zur Zusammenarbeit lässt man nicht liegen." "Wir wollen die führende PR-Agentur werden" Die Trailblazers bezeichnen sich als "kommunikativen Wegbereiter für den digitalen und gesellschaftlichen Wandel". Es gibt sie erst seit Oktober 2020. Die Agentur wird im ersten Jahr bereits einen Millionen-Umsatz erzielen und betreut deutschlandweit Partner wie Semalytix, Westphalia DataLab, Valuedesk, die Marantec Company Group, Protofy, Seidensticker und die Campus Founders. "Unser Ziel ist, die führende PR-Agentur in Europa zu werden", sagt Johannmeier. Dabei will der Neuzugang helfen. Seine Erfahrung und sein Netzwerk aus der etablierten Kommunikationswelt wollen die Trailblazers mit ihren neuen Wegen verbinden. Dass Grafemeyer und Johannmeier aus unterschiedlichen Welten kommen, merkten sie bei der Bewerbung. "Ich habe ihm sogar mein Abiturzeugnis geschickt, aber darüber hat er nur geschmunzelt", sagt der Ältere und muss lachen. Es mag daran liegen, dass das Zeugnis schon drei Jahre alt war, als Johannmeier überhaupt geboren wurde. Alter und Geschlecht sind in dessen Sicht aber nur biologische Merkmale: "Mich interessiert der Mensch, was er kann und welches Mindset er mitbringt." An Grafemeyer schätzt er unter anderem die Fähigkeit des Storytellings. "Das ist genau das, was wir brauchen." Hat er keine Bedenken, dass er von der Expertise des Neuen erdrückt wird? "Nein, ich weiß, dass er in manchen Bereichen mehr weiß als ich. Das ist genau unser Anspruch: Immer kraftvoller zu werden", sagt der Gründer. Das gehe nur mit Leuten, die mehr können als man selbst. Den Ex-Bertelsmann-Mitarbeiter wiederum reizen "das hohe Tempo, die Dynamik, der neue Blickwinkel." Natürlich sei auch Abenteuerlust dabei. "Ich wollte ja aus meiner Komfortzone heraus." "Hättest du mich umgekehrt auch eingestellt?" Die Agentur will ihre Partner aus der Wirtschaft "dauerhaft und sinnvoll in die Medien und große Öffentlichkeiten bringen, damit sie ihre Geschichten erzählen können". Der Ansatz sei journalistisch. Man wolle den Visionären in der Wirtschaft eine Stimme geben. Dabei sehen sich die jungen Macher nicht in der Rolle des Dienstleisters, sondern als Teampartner. Eine Frage aber hat Johannmeier doch an seinen neuen Kollegen: "Hättest du mich umgekehrt auch eingestellt?" Grafemeyer lächelt und sagt: "Sofort."