Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gibt am Freitag in Düsseldorf die wichtigsten Informationen zum Beginn des neuen Schuljahres bekannt. Nach sechseinhalb Wochen Sommerferien kehren am Mittwoch rund 2,5 Millionen Schüler in den Präsenzunterricht zurück. Einige Kinder haben in den Ferien nicht nur entspannt, sondern Angebote aus dem Landesprogramm „Extra-Zeit zum Lernen" wahrgenommen, um pandemiebedingte Defizite aufzuarbeiten.
Mit rund einer halben Milliarde Euro aus Landes- und Bundesmitteln sollen auch weiterhin Lernrückstände infolge der Corona-Pandemie aufgearbeitet werden. "Wenn wir jetzt ins neue Schuljahr starten, dann kommen wir nicht umhin, dabei auch die Herausforderungen der vergangenen anderthalb Jahre zu berücksichtigen", so Gebauer. Das Geld fließe zum einen in gezielte Lernprogramme schulischer und außerschulischer Bildungsträger. Das Land werde die Schulen aber auch mit Extra-Budgets und Pauschalen etwa für zusätzliches Personal unterstützen.
Schülerinnen und Schüler sollen Bildungsgutscheine erhalten, mit denen sie externe Bildungsangebote wahrnehmen können, um Lerndefizite zu beseitigen. Außerdem habe das Landesinstitut für Schule ein Online-Portal mit Materialien zusammengestellt, um Lehrkräfte bei Lernstandsdiagnosen und einer passgenauen individuellen Förderung zu unterstützen.
Schuljahr in Präsenz geplant
Trotz anhaltender Corona-Pandemie und wieder ansteigender Neuinfektionsraten sollen die allermeisten Schüler wieder im Klassenzimmer unterrichtet werden - mit Maskenpflicht und den bekannten Hygienemaßnahmen. In den Mitte Juli vom Hochwasser betroffenen Regionen müssen für einige stark geschädigte Schulgebäude allerdings Ausweichmöglichkeiten gefunden werden.
Bei einem Corona-Fall soll in Zukunft nicht mehr zwangsläufig die ganze Schulklasse in Quarantäne. Laut Gebauer sollen nur noch direkte Sitznachbarn in Quarantäne - außerdem Lehrer oder Personal, wenn es engen Kontakt zum betreffenden Schüler gab. Konkret geht es um Schüler, die rechts, links, vor und hinter einem infizierten Mitschüler gesessen haben.S ie müssen dann 14 Tage in Quarantäne - mit der Möglichkeit, sich ohne Karenzzeit frei zu testen. Schüler oder Lehrer, die einen negativen PCR-Test vorlegten, könnten sofort wieder am Unterricht teilnehmen, erläuterte die Ministerin. Vollständig Geimpfte ohne Symptome seien von der Quarantäne grundsätzlich ausgenommen.
Die Neuregelung gilt bereits zu Beginn des neuen Schuljahres ab Mittwoch. Allerdings könnten die örtlichen Gesundheitsämter strengere Quarantäne-Kriterien für Kontaktpersonen definieren, schränkte Gebauer ein.
Weiterführende Schulen können Impfangebote machen
Mit Beginn des Unterrichts können an den Schulen nun auch Impfungen für die Sekundarstufe II der allgemeinbildenden Schulen angeboten werden. Das Angebot richte sich sowohl an die Schüler als auch an die Beschäftigten, kündigte Gebauer an.
Die Organisation liegt laut einem neuen Erlass des Ministeriums bei den 53 Kreisen und kreisfreien Städte im Einvernehmen mit dem Schulträger und der -leitung. Ebenso könnten nun spezielle Angebote für die Sekundarstufe II in den Impfzentren entwickelt werden, heißt es dort. Gerade außerhalb der Ballungsräume seien aber niedrigschwellige, aufsuchende Angebote hilfreich, erläuterte Gebauer. Für die Berufskollegs gibt es das bereits.
Für die Impfung 12- bis 15-Jähriger ist grundsätzlich eine Einwilligung beider Erziehungsberechtigter erforderlich. Minderjährige ab 16 Jahren können grundsätzlich selbst entscheiden.
Umsetzungsprobleme beim Luftfilter-Programm
SPD und Grüne beklagen, dass das millionenschwere Förderprogramm für Luftfilter in der Praxis nicht ankomme. Auch NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) hat bereits Umsetzungsprobleme eingeräumt, weil eine Verwaltungsvereinbarung vom Bund fehle. Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte in dieser Woche in einer Sondersitzung des Landtags aber auch betont, dass regelmäßiges Lüften mit geöffneten Fenstern durch die Anlagen nicht zu ersetzen sei. Das gelte auch für die kalte Jahreszeit.