Grundschule startet Spendenaktion für die Familie der auf dem OWD getöteten Mutter

Jürgen Mahncke

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Eine Bielefelder Grundschule hat eine Spendensammlung für die Familie der bei dem Unfall auf dem OWD getöteten Mutter gestartet. - © Symbolfoto
Eine Bielefelder Grundschule hat eine Spendensammlung für die Familie der bei dem Unfall auf dem OWD getöteten Mutter gestartet. (© Symbolfoto)

Bielefeld. Nach einem schweren Unfall auf dem Ostwestfalendamm starb am Montag, 13. Dezember, eine 32-jährige Bielefelderin. Sie hinterlässt ihren Ehemann und zwei kleine Söhne. Die Grundschule der Kinder hat jetzt einen Spendenaufruf für die Hinterbliebenen gestartet.

Auf der Homepage der Grundschule Milse heißt es: "Durch den tragischen Unfall am 13. Dezember verlor eine Familie unserer Schulgemeinschaft ihre Mutter und Ehefrau. Niemand kann ermessen, was dieser Verlust für den hinterbliebenen Vater und die beiden Söhne bedeutet. Wir als Schulgemeinde möchten die Familie durch unsere Spendenaktion des Fördervereins der Grundschule Milse unterstützen."

Unter dem Motto "Gemeinsam statt einsam" will die Schule helfen und bittet anstelle freundlich zugedachter Kranz- oder Blumenspenden um eine Geldspende. Es sei auch möglich, Bargeld im Schulbüro abzugeben, das direkt weitergeleitet wird.

Kleinwagen in drei weitere Fahrzeuge gestoßen

Nach Angaben der Polizei hatte sich der Unfall am Montag gegen 16.15 Uhr auf dem rechten Fahrstreifen ereignet. Demnach wechselte ein 24-jähriger Bielefelder BMW-Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit von der mittleren auf die rechte Fahrspur. Dabei erkannte der Fahrer offenbar ein Stauende und den ganz am Ende stehenden Kleinwagen einer Bielefelderin auf der rechten Fahrspur zu spät.

Durch den wuchtigen Aufprall wurde das Fahrzeug der jungen Frau nach vorne katapultiert und schleuderte noch in drei weitere Fahrzeuge. Das Auto wurde dabei massiv zusammengedrückt, die Fahrerin wurde im Inneren eingeklemmt.

Einsatzkräfte traumatisiert

Matthias Hülsmann, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr berichtet von dem Einsatz. „Der schreckliche Unfall steckt mir tief in den Knochen", erzählt der erfahrene Feuerwehrmann.

Schnell hatte sich in der Stadt herumgesprochen, dass sich ein verheerender Unfall auf dem Ostwestfalendamm Richtung A33 ereignet hatte. Die Hauptachse stadtauswärts war in dieser Richtung komplett gesperrt. Von der Arthur-Ladebeck-Straße aus sah man ein blaues Lichtermeer der zahlreichen Rettungsfahrzeuge auf dem OWD. Es waren apokalyptische Bilder in der Dämmerung.

Der Unfall

Kurz vor der Abfahrt Quelle sind auf dem OWD die Warnblinkleuchten eines BMW, der schrottreif an der Leitplanke steht, zu erkennen. Ein Polizist vor Ort informiert , dass ein schrecklicher Unfall passiert sei. Niemand habe mit diesem furchtbaren Ausmaß gerechnet. In der Regel seien Auffahrunfälle auf dem OWD eher harmlos. Diesmal sei es leider anders.

Die Besatzungen von drei Rettungswagen sind als erste am Unfallort. „Sie fuhren auf ein Stück zerstörtes Blech zu und erkannten eine Fahrerin in lebensbedrohlichem Zustand, die aus dem Autowrack herausgeschnitten werden muss. Doch ihr erster Blick fällt auf zwei zerstörte Kindersitze. Das ist auch für erfahrene Retter kaum zu ertragen, ihre Emotionen kaum zu beschreiben", schildert Heinrich Hofmann, Chef der Rettungsdienst Gesellschaft von Arbeiter-Samariter-Bund, Deutschen Roten Kreuz und Johanniter Unfall-Hilfe, die Erlebnisse seiner Mitarbeiter, die an dem Einsatz beteiligt waren.

Retter bis an ihre Grenzen belastet

Die Feuerwehr trifft mit mehreren Fahrzeugen vor Ort ein. Aus einem Rüstwagen wird in aller Eile schweres, hydraulisches Gerät geholt. Mit einer sogenannten Crash-Rettung wird das Fahrzeug geöffnet, das Dach abgeschnitten, die Türen aufgebrochen. Jede Sekunde zählt. Kinder sind glücklicherweise nicht im Auto. Bei allen Rettungskräften herrscht gedrückte Stimmung. Die drei Fahrbahnen des OWD glitzern im Licht von den weiträumig verstreuten Scherben der zerborstenen Autoscheiben. Inzwischen laufen die ersten Meldungen über die sozialen Netzwerk.

Passierende Autofahrer auf der Gegenfahrbahn, die stadteinwärts fahren, berichten von fürchterlichen Bildern, die kaum zu ertragen seien. Andere stehen im kilometerlangen Stau auf dem komplett gesperrten OWD und mokieren sich darüber, dass es nicht weitergeht. Man könne den Verkehr doch am Unfallort vorbeileiten. Bei den Einsatzkräften ruft dies Unverständnis hervor.

Lange Sperrung des OWD hat seine Gründe

Die Autofahrer können nicht ahnen, welches Drama sich gerade vor ihnen abspielt und welche Zeit es braucht, das Unfallgeschehen sorgfältig aufzuarbeiten. Keine Spur darf verwischt werden, Fotos müssen gemacht werden, Bremsspuren gefunden werden.

Der Unfallverursacher, der vermutlich mit viel zu hoher Geschwindigkeit in das Heck des Kleinwagens fuhr, wird sich demnächst vor Gericht verantworten müssen. Er ist unverletzt aus seinem Fahrzeug gestiegen und wird gleich in Polizeigewahrsam genommen und zum Präsidium transportiert. Er ist zuvor mehreren Zeugen durch seine rasante, rücksichtslose Fahrweise aufgefallen.

In hohem Tempo, so ein Zeuge, habe er ständig die Fahrspuren gewechselt und jede Lücke genutzt, um schneller vorwärts zu kommen. Erst auf Anweisung der Staatsanwaltschaft muss der Unfallverursacher nach einigen Stunden wieder entlassen werden. Einem Sachverständigen der Dekra, der den Unfall vor Ort analysieren muss, ist das Entsetzen über das Unglück im Gesicht abzulesen.

Vorsätzliche Körperverletzung gegenüber allen Helfern

Gegen 21 Uhr meldet die Polizei den Tod der 32-jährigen Fahrerin. Das Unglück hat bei allen Beteiligten tiefe emotionale Spuren hinterlassen. „Mich macht die Gier auf Geschwindigkeit und Rücksichtslosigkeit fassungslos. Das ist vorsätzliche Körperverletzung gegenüber allen, die bei einem solchen Einsatz beteiligt sind. Wir erleben viele Unfälle, die durch Fahrfehler oder fahrlässiges Verhalten eintreten. In diesem Fall sprechen wir von Vorsatz", erzürnt sich Hofmann. Zurück bleiben trauernde Angehörige und traumatisierte Rettungskräfte.

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