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Auffahrt zur A30 gesperrt

Hochwasser in OWL: Hund in Bielefeld ertrunken, Feuerwehr Höxter rettet Frau aus Auto

Der andauernde Regen wird in vielen Regionen in OWL zum Problem. Auch an den Weihnachtstagen ist keine Entspannung zu erwarten.

Nach dem Sturmtief Zoltan hat nun der Dauerregen die Region fest im Griff. Da in Ostwestfalen-Lippe zahlreiche Liter auf den ohnehin aufgeweichten Boden trafen, besteht in vielen Kreisen Hochwassergefahr. Entspannung ist derzeit nicht in Sicht; auch an den Weihnachtstagen soll es weiterhin regnen, wie die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes zeigt. Im Kreis Lippe sind die Einsatzkräfte am Sonntag noch relativ entspannt.  Der Überblick zeigt die Lage in den benachbarten Kreisen:

Zwar ist die Situation im Kreis Paderborn noch nicht dramatisch, doch an einigen Pegelstellen sind bereits die Mittleren Hochwasserwerte und erste Warnwerte überschritten. Bei der Alme im Ortskern von Schloß Neuhaus ist auch die Schwelle des Informationswertes 2 (Orange) mit 2,38 Metern (Stand Sonntagmittag) bereits überschritten worden. Der Infowert 3 (Rot) liegt dort bei 2,50 Metern. Das Wasser steht damit, salopp ausgedrückt, Oberkante Unterlippe.

Auch im Kreis Höxter wird die Lage ernster. In der Nacht zum 24. Dezember stieg vor allem der Wasserstand der Weser deutlich an. Schon am Samstagabend hatte der Weserpegel in Bad Karlshafen die dritte und damit höchste Hochwasserwarnstufe bei 4,80 Metern überschritten. Bis Sonntagmorgen ist fast ein halber Meter hinzugekommen.

Wie die Polizei am Sonntagmorgen erklärt, sind weiterhin zahlreiche Straßen gesperrt. Die Polizei bittet ausdrücklich darum, die offensichtlich abgesperrten Bereiche weiterhin nicht zu befahren. „Die Missachtung der Sperrungen führten in den letzten Stunden mehrfach dazu, dass sich Fahrzeuge in abgesperrten Hochwasserbereichen festfuhren und wenn überhaupt, nur schwer geborgen werden konnten", berichten die Kreispolizeibehörde.

Ein solcher Fall ereignete sich beispielsweise auf der Bundesstraße 83 bei Höxter-Godelheim am Sonntagmittag. Dort fuhr eine Frau trotz Absperrung in die Fluten und war im Auto eingeschlossen. Die Feuerwehr Höxter holte die Frau mit einem Boot aus dem Fahrzeug, das Auto selbst wurde mit einem Trecker aus der Nethe gezogen.

Die Weser bei Höxter. - © Thomas Kube
Die Weser bei Höxter. (© Thomas Kube)

Auch die Pegel kleinerer Flüsse wie die Diemel in Warburg steigen weiter deutlich. Aufgrund des Hochwassers muss nun das Trinkwasser vorsorglich gechlort werden. Die Bürger werden aufgefordert, das Wasser abzukochen. Der Landkreis Holzminden und die Feuerwehr Beverungen haben die Bevölkerung bereits aufgerufen, Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Toter Hund treibt in der Lutter

Nachdem in Bielefeld am Donnerstag bereits der Halhof im Wasser versunken war, werden nun auch tiefergelegene Parks überschwemmt. Während der Johannisbach, der unter anderem das Dornberger Freibad speist, ein eher überschaubares Bächlein ist, breitet er sich am Samstagabend auf mehrere Meter Breite aus.

Eine traurige Entdeckung hat NW-Außenreporter Paul Brinkmann machen müssen. In einem Abschnitt der Lutter liegt ein toter Hund. Das Tier ist recht groß und hat ein weiß-braun geflecktes Fell. Offenbar trägt der Hund kein Halsband. Polizei und Feuerwehr sind informiert und haben eine Städtische Einrichtung kontaktiert. Die städtischen Mitarbeiter sind zuständig und spezialisiert, in diesen Fällen Kadaver zu entfernen.

Ein Blick von der oberen Talbrückenstraße am Obersee zeigt, dass weite Teile unter Wasser stehen. Offenbar ist der Boden so von Wasser gesättigt und der Obersee vollgelaufen, dass es für das Wasser dort keinen Weg mehr gibt.

Im Norden Ostwestfalen-Lippes sind Werre und Weser an mehreren Stellen über die Ufer getreten, die Städte warnen und geben Verhaltenstipps. Das Bünder Bruch ist bereits geflutet und die Else führt deutlich mehr Wasser als üblich. Mittlerweile ist der Wasserstand so hoch gestiegen, dass der Hochwasser-Alarmplan greift. Da nun Wasser abgepumpt werden muss, wird die Auffahrt zur A30 beziehungsweise die Abfahrt Richtung Hannover gesperrt.

Für die Pegelstände der Ems im Kreis Gütersloh und der dazugehörigen Zuläufe wird mit weiteren Überflutungen gerechnet. Die Ems hat bereits am Samstag mit etwa 4,20 Meter den Jahreshöchststand erreicht. Auch die Pegel der Dalke, Lutter und Hessel sind deutlich angestiegen. Die zuständigen Behörden im Kreis sind weiter in „Habachtstellung".

Der anhaltende Regen sorgt auch im Kreis Lippe für viele Einsätze. - © Marianne Schwarzer
Der anhaltende Regen sorgt auch im Kreis Lippe für viele Einsätze. (© Marianne Schwarzer)

Zugverkehr normalisiert sich am Sonntag

Im Zugverkehr gab es wegen Sturmschäden bis Samstag Verspätungen und Zugausfälle. Zumal auch weiterhin die Gefahr bestand, dass Bäume auf Schienen und Oberleitungen stürzen.

Der Verkehr des RE11 (RRX) war beispielsweise eingeschränkt, weil am Donnerstag ein Baum auf einen Zug in Höhe der Willebadessener Ortschaft Borlinghausen gefallen war. Im Zug saßen zum Unfallzeitpunkt etwa 200 Fahrgäste, die später evakuiert wurden.

Mann wird in Bünde von Zaunelementen eingeklemmt

Das stürmische Wetter hat in Bünde im Kreis Herford ein Todesopfer gefordert: Ein 62-jähriger Mann kam ums Leben, als er am Freitagnachmittag „durch mehrere umstürzende Zaunelemente eingeklemmt", wie es in einer Mitteilung der Kreispolizeibehörde heißt.

Das Wetter an den Weihnachtstagen

Wer die Weihnachtstage für einen ausgiebigen Familienspaziergang nutzen möchte, sollte dafür den zweiten Weihnachtstag anpeilen. Die Wetteraussichten der Region rund um Weihnachten im Überblick.

Sonntag, 24. Dezember

Auch in diesem Jahr bleibt der Schnee an Heiligabend – entgegen früheren Hoffnungen – aus. Bei milden Temperaturen wird in OWL im Tagesverlauf viel Regen erwartet, die Wahrscheinlichkeit in der Region liegt bei 95 Prozent. Die Sonne hingegen lässt sich zum Fest nicht blicken.

„Der Heiligabend sollte dieses Jahr gemütlich drinnen verbracht werden", rät entsprechend auch Föst. Höxter und Detmold erreichen Tageshöchstwerte von 10 Grad, in Herford und Bielefeld werden es bis zu 11 Grad.

Montag, 25. Dezember

Keine Veränderungen im Vergleich zu Heiligabend bringt der erste Weihnachtstag. Mit einer erneuten Regenwahrscheinlichkeit von 95 Prozent fällt der Spaziergang an diesem Tag ins Wasser, der Wind sorgt zusätzlich für ungemütliches Wetter.

Die Temperaturen bleiben für Dezemberverhältnisse weiterhin mild. Paderborn und Höxter kommen auf Höchsttemperaturen von 9 Grad, Lübbecke und Minden erreichen im Tagesverlauf 11 Grad.

Dienstag, 26. Dezember

Wer die Weihnachtstage für einen gemeinsamen Spaziergang mit der Familie nutzen möchte, bekommt am zweiten Weihnachtstag wohl doch noch die Chance dazu. Zwar bleibt es windig, trotzdem dürfen sich die Menschen in OWL laut Föst besonders am Nachmittag auf einige trockene Stunden freuen.

In Paderborn bleibt es dabei bewölkt, während in Herford, Detmold und Gütersloh drei Stunden lang die Sonne scheinen soll. Noch besser ist die Prognose für Minden und Lübbecke: Hier werden vier Sonnenstunden erwartet. Im Vergleich zum Vortag wird es allerdings etwas kälter. Paderborn und Höxter erreichen Tageshöchstwerte von bis zu 7 Grad, Bielefeld und Herford kommen auf 8 Grad.

(mit Material der dpa)

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