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Teure Reparatur

Immer mehr Schlaglöcher in OWL und NRW: Was der Winter damit zu tun hat

Köln. Auf vielen Straßen in Nordrhein-Westfalen haben sich im Winter wieder gehäuft Schlaglöcher gebildet - mancherorts sogar mehr als im Vorjahr. In Dortmund etwa ist nach Angaben der Stadt bislang eine leichte Zunahme erkennbar. In Münster sei die Zahl der Schlaglöcher, die bisher aus Gründen der Verkehrssicherheit beseitigt worden seien, um mehr als 50 Prozent gestiegen, so die Stadt.

Aus Bielefeld heißt es, in den ersten sechs Wochen des Jahres seien bereits 1.000 Schlaglöcher gezählt worden – nach 3.600 im ganzen Jahr 2023.

In Düsseldorf entsprechen die Schäden laut Stadt bislang einem „normalen Durchschnittswert“, in Bonn weicht die Zahl „nicht signifikant“ von anderen Jahren ab. In Bochum liegt noch keine aktuelle Einschätzung vor. Erfahrungsgemäß würden aber in jedem Wintermonat etwa 5.000 Schlaglöcher gefüllt – je nach Witterung auch weitaus mehr, hieß es.

Schlaglöcher kosten Städte rund 500.000 Euro

Wie teuer das Problem für die Städte ist, zeigt das Beispiel Bochum: Die durchschnittlichen Kosten für die Schlaglochbeseitigung lägen pro Winter bei 100.000 Euro für Material und 350.000 Euro für Personal – allein für die notdürftige Reparatur. Die kann im Winter nicht mit Heißasphalt durchgeführt werden, was die Haltbarkeit weiter einschränkt. Die eigentlich notwendigen Sanierungen sind sehr viel teurer und wurden über Jahre verschoben. Insgesamt sei das Straßennetz deshalb „überaltert“, sagt ein Vertreter der Stadt Bielefeld.

Schlaglöcher entstehen vermehrt durch Frost-Tau-Wechsel im Winter. Wasser, das in eine geschädigte Fahrbahndecke eindringt, gefriert bei Minusgraden und dehnt sich aus. Wenn es wieder taut, entsteht ein Hohlraum, der von schweren Fahrzeugen eingedrückt wird, sodass der Asphalt zerbröckelt.

Zur Beseitigung der Schäden sind städtische Mitarbeiter derzeit vielerorts im Dauereinsatz. Essen etwa hat nach eigenen Angaben zusätzliche Mitarbeiter für Straßenreparaturen eingeteilt, die teilweise auch an Wochenenden unterwegs seien. Pro Tag beseitigten die Teams bis zu 500 Schlaglöcher – im Vergleich zu 150 an „normalen“ Tagen. Die Stadt Köln beauftragt zusätzlich zu den eigenen Leuten externe Firmen – die allerdings „aufgrund der Schadensfülle“ mittlerweile das ganze Jahr über eingesetzt würden. In Dortmund unterstützen bei Bedarf „Springer-Kolonnen“.

Viele Schlaglöcher werden nur provisorisch geflickt

Schlaglöcher, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, würden schnellstmöglich gefüllt, erläutert die Stadt Bonn. Ansonsten gehe es nach Priorität: „Kosmetische Schäden“ könnten nicht unmittelbar repariert werden. Nach Angaben der Stadt Bochum können viele Löcher zunächst nur provisorisch geflickt werden, bei vielen Schadstellen müsse im Sommer nachgearbeitet werden.

Der ADAC kritisiert, dass zahlreiche Städte in der Vergangenheit auch auf wichtigen Verkehrsachsen mit der Schlaglochbeseitigung nicht mehr hinterhergekommen seien. „Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte hat immer wieder gezeigt, dass bei finanziellen Engpässen in den Kommunen an der Straßenpflege als Erstes gespart wird“, sagte ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold. Vielen Städten fehle „ein ordentliches Erhaltungsmanagement“.

Generell sei die Schlaglochbeseitigung eine Ganzjahresaufgabe, betonen mehrere Städte. Vielerorts sind demnach Kontrolleure unterwegs, die regelmäßig alle Straßen überprüfen und bei Schäden deren Beseitigung veranlassen. Zudem können Bürger Schlaglöcher über die ADAC-App „Läuft’s?“ und meist auch über die Internetseite ihrer Kommune melden.

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