Bielefeld/Detmold. Der Hagener Modehändler „Sinn“ hat am Montag beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das berichtete zuerst das Magazin „Textilwirtschaft“. In Ostwestfalen-Lippe gibt es Filialen in Bielefeld, Gütersloh und Detmold. Die langfristigen Auswirkungen für die Standorte in OWL sind derzeit noch unklar. „’Sinn’ wird das Verfahren in Eigenverwaltung zur beschleunigten Anpassung an die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nutzen“, sagte Jan Ockelmann. Er begleitet als Restrukturierungsbevollmächtigter die Geschäftsführung des Modeunternehmens. Ziel sei es, möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu sichern, so der Rechtsanwalt der Kanzlei Schneider Geiwitz Partner (SGP). Die Kanzlei wickelte auch die Insolvenz von „Galeria Karstadt Kaufhof“ ab. In Detmold ist „Sinn“ seit 2020 im ehemaligen Modegeschäft „Wiese“ beheimatet. „Sinn“ hatte in jenem Jahr den Vormieter, die insolvente Mensing Unternehmensgruppe, übernommen, die in NRW sieben Standorte vorhielt, darunter den in Detmold. „Sinn“ hatte bereits damals ein langjähriges Mietverhältnis in Detmold in Aussicht gestellt und auch Interesse an Investitionen in dem Gebäude signalisiert. Der Mietvertrag war mit „Sinn“ für zunächst fünf Jahre geschlossen worden. Das Gebäude gehörte der Familie Freise, die es 2022 zum Verkauf auf den Markt brachte - für drei Millionen Euro. Schon 2020 hatte es Angst um den Standort gegeben, als Mensing in der Insolvenz stand. Mensing war im Januar 2010 nach Detmold gekommen, nachdem „Wiese“ den Betrieb unter Regie von Busso Freise aufgegeben hatte. Auch für „Sinn“ geht es nicht um die erste Insolvenz: Wie der WDR zusammenzählt, hatte das Hagener Modehaus bereits 2008, 2016 und 2020 Insolvenz angemeldet. In Bielefeld beschäftigt „Sinn“ mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Äußern wollte sich dort niemand. Man verweist auf die Hagener Unternehmenszentrale. Das Modeunternehmen hat erst vor wenigen Monaten Teile des ehemaligen Karstadt-Gebäudes an der Bahnhofstraße bezogen – und Hoffnung auf einen Neustart für die Einkaufsmeile gegeben. Am 14. März öffneten sich die Türen des neuen Stores. Auf 4000 Quadratmetern werden Damen-, Herren- und Kinderbekleidung angeboten. Die Verkaufsfläche sollte in Zukunft noch umfassend im laufenden Betrieb renoviert werden. Die Geschichte des Unternehmens „Sinn“ Ursprünglich war „Leffers“ in Bielefeld eine der großen Adressen für Bekleidung. Später folgte der Zusammenschluss zu „Sinn-Leffers“. Schließlich firmierte das Unternehmen nur noch unter dem Namen „Sinn“, betreibt aktuell bundesweit 41 Filialen und beschäftigt 1500 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben wurde zuletzt ein Jahresumsatz von 240 Millionen Euro erzielt. Vor einigen Jahren war „Sinn“ bereits einmal in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Als Gründe für den aktuellen Insolvenzantrag nennt das Unternehmen geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und erhebliche bautechnische Probleme in einzelnen Häusern, die zu deutlichen Umsatzrückgängen geführt hätten. Mit der Eröffnung im früheren Karstadt-Haus kehrte „Sinn“ nach gut einjähriger Pause zurück nach Bielefeld. Bis März 2023 betrieb der Modehändler an der Bahnhofstraße 33 ein Geschäft ausschließlich für Damenmode, in das inzwischen das „Zalando-Outlet“ eingezogen ist. Dort hatte „Sinn“ im März 2019 die Räume des früheren „Esprit-Stores“, insgesamt 1800 Quadratmeter auf zwei Etagen, übernommen. Dort war „Sinn“ bereits in Bielefeld tätig Für „Sinn“ war es damals der zweite Umzug innerhalb Bielefelds. Bis Ende 2017 war der Filialist, zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Namen „Sinn-Leffers“, in der „Leffers“-Immobilie an der Bahnhofstraße ansässig. Als dort ein Umbau anstand, zog das Modeunternehmen ins Shoppingcenter Loom, bezog dort zwei Läden. Die ursprüngliche Planung war, dass „Sinn“ nach der Kernsanierung der Immobilie wieder an die alte Adresse zurückkehren sollte. Doch der Umbau verzögerte sich, es gab Unstimmigkeiten mit dem Vermieter. Der Wechsel in die früheren Räume von „Esprit“ sei von vorneherein als Übergang gedacht gewesen, betonte seinerzeit „Sinn“-Geschäftsführer Thomas Wanke. „Wir waren immer auf der Suche nach einem neuen, ansprechenden Standort.“ Der sei schließlich mit dem bisherigen Karstadt-Haus in 1a-Lage gefunden worden. Für das Bielefelder Karstadt-Areal bedeutet die „Sinn“-Insolvenz nun zusätzliche Unsicherheit. Einer der Eigentümer des Gebäudekomplexes, Philipp Freiherr von Bechtolsheim, ist verstorben. Die Planung liegt jetzt ganz in den Händen von Joseph Zamberk und seiner Frankfurter Firma Zamberk Real Estate Ventures (ZREV). Zamberk ist zurzeit auf der Suche nach neuen Investoren, die sich an der Umgestadltung des Areals beteiligen wollen. Geplant ist nicht nur ein Umbau des alten Warenhauses, sondern auch der Bau eines Hotels und eines neuen Parkhauses an der Friedenstraße.