Spenge/Kirchlengern/Herford. Er ist ehemaliger Türsteher und Personenschützer, Mobbingcoach und TV-Star - und er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Kinderrechte geht: Schauspieler Carsten Stahl (RTL 2, „Privatdetektive im Einsatz“). In gleich drei Edeka-Wehrmann-Filialen war er für die gute Sache unterwegs, wollte mit Menschen ins Gespräch kommen. Gleich zum Auftakt suchte ausgerechnet ein bekennender Pädophiler das Gespräch mit dem Kinderschützer. Es ist 11 Uhr an diesem Samstagvormittag. Auf die Minute pünktlich fährt ein Wohnmobil vor, gesteuert von Carsten Stahl. Er bezeichnet sich selbst als die Stimme von Millionen Kindern, prangert seit vielen Jahren fehlende und unzureichende Maßnahmen zum Kinderschutz an. Im Edeka-Wehrmann-Markt an der Industriestraße in Spenge dominiert im Eingangsbereich an diesem Tag die Farbe rosa. Hunderte Pakete von Toilettenpapier bilden eine Art Torbogen, ziehen die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich. Deutliche Worte an bekennenden Pädophilen gerichtet Stahl betritt den Markt, trägt einen rosafarbenen Pullover. Der TV-Star postiert sich neben dem Torbogen und muss nicht lange warten, bis erste Besucher an ihn herantreten, um ein Selfie mit ihm zu ergattern. Die Schlange wird länger und länger, geduldig warten die Menschen darauf, mit Carsten Stahl ins Gespräch zu kommen. „Meet and Greet“ lautet an diesem Tag das Programm, mit dem Carsten Stahl unterwegs ist. Er möchte mit Menschen ins Gespräch kommen, sie für den Kinderschutz sensibilisieren. Aufrütteln, den Finger in die Wunde legen, Bewusstsein schaffen. Die Aktion mit dem rosafarbenen Toilettenpapier steht dabei unter dem Motto: „Voll für´n Arsch, aber für´n guten Zweck“, denn ein Teil der Einnahmen fließt direkt in das Bündnis Kinderschutz, welches sich für die Rechte und den Schutz von Kindern einsetzt. Ein älterer Mann drängt in den Vordergrund, sucht das Gespräch mit dem Schauspieler und Kinderrechtsaktivisten. Er outet sich als bekennender Pädophiler, wirbt um Verständnis für seine Neigung und betont, noch nie ein Kind sexuell missbraucht zu haben. „Lassen Sie sich gefälligst behandeln!“ Carsten Stahl hebt die Augenbraue, atmet tief durch. Der Rentner argumentiert weiter, Stahl hört zu. Ebenso die zahlreichen Besucher des Marktes, die in weiten Teilen verständnislos den Kopf schütteln, als der Rentner sich argumentativ in eine Opferrolle begibt und schließlich um mehr Sensibilität bittet und nicht stigmatisiert werden möchte. Der Mann ist für Carsten Stahl kein Unbekannter. Er weiß, dass der bekennende Pädophile das Scheinwerferlicht sucht und über seine Neigung diskutieren möchte. Öffentlich. Stahl findet deutliche Worte für den Mann, macht keinen Hehl daraus, dass er die Ansichten des Pädophilen nicht teilt: „Sie wurden doch vor etwa zwanzig Jahren wegen Besitzes kinderpornografischer Missbrauchsabbildungen verurteilt, oder?“, fragt Stahl in scharfem Ton. Der Rentner nickt, betont aber, dass er nie ein Kind angerührt hätte. „Sie meinen allen Ernstes, dass der Besitz von Kinderpornografie kein Missbrauch am Kind ist? Geht es noch?“, sagt Carsten Stahl. „Niemand hat das Recht, eine Kinderseele zu schinden, lassen Sie sich gefälligst behandeln“, entfährt es dem TV-Star. Meet & Greet auf Augenhöhe Kurz darauf greift sein Management ein, beendet den Smalltalk zwischen Pädophilem und Kinderschützer. „Die Argumente sind nun ausgetauscht“, so der Mitarbeiter. Die Besucher nicken, wollen mit ihrem TV-Star lieber darüber reden, wie der Kinderschutz gestärkt werden kann. Carsten Stahl spricht an diesem Tag mit vielen Menschen, begegnet ihnen auf Augenhöhe, wirkt nahbar. Er ist im Thema, antwortet pfeilschnell auf alle Fragen, die sich um das Thema Mobbing und Kinderschutz drehen. Er macht Jugendlichen und Erwachsenen Mut, sich für den Schutz der Kinder starkzumachen, hinzuschauen anstatt wegzusehen. Nach zwei Stunden verabschiedet sich Stahl aus Spenge. Unmengen an rosafarbenem Toilettenpapier wechselten den Besitzer, unzählige Selfies und Gespräche hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den Kunden des Marktes. Weiter geht es für Stahl nach Kirchlengern, danach steht der Edeka-Markt in Herford auf dem Programm. Auch hier freuen sich Hunderte auf den charismatischen Aktivisten, der Klartext spricht und das Kindeswohl in den Vordergrund rückt.