Weserbergland. Zwei Tage vor Beginn des multinationalen Großmanövers „Grand Crossing 2025?, das am 1. Juli im Weserbergland stattfindet, hat ein größeres Erkundungskommando am Sonntagnachmittag die Weser mit einer Überwasserdrohne abgesucht. Die Bundeswehr-Soldaten wurden während ihrer Mission von den Maschinengewehrschützen mehrerer Fuchs-Radpanzer gesichert. Nach dem britisch-dänischen Manöver „Rhino Charge“ im Jahr 2004 ist das multinationale Manöver „Grand Crossing 2025“ die größte Truppenbewegung in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Das hat etwas mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu tun. Die Bundeswehr soll bis 2029 kriegstüchtig werden. Das gibt Verteidigungsminister Boris Pistorius vor. Und: Übung macht bekanntlich den Meister. Auch durch den Norden Lippes werden Militärfahrzeuge unterwegs sein. Wie die Grafik zeigt, werden Fahrzeuge durch Barntrup, Sonneborn und Alverdissen sowie durch Bösingfeld unterwegs sein. Das Großmanöver ist bereits in vollem Gange: Am Samstag haben Militärfahrzeuge aus Deutschland, Großbritannien, Italien und den Niederlanden zunächst den Rhein überquert. Jetzt geht es mit Unterbrechungen weiter zur Weser. Am Dienstag treffen 1200 Soldaten mit 499 Fahrzeugen – darunter auch Panzer – in Hameln-Pyrmont ein. Letztlich gehe es um die Landes- und Bündnisverteidigung, aber eben auch um die Reaktionsfähigkeit des Verteidigungsbündnisses Nato, sagt ein hoher Offizier. Bereits am Sonntagnachmittag führte ein größeres Vorauskommando im Landkreis Hameln-Pyrmont Erkundungen durch. Mit einer schwimmenden Drohne wurde die Weser bei Rumbeck (Hessisch Oldendorf) und bei Ohr (Emmerthal) erkundet. Am Sonntag bestand der Konvoi „nur” aus zehn Militärfahrzeugen. Am Dienstag werden es 20 mehr als doppelt so lange Marschkolonnen zu je 25 Fahrzeugen sein, die in Hameln-Pyrmont unterwegs sind. 20 Marschkolonnen mit je 25 Militärfahrzeugen Mit Spezialfähren können Gefechtsfahrzeuge bis zu einem Gewicht von 100 Tonnen transportiert werden. Durch „Grand Crossing 2025“ wird die volle Einsatzbereitschaft des Bataillons hergestellt, zugleich sollen Kräfte der Bereitschaftsstufe „TIER 1“ zertifiziert werden, heißt es. „TIER 1“ ist die erste Stufe des Nato-Truppenmodells, die Einheiten mit einer kurzen Reaktionszeit von 0 bis 10 Tagen umfasst. Mit dabei ist auch die sogenannte Schnelle Eingreiftruppe der Nato. Die Aufgabe als multinationales Bataillon sei besonders herausfordernd, sagt der Bundeswehroffizier. „Es gilt, die rund 1200 Soldatinnen und Soldaten aus vier Nationen so miteinander zu vereinen, dass ein reibungsloses Zusammenspiel erreicht wird.“ Der Code-Name „Grand Crossing 2025“ lässt erahnen, worum es den Militärs hauptsächlich geht: um Gewässerüberquerungen. In Hameln (Fischbecker Landstraße) und in Großenwieden (Fähranleger) werden Spezialfähren eingesetzt, sollen tonnenschwere Fahrzeuge übersetzen. Aber auch Konvoi-Fahrten müssen geübt werden. 20 Marschkolonnen mit je 25 Militärfahrzeugen werden durch Teile des Landkreises Hameln-Pyrmont und zwischen Deckbergen und Bückeburg durch den Kreis Schaumburg rollen. Das sind die Routen durch Schaumburg Betroffen sind insbesondere die Städte Hameln und Hessisch Oldendorf sowie die Gemeinde Aerzen, aber auch Deckbergen und die Kreuzung in Steinbergen. Im Landkreis Schaumburg fahren die Konvois nach den Weserüberquerungen über die B83 von Deckbergen in Richtung Minden. Im Landkreis Schaumburg sind zwei Streckenverläufe geplant: Route A führt vom Upnor-Gelände an der Fischbecker Landstraße in Hameln über die Bundesstraße 83 an Hessisch Oldendorf vorbei nach Deckbergen, Steinbergen, Bad Eilsen und an Bückeburg vorbei. Kurz darauf fahren die Marschkolonnen dann auf die B65 bis nach Minden. Route B beginnt in Großenwieden und führt über Kleinenwieden bis nach Deckbergen. Dort biegen die Konvois dann auf die B83 ab und fahren über Steinbergen, Bad Eilsen an Bückeburg vorbei. Wenig später rollen auch diese Fahrzeuge auf die B65 bis Minden. In Deckbergen könnte es für Auto- und Lkw-Fahrer also zu Wartezeiten und Verkehrsbehinderungen kommen. Ebenso in Steinbergen, weil die Strecke in Richtung Bückeburg eine größere Steigung hat. Straßenmarsch und Gewässerüberquerung Der sogenannte Straßenmarsch wird sich von Nordrhein-Westfalen kommend (Sonneborn) zunächst auf der Bundesstraße 1 und auf der Extertalstraße (L758, ab Barntrup) dem Landkreis Hameln-Pyrmont nähern. Von Barntrup aus gesehen werden die Konvois also über Alverdissen und Bösingfeld in Richtung Grupenhagen und parallel dazu über Grießem und Hameln bis in ihre Einsatzgebiete (Hameln, Fischbecker Landstraße, und Großenwieden, Fähranleger) fahren. Die Serpentinen-Strecke (Kreisstraße 26) bei Posteholz wird komplett gesperrt. Sie ist eine gefährliche Engstelle. Für diese Vollsperrung gilt: Am 1. Juli dürfen nur Anwohner oder Anlieger die Kurvenstrecke zwischen den Einmündungen der Kreisstraßen 59 (von/nach Flakenholz) und 64 (von/nach Rodenbeck) ins Dorf oder aus dem Ort heraus befahren. In engen Ortsdurchfahrten werden ab Freitag Halteverbotsschilder aufgestellt. Auch sogenannte Geschwindigkeitstrichter sollen eingerichtet werden – zum Beispiel auf der L433 kurz hinter Gut Helpensen in Richtung Hameln. Schon im Vorfeld hat das Team der Hamelner Polizei um Einsatzleiter Hauptkommissar Dirk Barnert dafür gesorgt, dass Straßenbaumaßnahmen im Bereich Wahrendahl (Kreisstraße 26) verschoben werden. Der Start der Arbeiten ist nun der 3. Juli. Polizei Bückeburg personell verstärkt Die Polizei Rinteln wird die Konvois ebenso begleiten, wie es die Dienststellen in Hameln und Hessisch Oldendorf – unterstützt von der Bereitschaftspolizei Osnabrück und von Militärpolizisten (Feldjäger) - machen. Das Kommissariat Bückeburg wird am 1. Juli personell verstärkt. „Wir wollen für den Fall, dass an diesem Tag etwas Unvorhergesehenes passiert, ausreichend Kollegen im Dienst haben“, sagt Haupkommissar Matthias Auer. Es könne schließlich immer zu einem Manöverunfall kommen oder ein Fahrzeug eine Panne haben. In Hameln wird die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden extra einen Stab einrichten, der von Polizeihauptkommissar Dirk Barnert geleitet wird. Im Gefechtsstand der Bundeswehr, der bei Hemeringen aufgebaut wird, steht Polizeihauptkommissar Jörn Schedlitzki dem Heer als Verbindungsbeamter zur Verfügung. Was Autofahrer wissen müssen Polizisten aus Rinteln, Hameln und Hessisch Oldendorf werden ein Auge auf zuvor identifizierte Gefahrenstellen haben und kurzzeitig Kreuzungen sperren, um Unfälle schon im Vorfeld zu verhindern. Was viele Autofahrer nicht wissen: Die Kolonnen gelten als ein Fahrzeug und dürfen zusammenbleiben, auch an roten Ampeln. Hauptkommissar Schedlitzki rät deshalb zur Vorsicht: „Überholen Sie niemals einen Konvoi – zu ihrer eigenen Sicherheit! Und drängeln Sie sich nicht zwischen Fahrzeuge der Kolonne. Queren Sie eine Kolonne nicht, auch wenn Fahrzeugabstände größer sind.“