Bielefeld. Es waren ungewöhnliche Konstellationen, die sich jetzt im Stadtentwicklungsausschuss des Rates zur geplanten ICE-Neubaustrecke durch die Johannisbachaue bildeten. Die Bürgereingabe der Naturschutzverbände, wonach die Aue unberührt bleiben sollte, fiel durch. Ausgerechnet die Umweltaktivisten von „Fridays for Future“ sprachen sich für die Neutrassierung aus, Heliane Ostwald (AfD) war eindeutig dagegen und voll auf der Linie der Verbände. Die hatten den Rat der Stadt Bielefeld aufgefordert, sein „klares Bekenntnis zum Schutz der Johannisbachaue zu bestätigen“, eine weitgehende Neutrassierung der ICE-Strecke abzulehnen, sich für den Ausbau der Bestandstrasse Bielefeld-Hannover einzusetzen und mit diesem Ziel „nachdrücklich Einfluss“ auf den weiteren Planungsverlauf zu nehmen. Da wollte Sven Rörig (SPD) nicht mitgehen. Er betonte, die schnellere ICE-Verbindung zwischen Hannover und Bielefeld sei für die Stadt und die ganze Region ein großer Gewinn. Sein Vorschlag, der Bahn solle mitgeteilt werden, die neue Trasse unter „weitestgehender Schonung“ der Johannisbachaue zu planen und zu bauen, fand schließlich eine breite Mehrheit. CDU, FDP und die „Die Partei“ stimmten dem Antrag zu, Grüne, Linke und AfD dagegen. „Nicht den Anschluss verlieren“ Simon Lange (CDU) sagte in der vorausgegangenen Debatte, Bielefeld dürfe den Anschluss an Schnellverbindungen nicht verlieren. Doch der drohe, weil die bestehende Strecke überlastet sei. Paul John (Grüne) betonte dagegen, es sei eine Herzensangelegenheit seiner Partei, die Johannisbachaue zu schützen. Unterdessen sorgen zwei kleine Anfragen im Landtag und im Bundestag für Aufsehen. Die AfD im Landtag wollte wissen, ob der Landesregierung bekannt sei, dass es mögliche bauliche Überschneidungen zwischen dem Lückenschluss der L712n zur Herforder Straße und den Trassenüberlegungen der Bahn gebe. Die L712n wird aktuell gebaut und mündet künftig in Brake in unmittelbarer Nachbarschaft zur Aue auf die Herforder Straße. „Der Landesregierung sind mögliche bauliche Überschneidungen bekannt“, antwortete die am 9. Mai. Der Bielefelder AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Kneller initiierte nun eine ähnliche Anfrage an die Bundesregierung. Welche Planungsvarianten der seitens der DB AG ausgewählten zwölf Trassen-Korridore beeinflussen die Realisierung dieser L712n, wollte er wissen. Antwort der Bundesregierung am 1. Juli knapp: „keine“. „Da weiß die eine Seite nicht, was die andere tut“, meint Kneller, der auch dem Verkehrsausschuss des Bundestages angehört. Er sieht den Ausbau der Trasse kritisch, weil zu langwierig und zu teuer. Seine Alternative: eine neue Transrapid-Strecke. Die Magnetschwebebahn sei schneller und deutlich preiswerter zu haben.