Klein Berkel. Nach dem Riesenfeuer, das am frühen Morgen des 7. April das Indoor-Spielparadies „Ratzfatz“ in Klein Berkel komplett zerstört hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover „wegen schwerer Brandstiftung“. Das sagte der Erste Staatsanwalt Oliver Eisenhauer auf Nachfrage der Kollegen der Dewezet. Es gibt einen Anfangsverdacht – auch eine Durchsuchung wurde angeordnet und durchgeführt. Die Flammen waren riesig, die Rauchsäule stieg mehrere Hundert Meter in den nachtschwarzen Himmel empor. Am frühen Morgen des 7. April brannte das beliebte Indoor-Spielparadies „Ratzfatz“ in Klein Berkel bis auf die Bodenplatte nieder. Nur ausgeglühte Bleche und verbogene Stahlträger blieben von dem 60 Meter langen und 50 Meter breiten Gebäude übrig. Der Schaden ist immens hoch – er wird von der Polizei auf eine Million Euro bis 1,5 Millionen Euro geschätzt. Innerhalb einer halben Stunde hatte das Feuer die Existenzgrundlage einer Familie vernichtet. Die Ursache des Feuers war zunächst unklar. Brandursachen-Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes und Sachverständige der Versicherungen suchten im Brandschutt nach Hinweisen. Lange wartete die Kripo auf die Gutachten der Experten. Inzwischen dürften sie dem Fachkommissariat 1 vorliegen. „Der Hund hat nicht angeschlagen“ Die Polizei setzte seinerzeit auch einen Brandmittelspürhund ein. Die Tiere sind darauf trainiert, an erkalteten Brandorten brennbare Flüssigkeiten aufzuspüren und anzuzeigen. Die Spürnasen sind aufgrund ihres hoch empfindlichen Geruchssinns sogar in der Lage, stark abgedampfte oder kleinste Reste brennbarer Flüssigkeiten im Brandschutt zu erkennen. Ergebnis: „Der Hund hat nicht angeschlagen“, sagte Kommissarin Stefanie Ockenfeld am 16. April auf Nachfrage unserer Zeitung. Inzwischen scheinen die Ermittler zu glauben, dass die Halle mit „einem terpentinhaltigen Gemisch“ in Brand gesetzt wurde. Das sagt jedenfalls Ratzfatz-Geschäftsführer Franz Noack. Er selbst sei ins Visier der Fahnder geraten. Polizisten hätten ihm einen Durchsuchungsbeschluss präsentiert und sein Handy mitgenommen“, sagt Schausteller Noack – und fügt hinzu: „Ich habe ein reines Gewissen. Ich habe nichts Unrechtes gemacht.“ In dem Beschluss stehe etwas von einem „Anfangsverdacht“. Die Ermittler prüfen offenbar, ob Franz Noack als „Täter, Mittäter oder Anstifter“ in Betracht kommt. Für einen Anfangsverdacht gibt es aus juristischer Sicht nur geringe Anforderungen. Es ist quasi die unterste Verdachtsstufe. Wie immer gilt die Unschuldsvermutung. Noch vor dem Brand in den Betrieb investiert Franz Noack findet die Situation absurd. „Vor Ausbruch des Feuers habe ich 20.000 Euro in neue Elektro-Cars für Kinder investiert. Ich habe die Spielfahrzeuge selbst in Bremen abgeholt.“ Auch eine 15 mal 40 Meter große Hüpfburg habe er in Auftrag gegeben. „Das macht man doch nicht, wenn man ein Feuer legen will.“ Außerdem habe er gewusst, dass sein Sohn in der Ratzfatz-Halle übernachtet. Im Übrigen, so Franz Noack, habe er sich in der Nacht, in der das Indoor-Spielparadies in Klein Berkel in Flammen aufging, in Detmold auf der Frühlingskirmes aufgehalten. „Ich habe in meinem Wohnmobil gelegen und geschlafen – bis ich die Information erhielt, dass es daheim bei uns brennt.“ Da sei er sofort nach Klein Berkel gefahren. Franz Noack sagt: „Die Polizei wird bei der technischen Untersuchung meines Smartphones herausfinden, dass ich in Detmold war. Ich habe nichts zu befürchten.“ Der „Ratzfatz“-Geschäftsführer hat eine Vermutung: „Die Versicherungen versuchen, einen Schuldigen zu finden, um nicht bezahlen zu müssen.“ Ein Albtraum für die Familie Für die Familie sei das Ganze ein Albtraum. Insbesondere sein kranker Vater leide sehr unter der Situation. Die Brandruine sei immer noch beschlagnahmt. Die Versicherungen zahlten kein Geld aus. „Diese Hängepartie ist schlimm. Wir blicken in eine ungewisse Zukunft, leben von den wenigen Einnahmen, die uns bleiben.“ Und jetzt würden auch noch Ermittlungen gegen ihn angestrengt. Mit seinem Mandel-Verkaufsstand und seinem Kinderkarussell ist Franz Noack aktuell auf Schützenfesten unterwegs. Das sorgt für Einnahmen. Als es in Klein Berkel brannte und das riesige Feuer die Existenzgrundlage der Familie vernichtete, habe sein Vater im Krankenhaus gelegen. „Und ich war in Detmold bei der Kirmes. Meine Mutter war ganz allein. Deshalb war mein Sohn in der Halle und hat dort geschlafen“, erzählt Franz Noack. Geschäftsführer schließt Einbruch aus Dass der Brand von Einbrechern gelegt wurde, schließt Noack aus. „Da sind überall Bewegungsmelder. Wäre da jemand gewesen, wäre die Alarmanlage angegangen, hätte ich das sofort auf meinem Handy gehabt.“ Sollte sein Sohn mal zur Toilette müssen, könne er die Alarmanlage kurzzeitig per Fernbedienung ausschalten. „In der Nacht hat niemand versucht, bei uns einzubrechen. Die Alarmanlage hätte ausgelöst – und mein Sohn hätte das bemerkt.“ Der junge Mann, der in dem Indoor-Spielparadies geschlafen hatte, war um 2.05 Uhr von lauten Knallen geweckt worden. Druckpatronen dürften von der Hitze aktiviert worden sein. Die kleinen Stahlbehälter, die im Brandfall die im Dach eingebauten Rauch- und Wärmeabzugsklappen öffnen, haben dem 22 Jahre alten Sohn des Geschäftsführers das Leben gerettet. Es sei irgendetwas von der Decke getropft, sagte der Augenzeuge. Es dürfte flüssiger Kunststoff gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt war vor dem Gebäude noch kein Feuerschein zu sehen. Das änderte sich aber rasch, denn: Wenige Minuten später stand das mit Solarmodulen belegte Dach in Flammen. Staatsanwaltschaft gibt sich bedeckt Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. Das ist Fakt. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, sagt der Erste Staatsanwalt Oliver Eisenhauer, „können derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden“. Eisenhauer geht davon aus, dass er womöglich erst in zwei Monaten etwas zum Ergebnis der Nachforschungen sagen kann.