Herford. Sichtlich nervös betritt Jürgen aus Herford das „First Dates“-Restaurant. Und das nicht nur, weil er gleich ein Blind Date haben wird, sondern und vor allem, weil er sich gleich erstmals öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. 17 Jahre lang war der 52-Jährige mit einer Frau verheiratet, hat mit ihr zwei Söhne. Nun sucht er in der „Vox“-Datingshow „First Dates – Ein Tisch für zwei“ einen Mann. „Meine Kinder wissen noch von gar nichts“, sagt Jürgen. Doch ist das Date das Coming-out im Fernsehen wirklich wert gewesen? Jürgen, 52, ist Auftragsbearbeiter in der Küchenmöbelbranche. Er sagt von sich selbst, dass er vertrauenswürdig, liebenswert und eigentlich immer gut gelaunt ist. Schon seit Längerem lebt der Herforder allein. Vor mittlerweile 13 Jahren haben sich er und seine Frau getrennt. Seitdem habe er keine Beziehung mehr gehabt. „Die einzige Person, die ich je gedatet habe, war meine Frau und die habe ich dann geheiratet“, sagt er. Doch schon damals wusste er im Inneren, dass er eigentlich auf Männer steht. „Das erste Mal ist mir das schon vor der Ehe aufgefallen. Da habe ich das aber noch verdrängt“, sagt er. Es sei eine andere Zeit gewesen, in der man als junger Mann seine Homosexualität noch verstecken musste – nun wagt er den Schritt und offenbart sich damit auch seiner Familie. Söhne von Jürgen wissen nichts von seiner Homosexualität Denn seine beiden, mittlerweile, erwachsenen Kinder wissen nichts von seinen Gefühlen. „Es könnte sein, dass sie sich das denken, weil ich jetzt auch keine Anstalten gemacht habe, eine Frau zu finden“, sagt Jürgen. Offen darüber gesprochen habe er aber noch nie. Mit „First Dates“ möchte er nun ein neues, offenes Kapital in seinem Leben beginnen. In der Show treffen sich immer zwei Singles auf ein Essen in einem ganz besonderen Restaurant. Wer aufeinandertrifft, das entscheidet die „Vox“-Redaktion auf Basis von Wünschen, die die Singles zu ihrer Traumpartnerin oder ihrem Traumpartner geäußert haben. Moderiert wird die Kuppelshow von Roland Trettl. Für Jürgen wurde der 37-jährige Raphael aus Hannover ausgesucht. Er arbeitet als Fluggerätemechaniker und findet Jürgen von Beginn an attraktiv und sympathisch. Auch der Herforder findet gleich Gefallen an seinem Date. Schnell kommen sie an der Bar bei einem Kölsch und einem fruchtigen Cocktail ins Gespräch, schnell offenbaren sich aber auch die ersten Gegensätze. Zunächst keine Gemeinsamkeiten zwischen Jürgen und Raphael Während Jürgen leidenschaftlich gerne laufen geht, sagt Raphael direkt: „Das ist gar nichts für mich.“ Und auch am Tisch braucht es ein wenig Zeit, bis sich die ersten Gemeinsamkeiten finden – Lego etwa finden beide toll, Meeresfrüchte dagegen beide eklig. „Ihr seid euch jetzt schon ähnlich, weil ihr braucht beide ziemlich lange, um ein Gericht zu wählen“, sagt Verkuppler Trettl scherzhaft. Letztlich gibt es Parpadelle für Jürgen und das Kalbsfilet für Raphael. Und während die zwei aufs Essen warten, will Raphael wissen, wie es Jürgen mit dem Christopher Street Day (CSD) und weiteren Pride-Veranstaltungen hält – geht er hin oder eher nicht? „Ich will offen leben und zeigen, dass ich schwul bin“, sagt der Hannoveraner. Für Jürgen der Zeitpunkt, Klartext zu reden, auch vor seinem Date. „Ich war noch nie beim CSD und hatte auch noch nie eine Beziehung mit einem Mann“, offenbart sich der 52-Jährige. „Von mir weiß auch noch niemand, dass ich schwul bin.“ Jürgen erzählt von seiner Vergangenheit, über sein Leben und die Ehe mit seiner Ex-Frau und seinen Kindern. Raphael wirkt überrascht, aber nicht abgeneigt. Raphael würde gerne die Söhne von Jürgen kennenlernen „Dass er mal eine Familie hatte und Kinder, ist für mich nicht relevant, es ist okay und stört mich auch nicht“, sagt der 37-Jährige. „Ich habe eigentlich auch kein Problem damit, sie mal kennenzulernen. Warum auch nicht?“ Die Zeit verfliegt, das Essen ist gegessen und die Rechnung kommt – viel wird von den beiden im TV nicht mehr gezeigt. Jürgen erzählt noch kurz, dass er eigentlich gar nicht gerne kocht, doch in seiner Ehe immer diesen Part übernehmen musste. Raphael gefallen die, wenn auch aufgezwungenen Hausmannqualitäten. „Da hat er dicke Pluspunkte gesammelt.“ Bei der Rechnung machen die zwei halbe-halbe – ist ja keine Frau dabei, kommentiert Jürgen. Doch wie war es denn nun? Gibt es ein zweites Date? Weiterer junger Mann aus OWL bei „First Dates“ – Youtuber reagiert auf Fabian Jürgen hat keine Flirt-Anzeichen von sich gegeben „Ich hätte mir gewünscht, dass Jürgen ein paar mehr Komplimente macht. Wir haben überhaupt nicht geflirtet, höchstens mit den Augen ein bisschen“, sagt Raphael. „Es war ein reiner Austausch von Informationen, aber da für ihn alles neu war, kann ich das auch gut verstehen.“ Trotzdem seien sie auf einer Wellenlänge, findet auch der Herforder. Beide wollen sich auf jeden Fall wiedersehen und näher kennenlernen. Und das haben sie im Anschluss an die „Vox“-Show dann auch gemacht. Doch leider ist der Funke nicht übergesprungen. Für Raphael hat es für mehr nicht gereicht. Jürgen dagegen hätte sich durchaus mehr vorstellen können. „Ich habe mich verliebt in ihn“, sagt er. „Leider ist es von seiner Seite aus nicht so und es reicht nicht für eine Beziehung. Trotzdem hat es total viel Spaß gemacht.“ Der Herforder ist froh, sich endlich nicht mehr verstecken zu müssen, und freut sich auf mögliche neue Dates. Noch einmal 13 Jahre warten möchte er diesmal definitiv nicht. Die Folge mit Jürgen war am Donnerstag, 28. August 2025, auf „Vox“ zu sehen. Es war eine Wiederholung aus dem Jahr 2022. Neue Folgen laufen wieder ab dem 20. Oktober 2025.