Harsewinkel. Keine Frage, diesen Tag wird Malte Kieseleit so schnell nicht vergessen. So viel Aufregung innerhalb von ein paar Stunden hat der Marienfelder noch nicht allzu häufig erlebt. An jenem Freitag, den 27. Juni 2025, hatte sich der damals 23-Jährige mit dem Zug von Gütersloh aus auf den Weg nach Köln gemacht, um als Kandidat an der TV-Sendung „First Dates – Ein Tisch für zwei“ teilzunehmen und dort vielleicht die große Liebe zu finden. Weil die Aufzeichnung der Dating-Doku-Soap just einen Tag nach Maltes Abschlussprüfung als Erzieher-Azubi anstand, musste er an jenem Tag auch noch auf sein Prüfungsergebnis warten. „Dieses Warten hat mich viel nervöser gemacht, als das Date selbst“, sagt er und lacht. Montags bis freitags, 18 Uhr – dieser Termin ist beim TV-Sender Vox fest für „First Dates“ reserviert. Hier treffen sich Singles in einer ehemaligen Lagerhalle in Köln-Ehrenfeld, um bei einem schönen Essen einen potenziellen Partner fürs Leben kennenzulernen. Ausgesucht werden die möglichst gut zusammenpassenden Kandidaten zuvor von einem Team rund um Gastgeber Roland Trettl. An jenem Freitag sind das Malte aus Marienfeld und Jule (21) aus Westerkappeln bei Osnabrück. Zuletzt wurde diese Folge gesendet. Die Anspannung im Vorfeld der Aufzeichnung ist groß Bei „First Dates“ beworben hat sich Malte Kieseleit im Oktober 2024. „Zuerst hat die Freundin meines Bruders spaßeshalber eine Bewerbung ins Spiel gebracht. Später habe ich mir gesagt: Ich melde mich da mal an und gucke, was passiert“, erzählt der 24-Jährige. Im November meldet sich die TV-Produktionsfirma und bittet um das Ausfüllen eines Fragebogens sowie um ein kurzes Vorstellungsvideo, ehe im Dezember ein Telefonat folgt, in dem er unter anderem seine Präferenzen in Sachen Partnerin angeben muss. „Ich wurde etwa nach der von mir bevorzugten Haarfarbe gefragt“, so Malte, der danach erst einmal davon ausgeht, länger nichts mehr von „First Dates“ zu hören. „Doch im März bekam ich die Nachricht, dass für mich jemand gefunden wurde und dass die Aufzeichnung am 27. Juni ist“, berichtet er. Und: „Wenn es ganz blöd gelaufen wäre, hätte ich an diesem Tag Prüfung gehabt, doch die war dann eben einen Tag davor.“ Malte Kieseleit gibt gerne zu, dass „ich in der Woche davor und auch am Tag der Aufzeichnung zwischendurch mal gedacht habe, was ich mir hier überhaupt antue. Aber es war ja klar, dass eine Abmeldung nicht so gut ankommen würde“. Und so geht es am frühen Nachmittag ins Studio, wo in zwei Warteräumen bereits die anderen Kandidaten des Tages ein- und ausgehen. Sein ehrenamtliches Engagement macht sichtbar Eindruck bei Jule „Jule und ich waren die letzten, die ein Date hatten. Es war bestimmt schon sechs, halb sieben“, sagt Malte, der erst ziemlich genau eine Stunde vorher von seiner Lehrerin erfahren hat, dass er die Prüfung bestanden hat. „Danach habe ich gedacht: Jetzt will ich einfach nur noch Spaß haben und gehe mit einem Lächeln da rein.“ Gesagt, getan. Nach einem Erklärvideo und dem Verkabeln des Mikros geht es für den frisch gebackenen Erzieher, der an der Harsewinkeler Kardinal-von-Galen-Grundschule Schulkinder betreut, auch schon los. Das Aufeinandertreffen mit Jule an der Bar ist sehr harmonisch. „Mein erster Eindruck war: Sehr sympathisch, nettes Auftreten, hübsch“, so Malte. Auch das Essen verläuft ausgesprochen positiv: „Wir waren beide aufgeregt und haben viel geredet, um lockerer zu werden.“ Als der Marienfelder erzählt, dass er bei Schwarz-Weiß Marienfeld als Fußball-Jugendtrainer aktiv ist und im Heimatverein Marienfeld die Ehrengarde der Schützen verstärkt, macht das sichtbar Eindruck bei Jule, die selbst in der Freiwilligen Feuerwehr ist: „Das habe ich bei Männern auch noch nicht so häufig erlebt. Das hat mich beeindruckt“, sagt sie später. Weitere Treffen folgen - für eine Beziehung reicht es allerdings nicht Dass die beiden nach dem eineinhalbstündigen Essen im gemeinsamen Interview bekennen, sich ein zweites Date vorstellen zu können, überrascht nicht. „Das war ein sehr, sehr gutes Date“, sagt Jule. „Dem kann ich mich nur anschließen“, sagt Malte, der vorher ganz gentlemanlike die Rechnung übernommen hatte. Nachdem die beiden ihre Handynummern ausgetauscht haben und sich viel schreiben, kommt es zwei Wochen später in Steinhagen zum zweiten Treffen. „Wir haben Minigolf gespielt.“ Ende Juli treffen sich die beiden beim dritten Date in Osnabrück zum Frühstück, ehe sich Jule entscheidet, dass es für eine Beziehung nicht reicht. „Klar, ein bisschen enttäuscht ist man schon, aber weil die großen Gefühle noch nicht da waren, ist das okay“, betont Malte. Immerhin: Als er sich die „First-Dates“-Folge mit seinen Fußballkumpels im Vereinsheim anschaut, bescheinigen ihm alle, dass er eine gute Figur gemacht hat. Überhaupt: „Das Ganze war eine tolle Erfahrung. Ich würde das durchaus wieder machen“, sagt Malte schmunzelnd. Prüfung hin oder her.