Bielefeld. Schauspieler, Drehbuch-Autor und Bielefelder Omar El-Saeidi spricht über seine Mini-Serie „Habibi Baba Boom“ auf Disney+ und warum sein Herz an der Stadt hängt. Omar El-Saedi, Ihre neue Serie „Habibi Baba Boom“ ist jetzt beim Streamingdienst Disney+ online. Wie geht es Ihnen damit? Omar El-Saeidi: Ich bin erleichtert, dass sie endlich raus ist. Ich habe auch schon superschönes Feedback aus den verschiedensten Ecken bekommen. Wir hatten neulich einen Handwerker da, der meinte, er hätte schon die ersten fünf Folgen gesehen und gut gefunden. Man selbst ist ja meistens in so einer Künstler-Bubble unterwegs. Aber wenn so ein Bielefelder Ur-Handwerker das sagt, dann ist das total cool. Worum geht es bei „Habibi Baba Boom“? In der Serie geht es um den Hauptcharakter Sami, ein migrantisch gelesener Bielefelder. Sein Vater ist Imam, seine Familie sehr gläubig, er selbst aber gar nicht. Er ist Steuerberater, vermutlich auch so das Deutscheste, was man als Migrant machen kann, wenn man in Klischees denkt. Einfach ein ganz normaler netter Typ. Und er ist ein totaler Romantiker. Seine Frau hat ihn verlassen, er weiß gar nicht so richtig warum, aber er bleibt trotzdem dran und kämpft, weil er seine Familie zurückgewinnen will. Er macht das natürlich auf eine total umständliche Weise, es passiert superviel, und er macht sich selbst das Leben schwer, weil er sich einfach nicht traut, ehrlich mit den Leuten zu reden. Wie kam die Serie überhaupt zustande? Das war mein absolutes Herzensprojekt die letzten Jahre. Mit meinem Co-Autor und Regisseur Sascha Vredenburg habe ich 2018 die Idee entwickelt. Dann habe ich jeden Produzenten, mit dem ich je irgendwas gedreht habe, darauf angesprochen. Die waren aber alle abgeneigt. Klingt ja auch komisch, ich will eine Serie über einen muslimisch gelesenen Migranten mit Aggressionsfantasien machen, aber das Genre soll Comedy sein. Da habe ich viele Absagen kassiert. Irgendwann hat dann Lasse Scharpen von der Produktionsfirma Bantry Bay gesagt „Okay, machen wir“. 2019 ist dann Disney+ eingestiegen. Und durch deren Unterstützung waren wir plötzlich keine Low-Budget-Produktion mehr, sondern richtig professionell, mit dem riesigen Namen Disney+ im Rücken. Sie haben also die Idee mitentwickelt, am Drehbuch mitgeschrieben und den Hauptcharakter gespielt. Wie hat diese Erfahrung Ihren Blick auf Filmsets verändert? Ich habe gemerkt, dass ich als Schauspieler nur ein kleines Rädchen bin. Schauspieler nehmen sich wahnsinnig wichtig, und sie werden durch Journalisten auch total in den Fokus gestellt. Selten fragt mal jemand nach einem Autor oder nach der Produzentin. Dabei ist der Produktionsprozess so lang und kompliziert, dass der eigentliche Dreh mit den Schauspielern nur ein Teil ist. Man wird demütiger. Ich nehme mich jetzt viel weniger wichtig. Wieso spielt die Serie ausgerechnet in Bielefeld? Wir wollten nicht die nächste Großstadtgeschichte machen. Wenn ich an Sets erzähle, dass ich aus Bielefeld komme, kommt immer nur dieser eine komische Witz zurück. Und sonst weiß keiner etwas über die Stadt. Als ich 2009 für ein Engagement am Theater nach Bielefeld gekommen bin, habe ich diese Stadt auch komplett unterschätzt. Damals war ich ein bisschen traurig, dass ich Köln verlassen musste. Da kam Michael Wittenborn zu mir – der spielt in der Serie den Hagen und kommt auch aus Bielefeld – und wollte mich trösten. Der hat mir gesagt: „Bielefeld hat alles, nur keine Superlative. Aber du wirst nichts vermissen.” Ich finde, das passt. Wie lange sind Sie jetzt schon in Bielefeld? Eigentlich wollte ich nur zwei Jahre in Bielefeld bleiben, inzwischen sind es schon sechzehn. Bielefeld ist mein Zuhause geworden. Es lief ganz anders als gedacht für mich in dieser total lebenswerten, coolen, unterschätzten Stadt. Und genauso sind muslimisch gelesene Migranten sehr unterschätzt in dieser Gesellschaft. Das war unser Ansatz, verschiedene unterschätzte Komponenten kombinieren und eine Geschichte daraus machen. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Omar El-Saeidi (@omarelsaeidi) Welche Botschaft steckt hinter „Habibi Baba Boom“? Heutzutage finden Leute nicht mehr richtig zueinander. Wenn du eine andere Meinung hast, dann bist du direkt der schlimmstmögliche Gegner. Es gibt nichts mehr dazwischen. Und auch für muslimisch gelesene Migranten gibt es oft nichts dazwischen. Sie werden nur in problematischen Kontexten wahrgenommen. Dabei ist das eine extrem kleine Minderheit. Alle anderen – das ist die Mehrzahl dieser Menschen – werden gar nicht dargestellt. Unser Versuch war es, diese Vielfalt abzubilden. Sie wollten also auch mal andere Facetten beleuchten? Wir wollten alle Facetten beleuchten. Wir wollten nichts auslassen, sondern eine menschliche Geschichte erzählen. Die ist auch gar nicht so migrantenspezifisch, sondern sehr universell. Jeder hat doch Kämpfe mit seinen Eltern oder mit seinen Kindern. Unser Hauptcharakter Sami trägt mit seinem Vater, der Imam ist, dieselben Kämpfe aus, wie der Sohn eines bayerischen Patriarchen mit seinem Vater. Und diese Gemeinsamkeit, die wollten wir darstellen, mit Humor und ohne erhobenen Zeigefinger. Bleibt die Schauspielerei dennoch Ihre Leidenschaft Nummer 1? Ja. Mir hat das Schreiben viel Spaß gemacht, und jetzt fragen auch immer mehr Leute, ob ich Dinge für sie schreiben kann. Ich muss mich beim Schreiben aber auf eine Rolle in dem Stück freuen können, habe ich gemerkt. Das muss nicht unbedingt der Hauptcharakter sein. Aber zu wissen, dass ich das dann hinterher auch zum Leben erwecken darf, motiviert mich beim Schreiben. Das ist auch ein bisschen eitel, klar, aber ich bin eben in erster Linie ein Schauspieler, der auch schreibt. Informationen zur Serie „Habibi Baba Boom“ online bei Disney+ abrufbar verfügbar seit 1. Oktober 2025 Genre: Comedy, Drama Anzahl Folgen: 8 Folgen Altersfreigabe: 12 Idee: Omar El-Saeidi, Sascha Vredenburg Besetzung: Omar El-Saeidi, Tokesa Konxheli, Husam Chadat, Mohamed Achour, Meltem Kaptan, Jytte-Merle Böhrnsen Produktionsfirma: Bantry Bay Productions