Gütersloh. Die NRW-Bank hat in Düsseldorf unter großem Pomp ihren Gründungspreis verliehen. Nicht lange her, 2021, da gewann ein Unternehmen aus Gütersloh diesen Preis: die Firma Schüttflix. Die Verleiher billigten dem drei Jahre zuvor gegründeten Start-up ein enormes Marktpotenzial zu. Doch die Firma hat es auch im vergangenen Jahr nicht geschafft, aus den roten Zahlen heraus zu kommen. Die Bilanz für 2024, vor wenigen Tagen veröffentlicht, weist ein Minus von 18,9 Millionen Euro aus, bei einem Jahresumsatz von 138 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor betrug das Minus 23,5 Millionen Euro, zwei Jahre zuvor 26,6 Millionen Euro. Die Verluste schrumpfen demnach – doch tatsächlich hätte das Unternehmen eigenen Ankündigungen zufolge längst in der Gewinnzone ankommen wollen. Dass Schüttflix sich all die Jahre über Wasser hält, ist externen Investoren zu verdanken. Das Unternehmen hat, wie es jetzt auf Anfrage mitteilte, im Laufe der vergangenen sechs Jahre 100 Millionen Euro eingesammelt. Es expandierte, baute neue Standorte auf, ging mit seiner digitalen Baustellen-Plattform auch ins Ausland. Die letzte Finanzierungsrunde lief erst kürzlich, im Herbst. Das Geld holen sich die Gütersloher aus mehreren Quellen, vor allem von den Bestandsinvestoren. 2024 kassierte das Unternehmen über das Forschungszulagengesetz außerdem eine staatliche Beihilfe von 500.000 Euro. Lesen Sie auch: Detmolder Unternehmen Weidmüller knackt wieder die Milliardenmarke Schüttflix will die Nummer eins in Deutschland werden Das klare Ziel aller Geldgeber: Marktführerschaft. Schüttflix soll die Nummer eins sein für das digitale Planen der Ver- und Entsorgung von Baustellen mit Schüttgütern - in Deutschland und mittelfristig auch in anderen Ländern. 2018 von Christian Hülsewig und Thomas Hagedorn gegründet, gehört das Unternehmen inzwischen mehreren Gesellschaftern. Etwa die Hälfte der Anteile halten Hülsewig, Hagedorn sowie Mirco Illian, die übrigen Anteile liegen bei Finanzinvestoren wie der HV Capital (Holtzbrinck Ventures) und der Speedinvest sowie bei strategischen Partnern wie dem Bautechnologiekonzern Strabag AG. Zum erweiterten Gesellschafterkreis gehört auch die Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla, Gesicht und Markenbotschafterin von Schütfflix. Dennoch: Die Zahl der Kunden, die bei der Schüttflix-App registriert sind, ist zuletzt gesunken. 10.000 sind es laut Firmenangaben aktuell, vor zwei Jahren waren es noch 3.000 mehr. Der Umsatz wächst ebenfalls längst nicht mehr so dynamisch wie in den Anfangsjahren. Die Firmenchefs beunruhigt das offenbar wenig, ebenso wie der erneute Jahresverlust 2024. Das Ergebnis für 2025 werde „deutlich verbessert“ ausfallen, hieß es jetzt. Zu verdanken ist das offenbar dem Zusammenschluss mit zwei anderen Firmen: der Entsorgungssparte der Unternehmensgruppe Hagedorn sowie der Firma IK Umwelt, einem Entsorgungs- und Recycling-Spezialisten aus dem Nordwesten Deutschlands. Gemeinsam bilden sie die Schüttflix-Group, die, so eine Firmensprecherin, „im dritten Quartal 2025 erstmals in der Unternehmensgeschichte durch eigene Wertschöpfung profitabel ist“. Im Schüttflix-Tower sitzen auch Beschäftigte anderer Firmen Dieser positive Trend werde sich 2026 fortsetzen. Schüttflix setzt dabei auch auf eine anziehende Baukonjunktur und die Impulse aus den jüngst verabschiedeten Infrastrukturpaketen der Regierung. Aktuell zähle die Schüttflix-Group rund 400 Mitarbeitende an folgenden Standorten: Gütersloh, Aachen, Berlin, Dinslaken, Dorsten, Duisburg, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Krefeld, Köln, Sassenberg, Simmerath, Weilheim, Prag und Warschau. Wie viele dieser 400 Beschäftigten am Stammsitz in Gütersloh arbeiten, diese Antwort bleibt das Unternehmen schuldig. Als sichtbares Zeichen seiner Zuversicht hatte Schüttflix 2024 seine neue Firmenzentrale auf dem Gleis-13-Gelände am Bahnhof bezogen, den Tower. Den nutzen auch andere Firmen: Hagedorn und die Scanfabrik KG.