Paderborn. Schon der Name macht deutlich, dass die Stadt Paderborn auf dieses ehemalige Kasernenareal nachhaltig baut: Zukunftsquartier. Als ein Teil davon geplant ist ein dezentraler Innovationspark, der von der TPG Technologiepark Paderborn GmbH entwickelt werden soll. Dieser Park mit einem zu bauenden Innovationszentrum soll den Wirtschaftsstandort Paderborn stärken, sagte Catharina Blome (TPG) im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats. Sie nannte ihn den „Herzschlag des Zukunftsquartiers“. Blome bezeichnete die Rolle der TPG als „Motor der Innovationsförderung“. Sie soll den Innovationspark insbesondere bezüglich des Aufbaus vernetzender und unterstützender Dienstleistungen, in Abstimmung mit verschiedenen operativ eigenverantwortlich umsetzen. Zugleich soll die TPG das Innovationszentrum errichten und betreiben. Inhaltlich werde eine Schwerpunktbildung auf digitale Innovationen für branchenübergreifende Anwendungen angestrebt. Laut Blome habe Paderborn ungenutzte Möglichkeiten. So liege die Stadt beim Bruttoinlandsprodukt und Gewerbesteuereinnahmen deutlich hinter dem gesamtwirtschaftlichen Potenzial. Auch die wirtschaftliche Entwicklung sei schwächer als in ähnlichen Regionen. Dies soll sich mit dem Zukunftsquartier ändern. Hier soll es Flächen geben für Unternehmen mit dem bestmöglich messbaren Wachstumspotenzial, neuen Arbeitsplätzen und einer Gesamtstärkung des Wirtschaftsstandorts. Dabei sollen vor allem die High-Tech-Branche angesiedelt werden: etablierte Unternehmen, Scale-ups – also Unternehmen, die ihre Start-up-Phase hinter sich gelassen haben und bereits wirtschaftlich erfolgreich sind, sowie Wissenschaft, Forschung und Initiativen. Paderborner Innovationspark für Unternehmen nach der Start-up-Phase Ein wichtiger Kern der Entwicklung des Innovationsparks ist ein Innovationszentrum mit einem Service- und Dienstleistungsbereich in räumlicher Nähe zum Start-up-Campus OWL in der Urbanen Meile des Zukunftsquartiers. Zielgruppe sind hier vor allem Scale-ups (universitär und nicht-universitär). Das Investitionsvolumen für das Innovationszentrum liegt bei etwa 20 Millionen Euro. Bei den förderfähigen Kosten beträgt der Zuschussanteil 90 Prozent, so Blome. Konkrete Zahlen würden in den nächsten Monaten durch ein Architekturbüro ermittelt. Den Eigenanteil könne die TPG aus Rücklagen decken, sodass der städtische Haushalt nicht belastet werde. Wie Blome sagte, habe die Bezirksregierung Detmold – offenbar mit positiven Signalen – den Hinweis gegeben, im kommenden Jahr den Antrag auf Förderung einzureichen. Die endgültige Planung und der Bau des Innovationszentrums sind für die Jahre 2027 bis 2030 vorgesehen. 2900 Wohnungen und 4000 Arbeitsplätze im Paderborner Zukunftsquartier Das 54 Hektar große Zukunftsquartier im Paderborner Osten soll Platz für etwa 2900 Wohnungen sowie für etwa 7000 Einwohnerinnen und Einwohner bieten. Zudem soll es dort einmal etwa 4000 neue Arbeitsplätze geben. Erst im Oktober war die Zukunftsquartier Entwicklungsgesellschaft mbH (ZQE mbH) gegründet worden. Sabine Kramm (Grüne) nannte den Innovationspark eine Keimzelle für das Zukunftsquartier und dieses eine Vision für Wirtschaft und Stadt. Man müsse hier „groß denken, nicht klein-klein rangehen“, sagte Reinhard Borgmeier (Linke). Paderborn habe bei der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt Aufholbedarf. Die Stadt müsse weitere Gewerbesteuern generieren, sagte Andreas Kemper (AfD). Es sei gut, ein gemischtes Gewerbegebiet zu schaffen. Allerdings bezweifle er, ob dies mit der TPG eine städtische Gesellschaft übernehmen müsse. Man solle darüber nachdenken, die TPG abzuwickeln und die Aufgabe an eine „professionelle Projektentwicklungsgesellschaft übergeben“. Diese Aussage wurde von Stephan Hoppe (Für Paderborn) gekontert. Kemper habe einfach gar nichts verstanden. Es gehe darum, Unternehmen, die bekannt werden, den nächsten Schritt zu ermöglichen. Paderborns Wirtschaftsförderer sieht Vorteile für städtische Gesellschaft Marco Trienes, zum 1. März nach Münster wechselnder Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn, sagte, dass die TPG gegenüber privaten Unternehmen Vorteile habe: Sie arbeite nicht renditeorientiert, sondern kostendeckend. Es gehe um Paderborns spezifische Stärken und darum, „ein Gebiet auf den Weg zu bringen, das bei der Abmilderung der Finanzschwäche in der Zukunft unterstützen kann“, sagte Markus Mertens (CDU). Für seine Fraktion blieben jedoch noch Fragen offen – wie die nach den Betriebskosten. Diese Antworten soll es in der Ratssitzung am Dienstag, 16. Dezember, geben. Dann wird auch die Entscheidung fallen, ob die TPG den Innovationspark entwickeln und das Innovationszentrum betreiben soll.