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GEMA will Geld von Kindergärten

Kopien von Kinderlieder-Texten sollen kosten / Piratenpartei stellt Noten ins Netz

GEMA will Geld von Kindergärten




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GEMA will Geld von Kindergärten (© OWL)

Bielefeld (nw). Wer Musik öffentlich abspielt, kommt an der GEMA nicht vorbei. Die deutsche Musikverwertungsgesellschaft fordert für die Urheber aber nicht nur bei Großveranstaltungen Gebühren ein – auch das gemeinsame Singen in Kindertagesstätten wird teuer: Kopierte Notenblätter sind jetzt kostenpflichtig. Abhilfe für die Kitas in Ostwestfalen gibt es aus dem Internet.

Für jede Notenblattkopie muss laut GEMA gezahlt werden, 500 Kopien werden mit 56 Euro veranschlagt. So teilt es die VG Musikedition, in dessen Namen die GEMA Gebühren erhebt, in einer Presseerklärung mit. Ein Skandal, meinen Aktivisten von der Piratenpartei – und helfen online aus.

Bereits im November riefen Christian Hufgardt und seine Mitstreiter dazu auf, selbst erstellte Notenblätter von alten, urheberrechtsfreien Weihnachtsliedern einzureichen. Mit den handschriftlich kopierten Notenblättern nutzen die "Musikpiraten" ein Schlupfloch im Urheberrecht. "Die Absender haben die Rechte von sich selbst auf andere erweitert", sagt Hufgardt, der als Pressesprecher der Piratenpartei Hessen die Aktion startete und zufrieden feststellt: "Das Ganze lief ziemlich gut."

Unsicherheit bei den Kitas

So gut, dass die Aktion derzeit breiter aufgestellt wird. Hufgardt weist dazu auf die Website seines Piratenpartei-Kollegen Sebastian Nerz hin: Auf www.kinder-wollen-singen.de sammeln die Initiatoren Kinderlieder, die auch außerhalb der Weihnachtszeit genutzt werden. Rund 50 Songs stehen schon online zum Download bereit. "Die Stücke sind beliebig oft kopierbar, völlig kostenlos", so Hufgardt. "Bruder Jakob", "Hänschen Klein" oder "Alle meine Entchen" sind unter der sogenannten Creative-Commons-Lizenz abrufbar, die das Kopieren erlaube.
Dass die GEMA auch Kitas zur Kasse bitten will, sorgt teilweise für Unmut - © FOTO: DPA
Dass die GEMA auch Kitas zur Kasse bitten will, sorgt teilweise für Unmut (© FOTO: DPA)

Die Musikbranche sieht sich dagegen im Recht. Für Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition, ist das Vorgehen gegen "illegale Verbreitung" logisch: "Kopiekosten sind ein Ausgleich für nicht gekaufte Liederbücher. Musikalische Bildung gibt es nicht zum Nulltarif." GEMA-Sprecherin Bettina Müller stimmt zu: "Das Kopieren von Musikwerken ist seit 1985 verboten."

Entsprechend unsicher sind die ostwestfälischen Kita-Leiterinnen. Es handele sich um eine rechtliche Grauzone, erklärt Birgit Heitland vom Leitungsteam der Uni-Kita Bielefeld. Daher bleibe man bei einem Ganzjahresbeitrag für die GEMA, damit seien die Rechte an allen Liedern abgegolten: "Wir wollen auf der sicheren Seite sein."
Für die Bielefelder Kitas Jöllenbeck oder Am Wellbach stellt sich die Frage gar nicht erst – Kopien werden dort nicht verteilt. Auch Grundschulen sind außen vor: "Wir haben einen Kopiererlass", sagt Ulrike Tusch, Konrektorin der Grundschule Neißeweg in Gütersloh. Es handelt sich um einen Rahmenvertrag zwischen der VG Musikedition und der Kultusministerkonferenz. In Maßen werde das Kopieren grundsätzlich erlaubt.

Da die Kitas unterschiedliche Träger haben, ist eine ähnliche Regelung schwer möglich. Die Kitas könnten sich aber selbst helfen, sagt GEMA-Sprecherin Bettina Müller – statt zu kopieren, stehe es jeder Tagesstätte schließlich frei, gleich ganze Notenbücher zu kaufen.  

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