Bielefeld. Für ein volles Haus ist Funny van Dannen immer gut. Das Eis zu brechen mit Lästereien über lokale Fußballvereine, das kann er sich auch problemlos leisten. Seit 1995 hat der Berliner Liedermacher und Schriftsteller mit seinen Soloauftritten den Zuhörern gezeigt, wie wenig musikalische Bildung nötig ist für ein lustvolles Musikerlebnis, wenn nur die Worte stark genug und gewitzt genug gesetzt sind.
So kann er in fünf Minuten ein ganzes Leben erzählen, wobei alle Versagensängste und Anpassungsschwierigkeiten mit dem Wort "Schilddrüsenunterfunktion" entschuldigt werden.
Nun ist auch die Gitarre eingestöpselt ("Was war das einfach früher, am Lagerfeuer"), die Mundharmonika liegt bereit. Wenn dem Barden die nicht reicht, pfeift er uns eins. Zum Vortrag kommen einige Lieder der aktuellen Platte "Fischsuppe".
Mikadospiel mit Spaghetti
Medienkampagnen werden hier weitergesponnen, etwa die Leute von der Ergo-Versicherungsgruppe zu Superhelden verklärt, Gebrauchsanleitung zum Mikadospiel mit Spaghetti gegeben. Im Titellied ernährt der Erzähler sich tagelang von der Suppe, die den Gästen nicht geschmeckt hat – damit die Fische nicht umsonst gestorben sind.Privat hört der Sänger schon mal, dass mal Schluss sein könne mit den das Publikum so begeisternden ("Der Wal") Tierliedern. Doch die stellen eine subtile Rache dar an den Kindern, die Eltern bekanntlich ihre lang erbettelten Haustiere irgendwann bereitwillig überantworten – sogar Silberfischchen. Und – "Wusstet ihr, dass die giftig sind? Sie enthalten Drecksilber."
Bei Funny van Dannens Liedvortrag können aus den Tiefen des Absurden unvermittelt schwarze Gedanken aufsteigen. Bei "Saharasand" wird der Tod eines inhaftierten Asylbewerbers aus Perspektive eines kindlich-selbstgerechten Müßiggängers reflektiert.
Van Dannen trifft härter
Van Dannen trifft damit härter als ein erklärter Protestsänger wie Kai Degenhardt, obwohl dieser für das Thema sogar eine Liebesgeschichte bemüht hat. Die Fragestellungen "Warum hat niemand den deutschen Soldaten gesagt, was Krieg ist?" und "Mutti, was bedeutet Vaterland?" beschließen Funnys "Schwarzen Block".Nahezu zwei Stunden vergnügt man sich noch mit gerne wieder gehörten und neuen Liedern voller Sprachwitz. Der Unterschied zwischen stilisierter und wirklicher musikalischer Albernheit kann dabei schon mal verwischen, etwa im Lied vom "Eimer weiße Farbe", der einmal ein Blutbad sein will. Aber das war bei einem, der als Texter viel mit den "Toten Hosen" zu tun hatte, fast zu erwarten.