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PADERBORN

Uni Paderborn eröffnet 15 Mllionen teures "O"-Gebäude

Was Alan Kay 1971 im Ärger so dahin schmetterte, prangt jetzt auf dem Informatik-Gebäude auf dem Campus der Universität Paderborn. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sorgte mit 15 Millionen Euro für die neue Immobilie am Pohlweg. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Was Alan Kay 1971 im Ärger so dahin schmetterte, prangt jetzt auf dem Informatik-Gebäude auf dem Campus der Universität Paderborn. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sorgte mit 15 Millionen Euro für die neue Immobilie am Pohlweg. (© FOTO: REINHARD ROHLF)

Paderborn. Eigentlich hatte Dr. Alan Curtis Kay (72) das nach eigenen Worten erst für seinen Grabstein erwartet: Dass mal jemand sein über 40 Jahre altes Bonmot in großen Lettern irgendwo anbringt. Dass es jetzt doch anders gekommen ist, hat der renommierte US-amerikanische Informatiker Kollegen der Uni Paderborn zu verdanken. Die luden Kay zur offiziellen Eröffnung ihres neuen Gebäudes auf dem Campus am Dienstag als Ehrengast.

"The best way to predict the future ist to invent it" - "der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist sie zu erfinden," schmetterte Alan Kay 1971 im Silicon Valley Auftraggebern im Streit um die Ausrichtung seiner Forschung entgegen - und hatte damit eigentlich nur ein Zitat des US-Präsidenten Abraham Lincoln abgewandelt. Der nämlich meinte schon 100 Jahre zuvor: "The best way to predict your future is to create it."

Sei’s drum: Der Satz von Alan Kay saß und prangt ab jetzt gleich zweifach - vorn und hinten - am neuen, 15 Millionen Euro teuren Gebäude "O" der Universität Paderborn am Pohlweg - zur tägliche Motivation sozusagen. Zum letzten Wintersemester bezogen, lobten gestern sowohl Prof. Dr. Heike Wehrheim, Leiterin des Instituts für Informatik, als auch Jörn Tilmmanss, Sprecher der Fachschaft Mathematik, dessen Funktionalität: Auf 7.000 Quadratmetern sind außer zwei Hörsälen mit 360 Sitzen Seminar- und Laborräume sowie Platz für die Rechner des Zentrums für Informations- und Medientechnologien und das Paderborn Center for Parallel Computing.

Neuer Forschungsrechners für vier Millionen Euro

In Sachen Rechnerinfrastruktur hatte gestern Ministerialdirigentin Annette Storsberg aus dem Düsseldorfer Wissenschaftsministerium eine "Morgengabe" (Storsberg) für die Uni dabei: Sie kündigte als Reaktion auf das grüne Licht seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Anschaffung eines neuen Forschungsrechners im Wert von insgesamt vier Millionen Euro an, dass das Land trotz der Haushaltssperre wegen des noch nicht verabschiedeten Etats seinen 1,2 Millionen Euro ausmachenden Anteil in Kürze bewillige. 2 Millionen Euro trägt der Bund, 800.000 Euro die Universität Paderborn zusammen mit Nachbar-Unis in Westfalen selbst.

Als Antwort auf Uni-Präsident Nikolaus Risch, der angesichts steigender Studierendenzahlen eine "verstetigte Finanzausstattung" auch durch das Land angemahnt hatte, wies die Ministerialdirigentin auf zusätzliche 1,4 Millionen Euro aus Düsseldorf für die Ausstattung des neuen Gebäudes hin - nicht ohne den Eigenanteil von 5 Millionen Euro der Uni für das Gebäude zu würdigen. Storsberg: "Ohne diesen hätte es die frühe Umsetzung nicht gegeben."

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Intelligenz ist nicht alles

Die Idee, den Satz von Alan Kay anbringen zu lassen, kam von den Informatikprofessoren Dr. Marco Platzner und Dr. Holger Karl. Sie sagen: "Durch die kurzen Innovationszyklen und die enge Verbindung von Theorie und Praxis in der Informatik bedeutet die Vorhersage der Zukunft meist auch ihre Erfindung."

Dr. Alan Kay, berühmt geworden mit bahnbrechenden Arbeiten zu grafischen Oberflächen und Animationen sowie zuletzt mit seinem Einsatz im Projekt "One Laptop per child" für Kinder und Jugendliche in Entwicklungs- und Schwellenländern, spannte den Bogen gestern weiter: "Echte Neuheiten sind unsichtbar und lassen sich mit Begriffen der Gegenwart nicht benennen."

Es komme nicht nur auf die Intelligenz eines Wissenschaftlers an – mindestens so entscheidend sei der jeweilige Zusammenhang. Befruchtend könne besonders die Zusammenarbeit mit Biologen sein, riet Kay den Paderborner Informatikern. Kay bekam 2003 den Turing-Award, höchste Auszeichnung für Informatiker. (ig)

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