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Bielefeld

Warum Mobilfunknetze bei Arminia-Heimspielen oft nicht funktionieren

Die Mobilfunknetze werden während Bundesligapartien stark belastet. Deswegen ist der Empfang oft schlecht – und bricht manchmal ganz zusammen. - © MONTAGE: ANDREAS FRÜCHT
Die Mobilfunknetze werden während Bundesligapartien stark belastet. Deswegen ist der Empfang oft schlecht – und bricht manchmal ganz zusammen. (© MONTAGE: ANDREAS FRÜCHT)

Bielefeld. Vom Live-Ticker im Internet über hitzige Fußballdiskussionen in sozialen Netzwerken bis zum SMS-Schreiben: Immer mehr Menschen nutzen in Fußballstadien ihre Smartphones. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis sind die lokalen Netze oft so überlastet, dass noch nicht einmal das Telefonieren klappt. Tausende tummeln sich gleichzeitig auf den Datenautobahnen – auch in der Schüco-Arena.

Rund 16.000 Zuschauer strömten beim Heimspiel-Debüt von Arminia Bielefeld gegen Union Berlin auf die Alm, viele davon ausgerüstet mit internetfähigen Handys. Ob T-Mobile, Vodafone, E-Plus oder O2: Wer zur Halbzeitpause seine E-Mails checken, die Zwischenstände in anderen Stadien nachschauen oder Fotos verschicken wollte, hatte bei den vier "Großen" massive Probleme. "Wenn sehr viele Menschen gleichzeitig die bereitgestellte Internet-Bandbreite nutzen, verlangsamt sich der Zugang für alle", sagt Dirk Wende, Pressesprecher der Telekom. Das zwinge manchmal die stärksten Netze in die Knie. Fans sind in der Schüco-Arena genauso betroffen wie Vereinsmitarbeiter: "Ich kenne das Problem vom SMS-Schreiben", sagt Arminia-Sprecher Tim Placke.

Die Techniker kennen die Engpässe indes nicht nur aus Fußballstadien. Großveranstaltungen wie Popkonzerte bringen die heimischen Handymasten ebenfalls an ihre Leistungsgrenzen. Die technischen Anlagen sind nicht für kurzfristige Extrembelastungen ausgelegt, sondern richten sich nach dem jährlichen Durchschnittsbedarf der lokalen Umgebung.

In Stadien komme es auch darauf an, wie datenintensiv die Sendungen der Nutzer sind, sagt Telekom-Sprecher Wende. Für besondere Ereignisse – wie Spiele auf der Alm – werden die Kapazitäten für den erhöhten Datenverkehr erweitert. "Dafür kooperieren die vier großen Netzbetreiber." Wenn das Datenvolumen allerdings explodiert – etwa während der Halbzeitpause – platzt die Bandbreite aus allen Nähten und wird automatisch gedrosselt.

Auf GSM oder Edge umschalten

Während Chatten dann noch funktionieren mag, kann ein Schnappschuss aus der Fankurve auf der Facebook-Pinnwand kaum noch veröffentlicht werden. Das Foto wird dann erst nach dem Abpfiff hochgeladen, wenn sich die geballte Nachfrage wieder gelegt hat, sagte eine Vodafone-Sprecherin. Viele Fans klagen auch beim Telefonieren über schlechten oder komplett fehlenden Empfang. In diesem Fall muss sich jeder Netzanbieter um die eigenen Kunden kümmern. Telekom-Sprecher Wende sagt: "Entscheidend ist, wie viele Nutzer eines Anbieters sich in einer einzigen so genannten Mobilfunkzelle aufhalten. Das ist vorab schwer auszurechnen." G

rob gesagt: Übersteigt die Zahl selbst die Reservekapazitäten, sind die Leitungen beim einen Anbieter verstopft – der direkte Sitznachbar im gleichen Fan-Block könnte aber unter Umständen problemlos telefonieren. Etwas besser dran sind bisher Menschen mit LTE-fähigem Handy, denn noch nutzen wenige Verbraucher den neuen Mobilfunkstandard der vierten Generation ("4G"). Das heißt: Datenübertragungsraten sind schneller als bei gewöhnlichen UMTS-Sendungen. Allerdings muss der jeweilige Mobilfunkvertrag LTE beinhalten.

Laut den Technikexperten kann es im Stadion auch hilfreich sein, Handys – wenn möglich manuell – auf das so genannte GSM-Netz oder E (für EDGE) auszurichten, Mobilfunkstandards früherer Generationen. Beim iPhone muss dafür beispielsweise in den allgemeinen Einstellungen lediglich 3G deaktiviert werden (beim iPhone 5 geht das automatisch). Im GSM-Netz fließen die Daten möglicherweise wieder, aber langsamer als im fortschrittlicheren 3G- oder 4G- Netz.

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