Für den einen frisst die Wanne im Badezimmer bloß wertvolle Quadratmeter Wohnraum. Für die andere ist es der «Balkon des Winters». Gefühlt gibt es nur zwei Arten von Menschen: die, die das Baden lieben und diejenigen, die dem Abtauchen im Schaum nichts abgewinnen können.
Letztere können jetzt mit den Lesen aufhören. Für alle anderen klären eine Hautärztin und eine Kardiologin die wichtigsten Fragen rund um das Wellness-Ritual, damit es noch ein wenig gesünder und entspannender wird.
1. Ist Baden eigentlich gesund?
«Eindeutig ja», sagt Prof. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. «Baden entspannt, reduziert Stress und lässt einen zur Ruhe kommen.»
Das gilt allerdings nur für Bade-Enthusiasten. Denn Baden fällt vor allem in die Kategorie «Seelenmedizin». Heißt: Wer ihm nichts abgewinnen kann, wird auch keinen positiven Effekt spüren.
Interessanter Nebenaspekt: Da Baden das Herz-Kreislauf-System beansprucht, werden je nach Temperatur und Dauer sogar ein paar Extrakalorien verbrannt. Der Effekt ist eher gering: «Als Diätmaßnahme eignet sich die Methode leider nicht», sagt Tiefenbacher.
Viele steigen nur dann in die Wanne, wenn sie erkältet sind: Das Baden an sich lässt den Infekt zwar nicht schneller verschwinden. Es kann aber die Symptome lindern, etwa durch ätherische Öle in Badezusätzen, die wieder besser durchatmen lassen.
2. Wer sollte besser auf Baden verzichten?
Gesunde Menschen können so heiß, so oft und so lange baden, wie sie es als angenehm empfinden, sagt Kardiologin Christiane Tiefenbacher.
Grundsätzlich sprechen nur wenige medizinische Gründe gegen ein Wannenvergnügen. «Anders als vor wenigen Jahren noch empfohlen, eignen Bäder sich auch für Menschen mit schwacher Herzleistung oder sehr niedrigem Blutdruck. Bei 37 Grad und 10 Minuten passiert in der Regel auch nichts.»
Für alle mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Hauterkrankungen gilt jedoch: Es ist gut, Badepläne vorab mit Arzt oder Ärztin abzusprechen. Bei Neurodermitis und Co. können bestimmte Zusätze sogar nachweislich Linderung verschaffen, so die Münchner Dermatologin Marion Moers-Carpi. Dazu später mehr.
3. Worauf sollten Schwangere achten?
Baden kann vor allem in den letzten Wochen der Schwangerschaft sehr entlastend sein und ist damit laut Herz-Expertin Christiane Tiefenbacher ratsam.
Wichtigste Regel für werdende Mütter: Besser nur dann in die Wanne, wenn ein weiterer Erwachsener in der Nähe ist. «Baden senkt Blutdruck und erhöht gleichzeitig die Herzfrequenz. Das kann zu Schwindel und im unglücklichsten Fall zu Ohnmacht führen.» Daher gibt sie auch den Tipp, sich vorsichtshalber heraushelfen zu lassen.
Ein Blick auf den Badezusatz ist ebenfalls ratsam. «Bestimmte ätherische Öle wie Kampfer oder Lavendel stehen im Verdacht, wehenfördernd zu wirken», sagt Christiane Tiefenbacher. Besser mit einem neutralen Mittel auf Nummer sicher gehen.
4. Welcher Badezusatz ist gut für die Haut?
Lustige Schaumbäder, die viele aus der Kindheit kennen, sind für die Haut alles andere als spaßig. «Die darin enthaltenen Tenside trocknen im Winter zusätzlich aus», sagt Hautärztin Moers-Carpi. Rückfettende Zusätze auf Basis von Mandel- oder Jojobaöl sind meist die richtige Wahl.
Es darf neben pflegenden Eigenschaften auch angenehm duften? «Pflanzliche Inhaltsstoffe wie Kamille, Ringelblume oder Baldrian empfehle ich gerne.»
Bei Neurodermitis oder Schuppenflechte setzt die Hautärztin auf medizinische Zusätze mit Eichenrinde oder Salz vom Toten Meer. «Sie lindern Juckreiz und machen die Haut zusätzlich angenehm geschmeidig.»
5. Warum werden Hände und Füße im Wasser schrumpelig?
Nicht schön, aber sinnvoll: Durch ausgiebiges Baden quellen die oberen Hornschichten der Haut auf und werden faltig. In freier Wildbahn würde diese körperliche Reaktion dabei helfen, sich beim Aus-dem-Wasser-ziehen besser festhalten zu können, so Marion Moers-Carpi. Für zu Hause ist es das klare Signal: «Das Bad dauert zu lange. Jetzt aber raus», sagt die Dermatologin.
6. Ein Gläschen Wein: Spricht etwas gegen Essen und Trinken in der Wanne?
Wenn zum perfekten Badefest ein Schluck Wein und ein paar Naschereien gehören, gibt es aus Sicht der Kardiologin Christiane Tiefenbacher keinen Grund, darauf zu verzichten.
Eine Sache sollte man aber nicht unterschätzen: Die berauschende Wirkung des Alkohols fällt im warmen Wasser stärker aus, sodass alles, was über ein Gläschen hinaus geht, schnell unangenehm werden kann. Eingefleischte Bade-Fans wissen zum Glück meist, was ihnen guttut und wo ihre Grenzen sind.
7. Wie sieht das perfekte Baderitual aus medizinischer Sicht aus?
Die Expertinnen raten zu diesem Ablauf:
- Geben Sie in den frühen Abendstunden bzw. nach getaner Arbeit ein Badeöl aus natürlichen Zutaten in 36 bis 38 Grad warmes Wasser. Versinken Sie mit einem tiefen Seufzer darin, schließen Sie die Augen und denken Sie möglichst an gar nichts.
- Erheben Sie sich nach ungefähr 10, allerhöchstens 20 Minuten langsam und tupfen Sie die Haut mit einem weichen Handtuch ab.
- Nach einer kurzen Ruhezeit den Körper mit einer Bodylotion auf Aloe-Vera- oder Urea-Basis eincremen, kuschelige Socken anziehen und ab unter die Decke. Ganz wichtig: Trinken nicht vergessen. Was Mahlzeiten oder Unterhaltung angeht, sollten Sie leichte Kost bevorzugen.
- Und jetzt? Versuchen Sie, in diesem Entspannungsmodus zu bleiben. Wenn nichts weiter ansteht: Licht aus, Augen zu und am nächsten Tag erholt aufwachen.