Extertal-Bösingfeld. Fürs Foto steigt Lea Blübaum auf das Trampolin und demonstriert wie eine Übung aussieht. Dabei geht es für die Athletin des TSV Bösingfeld hoch hinaus, ganz hoch hinaus. „Bei den Deutschen Meisterschaften der Landesturnverbände wurde es von der Höhe hier schon mal kritisch. Bei etwa acht Metern ist Schluss", blickt der erfahrene Trainer Ulrich Müller nach oben an die Hallendecke. Nachdem er die wichtigsten Begriffe seiner Sportart für die LZ-Serie erläutert hat, beweist die neunjährige Rieka Schönhoff, dass auch die Kleinsten viel Freude am Trampolinturnen haben. Besonderheit Das Trampolinturnen ist seit 2000 eine olympische Disziplin. „2004 war Deutschland mit Gold für Anna Dogonadze und Bronze für Henrik Stehlik die erfolgreichste Nation", sagt Ulrich Müller. Das Teilnehmerfeld in Tokio besteht aus je 16 Frauen und Männern. Die Qualifikation ist über Weltmeisterschaften und World Cups erfolgt, in diesem Jahr ist kein deutscher Athlet bei den Olympischen Spielen vertreten. Größe Der Rahmen des Trampolins hat eine Maße von 5,20x3,05x1,15 Metern, das Sprungtuch an sich ist 4,26x2,13 Meter groß. Messplatten Auf ihnen steht das Trampolin, gleichzeitig sind dort Sensoren angebracht, die mit einem Computer verbunden sind. „Auf den Bildschirmen sind dann die Landepositionen zu sehen, und automatisch können Punkte abgezogen werden. Es werden auf diese Art auch Sprunghöhen und die reinen Flugzeiten gemessen", macht Ulrich Müller deutlich. Kampfgericht Es besteht aus vier Haltungsrichtern, zwei Schwierigkeitskampfrichtern, zwei Kampfrichtern für die elektronische Messung und einem Wettkampfrichter, der sozusagen das letzte Wort hat. Sonstiges Fleiß, Talent und eine Portion Mut sollte man mitbringen für das Trampolinturnen, stellt der erfahrene Trainer heraus. „Außerdem sind dann später Selbstbewusstsein, Konzentration und Disziplin wichtig, ich muss auch flexibel in meinen Übungen sein. Ich muss sie anpassen können." Liv Greta Riechert hört genau zu und ergänzt: „Man lernt auch, wie man sich abfängt." Die 14-jährige Trampolinerin des TSV ist wegen einer Kahnbeinverletzung außer Gefecht gesetzt, passiert ist es beim Fahrradfahren. „Beim Trampolinturnen habe ich mich noch nie verletzt." Sprungtuch Es wird von 118 Stahlfedern gehalten. Außerdem gilt: Umso schmaler die Bänder (Geflecht), desto höher kann man springen. „Ideal ist es, in der Mitte zu landen, dann gibt es keine Abzüge. Die Springerin und der Springer orientieren sich an einem Kreuz und Rechtecken", erläutert Ulrich Müller. Übung Eine Trampolinübung besteht aus insgesamt zehn Übungsteilen (Sprungelementen), die hintereinander ausgeführt werden müssen und dauert damit in der Regel um die 20 Sekunden. Müller: „Ein gerader Zwischensprung oder das Berühren der umliegenden Matten führt zum Übungsabbruch." Wertungen Folgende Kriterien fließen in die Bewertung ein: die Flugzeit (time of flight), dabei werde die Sprungzeit oberhalb des Trampolins berechnet; die Landeposition – nach jedem Übungsteil möglichst in der Mitte; die Haltungsbewertung aller Übungsteile, wie Arm- und Körperhaltung und Öffnungsphasen und die Schwierigkeitsberechnung, wobei die Salto- und Schraubenrotationen berechnet werden. „Da wird schon viel bewertet für nur 20 Sekunden", stellt Ulrich Müller heraus. Die höchste und niedrigste Benotung der Haltungs-Kampfrichter werden gestrichen, so dass zwei in die Wertung eingehen.