Kreis Lippe. Wer derzeit den lippischen Wald betritt, hört und sieht sie wieder verstärkt: Forstleute mit Schutzhelmen und Motorsägen und vor Baumfällungen warnende Flatterbänder über Waldwegen. Aktuell sind der Landesbetrieb Wald und Holz sowie Forstleute des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, die auch für einen Teil der lippischen Wälder zuständig sind, an vielen Stellen im Einsatz. Durchforstungs- und Pflegeeingriffe nennen sich die Arbeiten und sollen langfristig die Stabilität und Vitalität der Wälder erhöhen.
Mehr Freiraum für Zukunftsbäume
Ausgewählte Zukunftsbäume sollen durch Fällungen von sogenannten Bedrängern behutsam freigestellt werden. „Es wird Licht und Raum geschaffen, damit Naturverjüngung und aktiv gepflanzte, standortgerechte, klimaangepasste Baumarten etabliert werden können“, heißt es in einer Mitteilung. Das Ziel sei dabei immer ein strukturreicher, stufiger Mischwald: alt neben jung, groß neben klein, dick neben dünn.
Gezielte Entnahme geschädigter Bäume
Dabei werden gezielt auch instabile und geschädigte Bäume entnommen. Diese verlieren schnell an Stand- und Bruchsicherheit. Kronenteile können herabfallen, Stämme können brechen oder umstürzen. Priorität haben Gefahrenbäume entlang von Straßen, Parkplätzen und Erholungseinrichtungen, teilt der Landesbetrieb mit.
Aber warum im Winter? „Dann stehen die Bäume nicht im Saft“, wird Holger-Karsten Raguse, Leiter des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, zitiert. „Das verringert mögliche Fällungsschäden am verbleibenden Bestand und noch wichtiger: Die Forstwirte können eventuelle Gefahrenquellen der laublosen Bäume besser einsehen.“ Denn: Baumfällungen seien mit die gefährlichsten Arbeiten in der freien Natur.
Lebensgefahr: Sperrungen dienen dem Schutz
Aus diesem Grund könne es während der Arbeiten auch zeitweise zu Wegesperrungen oder Umleitungen kommen. Diese dienten ausschließlich der Sicherheit. Innerhalb der Arbeitsbereiche bestehe - unter anderem durch nachfallende Äste - Lebensgefahr, auch wenn gerade keine Maschinen zu sehen seien. Wald und Holz bittet daher darum, Absperrungen konsequent zu beachten. Im Gegenzug werde die Landesforstverwaltung die Sperrzeiten so kurz wie möglich halten.
Die gefällten Stämme werden anschließend in gesamter Länge oder definierten Abschnittslängen an die Hauptabfuhrwege gezogen. Diese sogenannte Holzrückung erfolge auf extra dafür vorgesehenen Rückegassen. „Die sehen dann schon mal je nach Witterung und Holzmenge etwas wüster aus, dafür konzentrieren wir die Bodenbefahrung eben auf diese Schneisen, damit der weit überwiegende Teil des Waldbodens geschont bleibt“, so Raguse. Das Holz werde bis zur endgültigen Abfuhr in sogenannten „Poltern“ gelagert. Auch hier gelte die dringende Bitte, diese keinesfalls zu betreten.
Holzernte ist regionale Wertschöpfung
Das Ziel der Ernte des Holzes sei seine möglichst lange „stoffliche“ Nutzung – im Bau, im Innenausbau, in der Holz- und Möbelwirtschaft. In Ostwestfalen-Lippe mit seiner ausgeprägten Möbel- und Küchenmöbelindustrie seien häufig kurze Verarbeitungswege und somit die regionale Wertschöpfung im Cluster Forst und Holz möglich. Weiterer Vorteil: Nachdem die Bäume CO2 aus der Luft aufgenommen haben, speichern sie den darin enthaltenen Kohlenstoff. Holzprodukte könnten diesen Kohlenstoff langfristig binden und energieintensive Materialien teilweise ersetzen.
Ökologisch wertvoll
Hier gehören Holznutzung, Waldpflege und Naturschutz zusammen. Wo eben möglich, werden ökologisch wertvolle Strukturen gezielt bewahrt und gefördert: Biotopbäume – das sind Höhlen-, Horst- und Habitatbäume mit besonderen Strukturen – werden erhalten, Totholz und Kronenmaterial belassen und strukturreiche Waldränder gefördert. So werden Lebensräume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und viele weitere Arten gesichert und weiterentwickelt.
Aber richtig ist auch: Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Aktive Waldbewirtschaftung gehe nicht gänzlich im Stillen, was Besucher im Wald auch bemerken. Es zeige sich aber: Mit gegenseitigem Verständnis einerseits und maßvollem aktiven Wirtschaften andererseits „schaffen wir die beste Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung des wertvollen Rohstoffes Holz und für langfristig klimastabile, bunte und zukunftssichere Wälder“, ist der Landesbetrieb überzeugt.
Fakten auf einen Blick
Warum wird gefällt? Stabilisierung, Waldumbau, Pflege, Holzbereitstellung und Verkehrssicherung
Was wird gemacht? Zielgerichtete Eingriffe, Förderung von Mischung und Struktur, Berücksichtigung ökologischer Strukturen
Was ist das Ziel? Ein möglichst sicherer, naturnaher, klimaresilienter Wald – heute und für kommende Generationen; Bereitstellung des Wertstoffes Holz