Detmold. „Im Fußball geht es manchmal ganz schnell“, heißt es häufig. Ein sehr gutes Beispiel für diesen Satz ist Christopher Wessel. Der Stürmer des SV Diestelbruch-Mosebeck musste vor der Serie 2020/2021 zur zweiten Mannschaft. Roy Wangert, Coach des Fußball-A-Ligisten: „Chris hatte mich nicht überzeugt.“ Toll fand der Coach dann das Verhalten des Angreifers: „Vorbildlich.“ Mit zwölf Toren in acht Spielen bewies Wessel in der B-Klasse, dass er weiß, wo das Tor steht. Wangert holte Christopher Wessel in die erste Mannschaft zurück. Kurz vor Abschluss der Hinserie im Detmolder Kreisoberhaus führt der 28-Jährige die Torschützenliste mit 13 Toren in 14 Spielen an. Parkuhr? Das war früher „Chris arbeitet viel, früher hieß es: eine Parkuhr. Er ist läuferisch und taktisch gut, dazu ein super Typ außerhalb des Platzes“, lobt Roy Wangert. Mit seinen 13 Treffern gehen fast die Hälfte aller Tore überhaupt des SVDM (insgesamt 27) auf das Konto von Wessel. Mit 17 Punkten liegen die Diestelbrucher auf dem zwölften Tabellenplatz. Jarrit Karaus (ebenfalls 13 Tore, Blomberger SV), Cihat Keles (TSV Horn) und Christian „Kiki“ Schiprowski (Post-TSV II, beide je 12 Tore), die zudem in der Spitzengruppe der besten Scorer mitmischen, machten sich in den vergangenen Jahren einen Namen im lippischen Fußball. Aber Christopher Wessel? Er liebt seinen Job und den Fußball Freitag, 8.30 Uhr am Detmolder Kaiser-Wilhelm-Platz: Hinter Wessel liegen bereits mehr als zwei Stunden im Büro. Der Linksfuß arbeitet in der Firma seines Vaters Christian Schneider. „Aqua Activ“ sponserte der Stadt Detmold die Springbrunnenanlage. Der SVDM-Angreifer zeichnete für die Umsetzung als Projektleiter verantwortlich. Neben dem Fußball ist sein Job die große Leidenschaft des Diestelbruchers, der nach insgesamt acht Jahren bei Phoenix-Contact, wo er eine Ausbildung als Mechatroniker gemacht hatte, in die Firma seines Vater einstieg: „Ich war viel auf Montage und legte zwei Sabbatjahre ein. Heute bin ich zwar weiter viel unterwegs und schaffe es nicht immer zum Training. Aber sonntags zu den Spielen bin ich immer da.“44 Tore in einer Saison Christopher Wessel stammt aus der Jugend des SV Diestelbruch-M., verließ den Verein als B-Jugendlicher, weil es am Dörenwald in dieser Altersklasse keine Mannschaft gab. Der TuS Eichholz-Remmighausen profitierte: „In meinem ersten Seniorenjahr erzielte ich 44 Tore in der B-Liga und zog die Aufmerksamkeit auf mich. Augustdorf, Post und Blomberg wollten mich.“ Doch der Angreifer winkte ab und nahm die Anfrage von Sascha Weber aus Diestelbruch an: „Der SVDM ist mein Herzensverein. Ich habe immer gesagt: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, zu den Wurzeln zurückzukehren, dann mache ich das.“ Am Dörenwald bekam Christopher Wessel trotz namhafter Konkurrenz wie Timo Flecker und Martin Rethmeier seine Spielanteile. Fan ruft: "Hier regiert der SVD." „,Stur, hartnäckig, kämpferisch, das Motto von Armina, meinem Herzensklub – seit acht Jahren habe ich eine Dauerkarte – im Profisport, passt auch super zum SVDM.“ Zudem mache der Meckerhügel sowie „Leute wie Michael Cucchiara, Arne Dreier und Jan Meier, die ich zu meinen Freunden zähle, den Verein aus“, sagt Wessel: „Egal, wie es steht: Thorsten Strunk, den alle ,Jonny nennen, ruft immer: ,Hier regiert der SVD.“Freundin Jill kommt gerne zum Platz Der Meckerhügel taufte Christopher Wessel zum „Bomber vom Dörenwald“: „Das rufen sie auch immer wieder aufs Feld. Früher feuerten sie damit Martin Rethmeier an, eine große Ehre für mich.“ Die treuen Fans leben den Verein, Christopher Wessel liebt den Fußball: „Er ist mein halbes Leben. Wenn ich nicht auf der Alm bin, schaue ich samstags von 13 bis 20.45 Uhr Fußball, auch wenn dafür inzwischen mehrere Abos notwendig sind.“ Seiner Freundin Jill, mit der er seit elf Jahren zusammen ist, dankt er fürs Verständnis: „Sie ist auch ein treuer SVD-Fan und unsere Heimspiele sind ein Pflichttermin.“