Düsseldorf (dpa/lnw) - Das schwere Unwetter mit Starkregen und Hochwasser hat in Nordrhein-Westfalen einige Menschenleben gefordert. Im Kreis Euskirchen im Süden des Landes, wo auch insgesamt 90 Einsatzkräfte aus dem Kreis Lippe und Gütersloh im Einsatz sind, kamen nach Angaben der Kölner Polizei 15 Menschen ums Leben. Neben zwei in Köln gefundenen Toten seien zudem auch aus Rheinbach 3 Tote gemeldet worden, teilte die Polizei am Donnerstagnachmittag mit. Noch seien nicht alle gesichteten Leichen geborgen.
Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag weiterhin Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Tausende Feuerwehrleute waren landesweit im Einsatz.
Die Bundeswehr hat für Nordrhein-Westfalen am Donnerstagmorgen 200 Männer und Frauen mit Bergepanzern, Radladern, schweren Lastwagen und dem Transportpanzer Fuchs in den Einsatz geschickt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.
In Köln wurden zwei Menschen von der Feuerwehr tot in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern entdeckt. Die Leiche einer 72 Jahre alten Frau war am Mittwoch kurz nach 21.30 Uhr, die eines 54-jährigen Mannes kurz vor Mitternacht gefunden worden.
In Rheinbach bei Bonn wurde am Donnerstag eine Frau tot auf einer Straße entdeckt. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter sei wahrscheinlich, erklärte die Bonner Polizei.
Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus.
Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken. Der 46-Jährige war nach Angaben der Polizei im Märkischen Kreis nach der erfolgreichen Bergung beim Einsteigen ins Feuerwehrfahrzeug ins Wasser gefallen und abgetrieben. Kurze Zeit später habe man ihn nur noch tot bergen können.
In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz ebenfalls im überfluteten Hauskeller.
Mehrere Häuser sowie ein Tierheim wurden am frühen Donnerstagmorgen in Solingen-Unterburg aufgrund des Hochwassers der Wupper evakuiert. Etwa 600 Menschen konnten die Nacht nicht in ihren Wohnungen verbringen.
In Wuppertal stellte die Justiz die Rechtsprechung ein. Das Justizzentrum liegt unmittelbar an der Hochwasser führenden Wupper.
Unwetterartige Regenfälle hatten seit Mittwochnacht für Überschwemmungen und Hochwasser gesorgt. Nach Angaben des DWD waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte sich in Altena und in Hagen ein Bild von der Lage. Rund 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk und 100 Kräfte der Bundeswehr waren allein in Hagen unterwegs, um der Wassermassen Herr zu werden. Eine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt.
Ein unkontrollierter Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald konnte im letzten Moment verhindert werden. Der Feuerwehr gelang es, das Wasser gesteuert ablaufen zu lassen, um Druck vom Sperrdeich zu nehmen. Die Anwohner entlang der Wupper waren in der Nacht aufgefordert worden, umgehend den Gefahrenbereich zu verlassen. Es bestehe akute Lebensgefahr.
In Hückeswagen lief die Bevertalsperre über. Mehr als 1000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Zudem wurden angrenzende Ortschaften und Häuser evakuiert.
In Düsseldorf wurde die Ostpark-Siedlung mit 350 Gebäuden trotz eines Walls aus 25 000 Sandsäcken überflutet. Die Feuerwehr arbeitete beinahe 1000 Einsätze in der Landeshauptstadt ab. Die kleine Düssel war durch ein historisches Hochwasser auf über drei Meter angestiegen.
Die Opposition aus SPD und Grünen im NRW-Landtags forderte schnelle und unbürokratische Hilfe der schwarz-gelben Landesregierung für die Hochwasser-Opfer. «Der heftige Dauerregen hat viele Menschen in Nordrhein-Westfalen in Not gebracht oder schwer verletzt», erklärte der SPD-Landespartei- und Fraktionschef Thomas Kutschaty am Donnerstag.