Bundesfamilienministerin Lisa Paus will künftig mehr in die Qualität von Kindertagesstätten investieren. Das kündigte die Grünen-Politikerin am Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin an. Anlass war das Kita-Qualitätsgesetz des Bundes, das zum Jahresbeginn offiziell in Kraft trat. Es wird durch Vereinbarungen mit den 16 Bundesländern nun Zug um Zug umgesetzt. Am Freitag wurde die letzte der 16 Vereinbarungen mit Sachsen-Anhalt unterzeichnet.
Insgesamt stellt der Bund dafür in den nächsten zwei Jahren rund vier Milliarden Euro bereit. Bisher hatten die Länder Paus zufolge ein Drittel der Bundesmittel in die Qualitätsentwicklung der Kitas investiert. Fortan würden es vier Fünftel, also 80 Prozent, sein. Sechs Länder sparen stattdessen bei der Beitragsentlastung der Eltern. Nach Angaben des Familienministeriums werden 92 Prozent der Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt in einer Kita betreut. Bei Kindern unter drei Jahren seien es 35,5 Prozent.
„Alle Kinder sollen die gleichen Chancen auf eine frühkindliche Bildung haben“, sagte Paus. Und Kindertagesstätten seien der Ort, an dem Kinder erstmals jenseits des Elternhauses mit allen Sinnen etwas lernten. Außerdem sagte sie: „Über viele Jahre haben wir in den Ausbau von Kitas investiert, insbesondere auch in Gebäude. Jetzt treten wir in die nächste Phase ein.“
Zuverlässige Betreuung fehlt oft
Eigentlich sind für Kindertagesstätten Länder, Landkreise, Städte und Gemeinden zuständig. Der Bund greift ihnen jedoch finanziell unter die Arme und bekommt dafür ein Mitspracherecht bei der Verwendung des Geldes.
Unterdessen macht eine Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung deutlich, dass zehn Jahre nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr ein großer Teil der erwerbstätigen oder arbeitsuchenden Eltern gar nicht auf eine zuverlässige Betreuung vertrauen kann – geschweige denn auf eine qualitativ hochwertige. Gut 57 Prozent von ihnen waren vielmehr im zurückliegenden Frühjahr mit Kürzungen der Betreuungszeiten oder zeitweiligen Schließung der Einrichtungen aufgrund von Personalmangel konfrontiert.
Knapp die Hälfte der betroffenen Mütter und Väter hat während der Schließung oder Kürzung der Betreuungszeit Urlaub genommen oder Überstunden abgebaut, um die Betreuungslücke auszugleichen. Knapp 30 Prozent mussten ihre Arbeitszeit reduzieren. Dabei überwog der Einsatz der Mütter den der Väter. Ministerin Paus erklärte dazu, der Fachkräftemangel sei auch in Kitas ein „Riesenthema“. Sie verwies dabei auf durch die Bundesagentur für Arbeit finanzierte Umschulungsmöglichkeiten und betonte, es gelte, für das Berufsfeld stärker zu werben.
Eltern haben kaum Erholungszeiten
Die Vorsitzende des Bundeselternrates, Christiane Gotte, sagte dieser Redaktion: „Ich kann die Berichte über die Verkürzung der Schließzeiten, den Ausfall von Betreuung oder die zeitweilige Schließung von Kindertagesstätten bestätigen. Diese werden uns auch gemeldet.“ Die neuen Bundesländer hätten wegen der Arbeits- und Betreuungssituation zu DDR-Zeiten immer noch einen strukturellen Vorteil, obwohl hier das Personal ebenfalls schwinde. Doch in den alten Bundesländern sei die Lage teilweise dramatisch.
Gotte sagte weiter: „Bundesweit haben Eltern seit der Corona-Pandemie kaum noch Erholungszeiten. Sie fangen nur noch auf. Ich rechne fest mit einer Burnout-Welle. Es gibt Eltern, die sich mit Auswanderungsabsichten tragen, wegen der belastenden Arbeits- und Betreuungssituation. Und es gibt Eltern, die klagen.“ Sie benötigten flexible Arbeitszeiten, um die Betreuung leisten zu können.
Die Vorsitzende des Bundeselternrates mahnte: „Wir müssen zwingend die Gewinnung von Fachkräften vorantreiben, geeignete pädagogische Laien qualifizieren und Bestandspersonal fortlaufend weiterbilden. Die Bundesländer, die vor Jahren schon Laien eingestellt und qualifiziert haben, stehen jetzt besser da. Sie konnten den Personalmangel noch am besten auffangen. Allerdings kommt Beruf von Berufung. Man kann nicht jeden mit Kindern arbeiten lassen.“