Die Situation könnte absurder nicht sein. Während die Türkei im Jahr 2016 mit der Europäischen Union übereinkam, ihr gegen Milliarden-Zahlungen afghanische oder syrische Flüchtlinge vom Hals zu halten, kommen mittlerweile immer mehr Asylbewerber in Deutschland aus der Türkei selbst. Aktuell ist dies die zweitgrößte Gruppe. Die Menschen fliehen vor den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, die das autokratische Regime des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geschaffen hat. Gleichwohl kreuzte die Mehrheit der in Deutschland wahlberechtigten türkischen Staatsbürger bei der letzten Präsidentschaftswahl eben jenen Erdogan an. Nein, absurder geht es nicht mehr.
>>> Lesen Sie auch: Türkische Gemeinde rechnet mit immer mehr türkischen Flüchtlingen in Deutschland
Dabei ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Repression und Inflation dürften sich in der Türkei fortsetzen. Fortsetzen dürfte sich ebenfalls die janusköpfige Politik des Westens Erdogan gegenüber. Einerseits wissen alle, dass sein Land in der jetzigen Verfassung zum Beispiel in der Nato nichts zu suchen hat – und noch weniger in der EU. Andererseits will man die Türkei als Partner nicht verprellen. Deshalb wurden die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel auch nie offiziell beendet.
Ähnlich ambivalent wie die türkische Politik und der westliche Umgang damit verhalten sich die Türken. Es gibt die moderne Türkei. Unter den rund drei Millionen türkischstämmigen Einwohnern in Deutschland sind viele längst voll integriert. Zugleich gibt es eine Menge Deutsch-Türken, deren Präsident nicht Frank-Walter Steinmeier heißt, sondern Erdogan. Auch das ist ein Problem.
Man rauft sich die Haare und denkt: Das gibts doch nicht. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: Unter den jetzigen Umständen werden die deutsch-türkischen Verhältnisse absurd bleiben.