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Kommentar

Beengte Wohnungen: Beschämende Realität für viele Kinder in Deutschland

Es ist eine traurige Realität. Immer mehr Menschen in Deutschland müssen in zu engen Wohnverhältnissen leben. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Mehr als 9,5 Millionen Menschen leben hierzulande in Wohnungen, die nach europäischer Definition als überbelegt gelten. Menschen in Städten, Alleinlebende sowie Alleinerziehende und deren Kinder sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Diese Entwicklung wirft drängende Fragen auf.

Mangel an Privatsphäre, dafür Stress und Lärmbelästigung

Beengte Wohnverhältnisse bedeuten nicht nur räumliche Enge, sondern haben weitreichende Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen: Mangel an Privatsphäre; Stress und Lärmbelästigung. Auch die Chancengleichheit – insbesondere für Kinder – ist betroffen. Wie wichtig ausreichender Wohnraum ist, wurde während der Pandemie durch die Corona-Beschränkungen spürbar.

Die Ursachen der Wohnungsnot sind komplex. Ein wesentlicher Faktor ist der anhaltende Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Der Mieterbund ist überzeugt, dass sich die Lage auch in OWL noch weiter verschärfen könnte, weil einfach zu wenig neue Wohnungen gebaut werden. Hauptgrund: Viele Wohnungsbauunternehmen haben im vergangenen Jahr ihre geplanten Projekte auf Eis gelegt, weil die Baumaterialien zu teuer geworden sind. Die Kosten für einen Quadratmeter Mietwohnung sollen von 800 Euro auf 1.700 Euro gestiegen sein.

Unmöglich, eine angemessene Wohnung zu finden

Da die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum durch das Angebot nicht gedeckt wird, steigen die Mieten. Für viele Menschen wird es dadurch unmöglich, eine angemessene Wohnung zu finden. Gleichzeitig verschärfen ein unzureichender sozialer Wohnungsbau und Spekulationen auf dem Immobilienmarkt die Situation.

Die Gründe für diesen Mangel sind vielfältig, neben wirtschaftlichen Faktoren spielen politische Entscheidungen eine Rolle. Verschiedene Initiativen wurden ergriffen, um das Problem zu lösen. Eine davon ist der soziale Wohnungsbau, bei dem staatlich geförderter Wohnraum für einkommensschwache Familien zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus hat die Politik eine Mietpreisbremse eingeführt, um den Anstieg der Mieten zu begrenzen. Außerdem wird verstärkt in den Bau von bezahlbaren Wohnungen investiert. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Wohnungsnot zu lindern und bezahlbares Wohnen für alle zu gewährleisten.

Es fehlt eine entschlossene Wohnungspolitik

Dennoch scheint es der Regierung nicht zu gelingen, das Problem zu lösen. Was fehlt, ist eine entschlossene, konsequente und langfristig angelegte Wohnungspolitik. Kurzfristige Maßnahmen und unzureichende Förderprogramme reichen nicht aus, um das Problem nachhaltig zu lösen. Und die Eindämmung der Spekulation auf dem Wohnungsmarkt ist unabdingbar.

Es gibt immer mehr Projekte, die alternative Wohnformen wie gemeinschaftliches Wohnen oder genossenschaftliches Bauen fördern. Auch private Ansätze können dazu beitragen, die Wohnungsnot zu lindern. So erfasst ein Bielefelder Verein seit mehreren Jahren Leerstände und veröffentlicht sie anonymisiert auf einer Homepage. Mehr als 300 leer stehende Häuser und Baulücken wurden dort von Bürgern gemeldet. Das Ziel des Vereins: dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, ohne Flächenfraß und Naturzerstörung. So kann es auch funktionieren.

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