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Meinung

Es fehlt nicht an Geld, sondern an Effizienz im Gesundheitswesen

Noch merken wir es nicht direkt. Erst Ende Januar wird auf der Gehaltsabrechnung auffallen, dass etliche Krankenkassen die Beiträge erhöht haben. Seit Monaten wird darüber diskutiert, dass die Gelder aller Sozialkassen nicht mehr ausreichen, um die Kosten zu decken. Das gilt für die Krankenkassen und Kliniken (Gesundheitssystem), Pflegekassen (Pflegesystem) und Arbeitsagentur/Jobcenter (allgemeines Sozialsystem) gleichermaßen.

Alle am System Beteiligten, egal ob Kostenträger oder Leistungserbringer, rufen nach mehr Geld. Es geht zu wie im Vogelnest. Wer am lautesten zetert, bekommt den größten Brocken. Das ist ein falscher, systembedingter Ansatz. Denn bevor über Geld und dessen Verteilung diskutiert wird, sollten die Leistungserbringer nachweisen, dass sie mit den Mitteln bestmöglich und wirtschaftlich umgehen.

Jeder Patient in einer Klinik (also Laie) kann von Doppelstrukturen berichten, die er erlebt. Warum auch sollte eine Klinik in kommunaler Trägerschaft wirtschaftlich arbeiten, wenn klar ist, dass Defizite von der Kommune ausgeglichen werden?

Viele Leistungserbringer arbeiten nicht wirtschaftlich

Bei allem Kostendruck: Zahlreiche Krankenhäuser in Deutschland arbeiten organisatorisch nicht wirtschaftlich. Schlanke Strukturen, digitale Patientenakten, ein digitales Warenwirtschaftssystem sind nicht überall selbstverständlich.

Gleiches gilt für die Pflege. Viele Pflegedienste klagen über hohe Kosten und zu wenig Einnahmen. Etliche melden Insolvenz an. Die AWO im Bezirk OWL ist da nur ein Beispiel. Ja, es gibt externe Faktoren wie die plötzliche Erhöhung des Mindestlohns, überbordende Bürokratie und Berichtspflichten sowie komplexe Abläufe.

Aber viele Pflegedienste muckeln organisatorisch vor sich hin, werfen Geld zum Fenster raus. Eine leistungsbezogene Bezahlung ist im medizinisch-industriellen Komplex kaum vorgesehen. Böswillig könnte das System als Planwirtschaft bezeichnet werden.

Es gibt wirtschaftlich funktionierende Pflege

Präsident der Bundesärztekammer und Allgemeinmediziner: Klaus Reinhardt arbeitet neben seiner Tätigkeit in der Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung weiter in seiner Hausarztpraxis in Bielefeld. - © Gregor Fischer/dpa
Präsident der Bundesärztekammer und Allgemeinmediziner: Klaus Reinhardt arbeitet neben seiner Tätigkeit in der Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung weiter in seiner Hausarztpraxis in Bielefeld. (© Gregor Fischer/dpa)

Andere Unternehmer können sich das nicht leisten, stehen sie doch in ganz anderer Konkurrenz und werden von den Kunden viel kritischer beäugt. Wirtschaftlich funktionierende Pflegedienste und auch Medizinzentren werden von Investoren umworben. Woran das wohl liegt? Sie machen gute Gewinne.

Dennoch wird bei dem Gezeter nach Geld der Eindruck erweckt, dass das gesamte System zu wenig Mittel zur Verfügung hat. Dann werden höhere Zuzahlungen, mehr Geld von den Kassen und in der Folge höhere Beiträge von den Versicherten gefordert. Ist ja auch am einfachsten.

Ähnlich ist es bei niedergelassenen Ärzten, wie das Interview mit Ärztepräsident Klaus Reinhardt aus Bielefeld zeigt. Er lehnt den Vorschlag ab, dass Apotheker ebenfalls Arzneien verschreiben dürfen. Die Verschreibung müsse in ärztlicher Hand bleiben.

Diese Regeln verursachen unnötige Kosten

Da können Patientinnen, die regelmäßig dieselben, einmal vom Arzt verschriebene Medikamente benötigen und stets zu ihrem Arzt Kontakt aufnehmen müssen, um ein neues Rezept zu erhalten, nur mit dem Kopf schütteln. Das verursacht überflüssige Kosten und Zeitverlust – ohne Nutzen.

Reinhardts Argumente erinnern an die Zünfte im Mittelalter, die Konkurrenz verhindern wollten. Die Beispiele zeigen: Bei den Leistungserbringern anzusetzen, ist nicht die eine finale Lösung, aber ein Anfang.

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