Erinnerungen an die Achtziger und Pop-Sounds im Klassik-Kleid haben am Donnerstag die Philharmonie in Essen erfüllt. Zum Tourauftakt der Band Alphaville begrüßten knapp 1300 Menschen mit tosendem Applaus die fünfköpfige Synth-Pop-Band und das Deutsche Filmorchester Babelsberg auf der bunt erleuchteten Bühne.
«Ich möchte sie nun einladen auf eine Reise durch die Gefilde, die Alphaville in den letzten 40 Jahren ihrer Existenz erschlossen hat», sagte Leadsänger Marian Gold (68) lächelnd zum Auftakt.
Anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums will die Band 36 Konzerte bis Ende Januar 2024 in verschiedenen Konzerthäusern spielen. Auf ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Album «Eternally Yours» hat die Band ihre großen Hits und weniger bekannten Songs neu arrangiert und mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufgenommen.
Die Idee zur Tour sei dem Frontmann aber schon vor einiger Zeit gekommen. «Zum ersten Mal vielleicht, als ich "Lassie Come Home" geschrieben habe, das war 1982», erzählte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Tour sei «ein Schatz, der gehoben werden musste. Ein Traum», so Gold.
Trotz seines fortschreitenden Alters bewegte sich der Leadsänger am Donnerstag locker tanzend und sogar hüpfend über die Bühne. Zwischen Streichern und Posaunen hallte seine kräftige Stimme durch den Saal der Philharmonie.
Mit Synth-Pop wurde Alphaville weltweit bekannt, ihre Keyboard-Kompositionen drückten die Gefühle einer ganzen Generation aus. Gleich mit ihrer ersten Single «Big in Japan» landete die Band 1984 von Münster aus einen Welterfolg, dem weitere Singles folgten, die heute Popklassiker sind. Von der Ur-Besetzung ist nun nur noch Gold übrig.
Die schon damals eingängigen Pop-Songs erhalten mit der Unterstützung des Orchesters nun noch mehr Fülle. «In diesen symphonischen Fassungen kommt noch mal eine völlig neue Qualität dazu, die aber schon immer in unserer Musik angelegt war», so Gold.
Der Sänger öffnete sich beim Konzert am Donnerstag mit Familiengeschichten und zeigte sich zwischen den Songs bescheiden und nahbar. «Jetzt muss ich mich ein bisschen zurückhalten», sagte er schmunzelnd zur Einleitung des Songs «Moon Girl», den er seinen Kindern gewidmet hatte. Wie ein lang eingespieltes Team arbeitete das Orchester mit der Band zusammen.
Das überzeugt das Publikum. Eine bewegte Stimmung erfüllte den Konzertsaal, die Hände der Besucher hörten kaum auf zu klatschen. Auch die ein oder andere Träne floss bei dem Publikum. Die Atmosphäre wurde durch abwechslungsreichen Lichteinsatz und moderne Visuals über der Konzertbühne unterstützt.
Die Band spielte nicht nur Stücke wie «Around the Universe» und «Big in Japan», auch ein Cover des Hits «Diamonds Are Forever» hallte durch den Saal. Großes Finale war dann natürlich der Song «Forever Young», zu dem einige Zuschauer tanzten. Verabschiedet wurde die Band von einem stehenden Publikum im Konzertsaal, das gar nicht aufhören wollte zu jubeln.