Nordrhein-Westfalen möchte sich als führender Standort für Raumfahrt international positionieren. «Die Raumfahrt soll Arbeitsplätze schaffen, Innovationen fördern und Nordrhein-Westfalen als Innovationsstandort ausbauen», heißt es in einem vom schwarz-grünen Landeskabinett verabschiedeten «Chancenpapier». Zuvor hatte das Portal «Table.Briefings» berichtet.
Raumfahrt sei längst Teil des Alltags und wirke als Innovationsmotor, Standortfaktor und strategische Infrastruktur, heißt es in dem 31-seitigen Papier. Mit einer klaren strategischen Ausrichtung wolle NRW seine industrielle Basis verbreitern, Hightech-Arbeitsplätze schaffen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Schon heute nehme NRW mit seinen forschungsstarken Hochschulen, international anerkannte Forschungseinrichtungen bis hin zu Start-ups und führenden Industrieunternehmen eine Schlüsselrolle ein. «Es gilt nun, diese Potenziale strategisch auszubauen und international sichtbar zu machen.»
Weltraumkommando und Astronautenausbildung
Einrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Europäische Astronautenzentrum der Esa in Köln, das Weltraumkommando der Bundeswehr in Uedem sowie führende Cybersicherheitsstandorte in Bochum, Bonn und Dortmund unterstreichen dem Papier zufolge die wachsende Bedeutung von NRW. Besonders stark sei das Land zudem bei Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium, Titan und Faserverbundwerkstoffen, die für Schlüsselbranchen wie Flugzeugbau, Automobilindustrie, Maschinenbau und Raumfahrt unverzichtbar seien.
Große, sichtbare Projekte wie die europaweit einzigartige Luna-Mondsimulationsanlage zögen neue High-Tech-Akteure an. Das Raumfahrt-Cluster in Nordrhein-Westfalen umfasse derzeit 83 Unternehmen und 22 Forschungseinrichtungen, die ein breites Spektrum an Technologien abdeckten.
Thema Raumfahrt schon in der Schule
Schon Schülerinnen und Schüler sollen für Raumfahrt begeistert werden. Das Programm «Raumfahrt macht Schule» solle für die Sekundarstufe II den weiterführenden Schulen gezielte Angebote bereitstellen. In Kooperation mit Esa und DLR entstünden zum Beispiel digitale Raumfahrtlabore, die Schülern direkte Einblicke in Zukunftstechnologien ermöglichten.
Vorgesehen sei auch die Einrichtung eines Landesgraduiertenkollegs für Raumfahrtwirtschaft und Sicherheitsstudien sowie die Erweiterung spezialisierter internationaler Studiengänge in NRW. Unternehmen und Forschungseinrichtungen in NRW sollten gezielt Nischen mit hohem Zukunftspotenzial besetzen und ihre Alleinstellungsmerkmale weiter ausbauen.
Auch branchenfremde Unternehmen sollen mitmachen
Ein zentrales Entwicklungsfeld für den Raumfahrtstandort NRW sieht die Landesregierung in der aktiven Öffnung des Sektors für branchenfremde Unternehmen. Raumfahrt sei längst kein abgeschlossener Hochtechnologie-Markt mehr, sondern ein Querschnittsfeld.
«Raumfahrt ist kein isolierter Hightech-Sektor», sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). «Sie wirkt als Innovationsmotor für unsere Industrie, schafft neue Wertschöpfung und beschleunigt den nachhaltigen Strukturwandel - gerade in einem Industrieland wie Nordrhein-Westfalen.»
Raumfahrtbotschafter Ewald
Nicht zuletzt hat NRW bereits mit dem Astronauten Reinhold Ewald einen Raumfahrtbotschafter. Der Mönchengladbacher, der 1997 drei Wochen auf der damaligen russischen Raumstation «Mir» war, soll als Botschafter das prominente Gesicht der Raumfahrt-Offensive in NRW werden.