AfD-Anzeige gegen Paderborner Theater sorgt für Kopfschütteln

Holger Kosbab und Stefan Brams

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Hierum geht’s: Die Illustration zum Stück „Andorra".  - © Grafik: Theater Paderborn
Hierum geht’s: Die Illustration zum Stück „Andorra".  (© Grafik: Theater Paderborn)

Bielefeld/Paderborn. Die Strafanzeige der AfD gegen das Paderborner Theaters wegen angeblicher Beleidigung in einer Programmankündigung erntet allerseits Unverständnis. Die Partei fühlte sich durch eine Grafik verunglimpft. 

Die Illustration stellt die gestiegenen Wahlergebnisse der Nazipartei NSDAP aus den Jahren 1928 und 1932 sowie der AfD von 2013 und 2017 untereinander. Ergänzt wird das Bild durch die Zahl von sechs Millionen Menschen, die während des Holocausts ermordet wurden, und die Zahl der 681 antisemitischen Straftaten, die im ersten Halbjahr 2017 erfasst wurden.

Michael Heicks, Intendant des Bielefelder Theaters, erkennt in dem Vorgehen der AfD in Paderborn ein Muster: „Die Partei will sich nicht von ihrem rechten Rand und Akteuren wie Björn Höcke und anderen distanzieren und beschwert sich dann darüber, mit den Nazis verglichen zu werden." Wenn sie diese Vergleiche nicht wollten, dann müssten sie sich deutlich nach rechts abgrenzen. Auch in dem Vorgehen, immer wieder Strafanzeigen zu erstatten, erkennt Heicks ein Muster: „Sie wollen doch nur eins, mediale Aufmerksamkeit." Daher sollte man vorsichtig sein und nicht über jedes Stöckchen springen, das man uns hinhält. „Ich bin allerdings sehr dafür, die AfD inhaltlich zu stellen und zu entlarven, dass sie zu ganz vielen Themen nichts zu sagen hat."

Grundsätzlich spricht sich Heicks im Gespräch mit dieser Zeitung dafür aus, unsere Grundwerte zu schützen und zu verteidigen. „Das Theater hat für mich klar die Aufgabe, daran mitzuwirken", betont Heicks. „Wir setzen zum Beispiel bewusst auf Spielzeit-Leitgedanken, die das auch zum Ausdruck bringen." So habe er die vergangene Spielzeit bewusst unter das Motto „Freiheit" gestellt gehabt.

Als Nazis vor einigen Jahren in Bielefeld demonstrierten sangen Theater-Mitglieder ihnen vom Balkon des Stadttheaters „Freude schöner Götterfunken" entgegen. Ralf Petring, Medienjurist in Bielefeld, stuft die Illustration als „politische und historische Bewertung" und damit als zulässige Meinungsäußerung ein. Die Strafanzeige hält er für „weit hergeholt".

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