"Hallo Lena, hier ist Dirk." Als ich diese freundliche Stimme an meinem Ohr höre, spüre ich sofort ein leichtes Gefühl von Erleichterung. Ich bin auf dem Weg zu meinem Auto. Es sind nur zehn Minuten, die ich laufen muss – aber der Weg ist dunkel und bislang ist mir keine Menschenseele begegnet. Umso froher bin ich, als ich Dirks Stimme über die "WayGuard"-App höre.
Wenn es dunkel ist, wird der Heimweg von der Arbeit oder der Party für viele zur Mutprobe – nicht nur für mich als Frau. Vor allem zu später Stunde fühlen sich Fußgänger häufig nicht sicher. Besonders dann nicht, wenn sie durch Parks, Wälder oder dunkler Gassen müssen. Die App WayGuard soll jetzt für ein sicheres Gefühl sorgen.
App kann Koordinaten an Polizei oder Krankenwagen senden
Das Konzept dahinter ist simpel: Nutzer können sich von Freunden, Bekannten oder auch von Mitarbeitern einer Leitstelle während des Heimwegs begleiten lassen. Im Notfall kann mit Hilfe der Koordinaten die Polizei oder ein Krankenwagen alarmiert werden.
Die Polizei Köln hat die Begleit-App in Kooperation mit der Versicherung Axa entwickelt. Mittlerweile können Nutzer sich die App sowohl für iOS als auch für Android-Geräte kostenlos herunterladen. Seit Einführung der App vor zwei Jahren, nutzen rund 118.000 Menschen den Begleit-Service, sagt Anja Kroll von der Pressestelle der Axa-Versicherung.
Niemand kann gegen seinen Willen beobachtet werden
Und so funktionierts: Die Person, die begleitet werden möchte, und eine ihr vertraute Person müssen die App beide heruntergeladen haben. Zur Anmeldung bei WayGuard werden dann lediglich die eigene Handynummer, Name und eine gültige Email-Adresse benötigt.Beide Seiten müssen der Begleitung zustimmen. „Das ist ganz wichtig. So wird ausgeschlossen, dass jemand gegen den eigenen Willen begleitet und beobachtet wird", sagt Kroll von der Pressestelle der Axa-Versicherung.
Sobald das Einverständnis von beiden Seiten erfolgt ist, geht es los. Der Begleiter kann auf einer Karte verfolgen, wo sich die andere Person aufhält und wo sie langgeht. Während des Weges können beide über die App zusätzlich auch telefonieren oder chatten. Im Ernstfall kann die Leitstelle von WayGuard mit einer einfachen Wischfunktion kontaktiert werden. Sie informiert dann die Polizei vor Ort und übermittelt ein Datenpaket mit den notwendigen Koordinaten.
24 Stunden, sieben Tage besetzt
Wer übrigens keinen Freund oder Bekannten parat hat, um sich begleiten zu lassen, kann ebenfalls auf die Leitstelle von WayGuard zurückgreifen. Sie ist 24 Stunden und sieben Tage in der Woche besetzt. Eine Begleitung dauert übrigens maximal eine viertel Stunde. Wenn der Heimweg aber doch mal länger dauert, kann man individuell mit seinem Begleiter eine Verlängerung ausmachen.
Nachdem ich mir die App heruntergeladen und meine Begleitung gestartet habe, hänge ich etwa eine Minute in der Warteschleife, dann ist Dirk da. Wir quatschen kurz über den Tag, über mich, über ihn. Es ist, als würde ich mit einem Kumpel telefonieren. Und plötzlich stehe ich schon vor meinem Auto. Tatsächlich ging das gefühlt schneller als sonst.
Ein Stückchen mehr Sicherheit
Ich verkünde Dirk stolz, dass seine Begleitung erfolgreich war. Um den Vorgang komplett abzuschließen, muss ich jetzt nur noch der App mitteilen, dass ich an meinem Ziel angekommen bin. Dirk habe ich mit den Worten „bis bald" in sein nächstes Telefonat entlassen. Er verrät mir noch, dass ich zu den klassischen Anrufern zähle: Vor allem viele Frauen rufen gegen Abend an, wenn es dunkel wird. Mir solls recht sein.
Mein Fazit: Ich werde die App auf jeden Fall erneut nutzen. Denn nur alleine das Wissen, dass ich damit jederzeit jemanden anrufen könnte und sofort auch jemanden zum Sprechen habe, verleiht mir ein Stückchen mehr Sicherheit.