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Virtuelle Realität

Das Mixed-Reality-Headset: Wie Apple in eine neue Dimension vordringen will

Die neuen Brillen sollen die virtuelle Realität sowie die Verschmelzung der realen und digitalen Welt zeigen. Viel mehr ist noch nicht bekannt, Spekulationen gibt es aber zur Genüge. Techfans vermuten, dass das neue Gerät am 5. Juni vorgestellt wird.

Eins ist schon mal sicher: Das virale Marketing für die Entwicklerkonferenz WWDC von Apple funktioniert vorzüglich. Denn in Blogs und auf den Webseiten der Techfans wird aufgeregt diskutiert: Wird es wirklich am 5. Juni vorgestellt, das seit Jahren erwartete Mixed-Reality-Headset? Einiges spricht dafür. Es könnte der erste Schritt in eine Post-iPhone-Ära sein und zugleich die gesamte Technologiebranche durcheinanderwirbeln.

Brillen, die virtuelle Realität (VR) und eine Verschmelzung von realer und digitaler Welt (AR) auf der Rückseite Gläser zeigen, sind der wichtigste Schritt für sogenannte Metaverse-Anwendungen. Diverse Prognosen gehen davon aus, dass bis 2030 hier ein neues Geschäftsfeld mit einem Volumen von 100 Milliarden Dollar jährlich entstehen kann.

Andreas Jahnke von der Unternehmensberatung Accenture sagte dieser Redaktion, dass die Tourismusbranche zu den prädestinierten Nutzern zu zählen ist. „Wir sehen darin eine gute Möglichkeit, weitere Inspirationen für Reisende zu schaffen – schaut man sich beispielsweise den Grand Canyon in VR an, kann das einen sehr guten ersten Eindruck zu einem potenziellen Reiseziel vermitteln.“ Auch jenseits der Touristik sammelten viele Unternehmen und Branchen erste positive Erfahrungen in virtuellen Räumen und dem Metaverse – von Mode und Kosmetik, über Gastronomie bis hin zu Musik oder auch Immobilien.

Top-Managerin: "Das größte und aufregendste seiner Art"

Gut möglich, dass Apple mit dem Headset gerade rechtzeitig kommt. Laut Mark Gurman vom Finanzdienst Bloomberg deuten zahlreiche Zeichen darauf hin, dass Apple Chef Tim Cook die WWDC-Konferenz zum Anlass für das Debüt ausgewählt hat. Schließlich habe eine Top-Managerin das Treffen Anfang Juni im Hauptquartier des Konzerns in Cupertino (Kalifornien) als das bisher „größte und aufregendste“ seiner Art beschrieben.

Zudem weist Gurmann, der als bestens informiert in puncto Apple gilt, auf eine Grafik hin, mit der für die WWDC geworben wird. Sie zeigt auf den ersten Blick einen Regenbogen, der aber auch als Silhouette eines gebogenen Brillengestells herhalten kann. Gemeint sind Sport-Sonnenbrillen, die zum Skifahren und Radfahren genutzt werden. Dass VR/AR-Augengläser diese Form haben werden, ist für viele Experten unbestritten. So kann nämlich das gesamte Blickfeld des Nutzers abgedeckt werden, ohne eine schweres, backsteinartiges Gerät auf den Kopf setzen zu müssen – wie es bei den aktuellen Modellen der Fall ist, die der Facebook-Konzern Meta offeriert.

Die weiteren, bislang bekannten spärlichen Hinweise zum Design lassen erahnen, dass das Headset aus Aluminium und Glas besteht und sich am Stil der Air-Pod-Max-Kopfhörer orientiert. Das Internet-Magazin Macworld berichtet, das Gerät sei mit zahlreichen Kameras und extrem hochauflösenden Displays (8K) ausgestattet.

Highlight: Umschalten von VR auf AR

Gurman betont, dass die Leute von Apple die Möglichkeit des Umschaltens von VR auf AR als Highlight betrachten: Also den Wechsel von einer komplett virtuellen Ansicht auf eine Perspektive, die die reale Umwelt einbezieht, und zwar indem Kameras bewegte Bilder der Umgebung auf die Gläser projizieren. Eine digitale Krone an der Brille soll das Umschalten bewerkstelligen. Solch eine Krone wird bereits bei der Apple Watch eingesetzt, die 2015 eingeführt wurde und der bislang letzte Vorstoß von Apple in eine neue Gerätekategorie war.

Das Aktivieren von Apps soll mit einem „Augen-Hand-Tracking-System“ geschehen: Der Nutzer fixiert eine Anwendung und mit dem Zusammendrücken von Zeigefinger und Daumen wird das Programm gestartet. Der Vorteil: Controller für die Hände, die bei Geräten von Meta notwendig sind, werden überflüssig.

Geforscht wird an ähnlichen Projekten schon lange: Bereits im Mai 2013 hatte Ex-NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei einem Besuch von Google in San Francisco Gelegenheit, die damals noch geheime Projektbrille Google Glass zu testen. - © picture alliance / dpa
Geforscht wird an ähnlichen Projekten schon lange: Bereits im Mai 2013 hatte Ex-NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei einem Besuch von Google in San Francisco Gelegenheit, die damals noch geheime Projektbrille Google Glass zu testen. (© picture alliance / dpa)

Wozu das Ganze? Es soll Meetings mit neuen Qualitäten in virtuellen Konferenzräumen ermöglichen. Eine Variante bei Zwiegesprächen könnte sein, dass der Nutzer sich selbst und sein Gegenüber als lebensnahe Avatare sieht, die sich in einem virtuellen Raum befinden.

Filme, Spiele und Apps für das neue Gerät

Natürlich soll das Headset auch dazu dienen, Filme anzuschauen und vor allem Spiele zu spielen. Offenbar ist man in Cupertino bereits damit beschäftigt, Material aus dem Streaming-Angebot Apple TV+ fürs Headset umzumodeln. Auch mit Walt Disney und anderen Medienkonzernen soll es Verhandlungen über die Produktion von bewegten Bildern geben. Und der Computerriese will laut Gurman Entwickler dazu ermuntern, Spiele und Apps speziell für das neue Gerät zu programmieren, das den Namen Reality-Pro tragen soll und für das ein neues Betriebssystem (xrOS) geschrieben wurde – ähnlich lief es seinerzeit beim iPhone.

Dass es eine enge Verzahnung mit anderen Apple-Geräten geben dürfte, ist selbstverständlich. So könnte Reality-Pro wie ein externer Bildschirm eines Mac-Computers genutzt werden, ohne auf die Nutzung von Tastatur und Maus verzichten zu müssen. Über einen Preis von 3.000 Dollar wird spekuliert und eine damit verbundene langsame Markteinführung – so wie einst bei der Apple Watch. Zuerst würden Profis und Nerds damit hantieren, was die Gelegenheit gibt, das Gerät so zu optimieren, dass es für den Massenmarkt tauglich wird.

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