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Akku-Tausch wird einfacher

Neue Batterie-Regeln: Was sich bald für Verbraucher ändert

Die EU-Mitgliedstaaten haben eine neue Batterieverordnung auf den Weg gebraucht. Das soll den Umweltschutz stärken und den ganzen Lebenszyklus einer Batterie betrachten.

Ist der Akku einmal kaputt, wandern Geräte oft in die Mülltonne. Das soll sich allerdings ändern: Die EU-Mitgliedsstaaten haben den Weg für eine neue Batterieverordnung freigemacht. Künftig sollen es Verbraucherinnen und Verbrauchern einfacher haben, die Akkus in ihren Geräten selbst zu entfernen und auszutauschen, statt sie in eine Werkstatt zu geben oder ganz in den Müll zu werfen.

"Die Batterieverordnung ist eine entscheidende Weichenstellung für mehr Kreislaufwirtschaft im EU-Binnenmarkt", sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nach dem Beschluss des EU-Rats. Batterien seien ein Schlüsselprodukt für die Energiewende und für das Erreichen der Klimaziele. Mit der Verordnung nehme die EU erstmals den gesamten Lebenszyklus in den Fokus.

Die Pläne sehen unter anderem einen verpflichtenden Recycling-Anteil für Batterien vor. Ab 2031 muss eine Mindestmenge an wiederverwertetem Blei, Kobalt, Lithium oder Nickel bei neuen Batterien von Elektroautos oder in Industriebatterien eingesetzt werden. Bei Nickel-Cadmium-Batterien gilt ein Recycling-Effizienzziel von 80 Prozent für andere Altbatterien von 50 Prozent bis Ende 2025.

Verbraucher sollen Batterien ab 2027 selbst tauschen können

"Durch diese Regelung wird in Zukunft mehr recycelt - auch kritische Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt", sagt Marieke Hoffmann, Expertin für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Dadurch würden auch die Umweltauswirkungen durch den Abbau dieser Rohstoffe verringert.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher dürfte vor allem relevant sein, dass sie ab 2027 ihre Gerätebatterien selbst rausnehmen und austauschen können sollen. Und wer beispielsweise ein E-Bike fährt, soll auch aktiv werden können, ohne den Weg über den Hersteller zu gehen. "Batterien für leichte Verkehrsmittel müssen von einem unabhängigen Fachmann ausgetauscht werden können", heißt es in einer Mitteilung des EU-Rats.

Außerdem soll ein sogenannter Batteriepass eingeführt werden, der über wichtige Informationen aufklärt. "Auf den Batterien wird es wahrscheinlich einen QR-Code geben, mit Informationen zu Umweltauswirkungen, Energieverbrauch oder enthaltenen Rohstoffen", sagt DUH-Expertin Hoffmann. "Das hat sehr viel Potenzial für den Umwelt- und Verbraucherschutz."

Hersteller sollen Batterien zurücknehmen müssen

Die Umweltschutzorganisation sieht in der neuen Verordnung einen „wichtigen Meilenstein“, führt Hoffmann aus. Damit werde der ganze Lebensweg einer Batterie reguliert. Außerdem sei zu erwarten, dass im Zuge der Digitalisierung und dem Umstieg auf E-Mobilität künftig noch mehr Batterien produziert werden. „Da ist es wichtig, jetzt Regelungen festzulegen.“

Für Hersteller soll es künftig Sammelziele geben. Sie müssen alte Batterien dann wieder zurücknehmen. So wird beispielsweise bei den Gerätaltbatterien ein Sammelziel von 63 Prozent bis Ende 2027 festgelegt, das bis Ende 2030 auf 73 Prozent gesteigert werden soll.

Die DUH übt aber auch Kritik an der Verordnung. „In Sachen Reparaturfähigkeit sehen wir noch große Defizite in der Verordnung“, sagt Hoffmann. Sinnvoll wäre ein Recht auf Reparatur. Auch wäre ein Pfandsystem ihrer Ansicht nach wichtig. „Wir haben aktuell das Problem, dass nur etwa 50 Prozent der Gerätebatterien gesammelt werden. 50 Prozent gehen aber andere Wege: In den Hausmüll oder in die Umwelt beispielsweise“, so Hoffmann. Ein Pfandsystem würde ein starkes Signal setzen. Die DUH warnt zudem vor rechtlichen Schlupflöchern. So sei die einfache Austauschbarkeit beispielsweise nicht für wasserfeste Elektrogeräte vorgeschrieben.

Grundsätzlich, so Hoffmann, müsse es mit Blick auf den Umweltschutz sowieso um eine Verkehrswende gehen. „Aus unserer Sicht wäre es unverantwortlich, einfach alle PKW durch Elektroautos zu ersetzen“, sagt sie. Insbesondere, weil der Trend hin zu großen Autos gehe. Es müsse auch darum gehen, die Zahl der Autos zu senken und ihre Größe zu verkleinern. Dann sei aber sinnvoll, vom Verbrenner aufs E-Auto umzusteigen, so die DUH-Expertin. Das sei mit Blick auf den Ressourcenverbrauch der effizientere Weg.

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