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Teure Produkte

Versteckte Preiserhöhungen: Zehn Beispiele aus dem Supermarkt

Verbraucherschützer melden einen neuen Rekord an Beschwerden über die Mogelpackungen. Der Preisaufschlag fällt teilweise deutlich aus.

Lebensmittel sind in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden. Doch besonders groß ist der Ärger im Supermarkt, wenn die Preiserhöhung versteckt erfolgt. Das bedeutet: Hersteller verteuern ihre Produkte, indem sie weniger Inhalt in den gleichen Packungen verkaufen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat gemeinsam mit "Stiftung Warentest" Fälle dokumentiert, die zeigen sollen, wie groß die Preissteigerung tatsächlich ausfällt. Zehn aktuelle Beispiele aus dem Jahr 2023 im Überblick:

Das Mundwasser "Listerine Mundspülung Total Care Zahnfleisch-Schutz" sei ursprünglich in der 600-Milliliter-Flasche für 4,45 Euro verkauft worden. Nun kosten 500 Milliliter 4,95 Euro – eine Preissteigerung von 33,5 Prozent, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Hersteller Johnson & Johnson begründet das unter anderem mit Kostensteigerungen bei Rohstoff- und Produktionskosten.

"Erdnuß Locken Jumbos" seien vor einer Änderung für 1,99 Euro in der 175-Gramm-Packung verkauft worden. Die neue Packung mit 150 Gramm Inhalt kostet 2,19 Euro – eine Preiserhöhung von 28,4 Prozent. Der Hersteller Lorenz Snack-World verweist gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg unter anderem auf gestiegene Kosten in verschiedenen Bereichen. Die verringerte Packungsgröße sei mit dem Hinweis "New Size" kenntlich gemacht worden.

Auch Sodastream habe Füllmengen reduziert. Das Produkt mit Orangengeschmack etwa sei vorher für 4,99 Euro pro 500 Milliliter verkauft worden. Inzwischen kosten 440 Milliliter 4,99 Euro – und damit 33,3 Prozent mehr.

Die "Always Dailies Cotton Protection Slipeinlagen normal" kosteten in der 38-Stück-Packung vor einer Änderung 3,49 Euro. Inzwischen kostet die 28-Stück-Packung 3,25 Euro – und damit 26,4 Prozent mehr. Hersteller Procter & Gamble Service weist in einer Mitteilung an die Verbraucherzentrale allerdings "strikt zurück", dass es sich hierbei um eine versteckte Erhöhung handele. Die Anzahl der Slipeinlagen in der Packung werde "klar und deutlich auf der Vorderseite der Verpackung kommuniziert". Die Gestaltung der Verkaufspreise liege im Ermessen des Handels.

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"Duschdas" Men Sport 3in1" kostete in der 250-Milliliter-Flasche 1,45 Euro, in der 225-Milliliter-Flasche kostet es nun 1,59 Euro. Die Preiserhöhung liegt bei 21,8 Prozent, rechnet die Verbraucherzentrale Hamburg vor. Hersteller Unilever Deutschland weist in einer Stellungnahme an die Verbraucherschützer auf die Weiterentwicklung der Verpackung und des Produkts hin und nennt die Rohstoffpreise und die Verwendung von recyceltem Plastik für die Flasche als Gründe.

Der Pudding "Dr.Oetker LoVE it! Grieß Natur" kostete 2,29 Euro in der 400-Gramm-Packung. Nun kosten 180 Gramm 1,29 Euro. Die Preiserhöhung beträgt 25,2 Prozent. Der Bielefelder Konzern erklärte der Verbraucherzentrale, mit der Mengenänderung dem Konsumverhalten gerecht werden zu wollen. Bei veganen Fertigdesserts gebe es mehr "Probier- und Wechselkäufe". Auf die Änderung wollte das Unternehmen im Sommer in einer Internetkampagne hinweisen.

Das Eis "Milka Vanilla & Chocolate Swirl" kostete in der alten Packung mit vier Stück à 100 Millilitern 3,99. In der neueren Packung wird derselbe Preis für drei Stück à 90 Milliliter fällig. Die Verbraucherzentrale sieht eine Preiserhöhung von 48,1 Prozent. Hersteller Froneri erklärt die Umstellung der Packungsgröße bei diesem und weiteren Produkten mit einem Trend zu kleineren Portionsgrößen. Beim Preis verweist das Unternehmen auf teurere Rohstoffe.

Auch das Eis "Nogger" hat an Gewicht verloren. In der alten Packung steckten sechs Stück à 94 Milliliter, in der neuen ist ein Eis weniger. Der Preis bleibt mit 3,29 Euro gleich. Die Verbraucherzentrale dokumentiert hier eine Preissteigerung um 20 Prozent. Hersteller Langnese verweist auf gestiegene Energie- und Rohstoffpreise und die Verwendung nachhaltiger Produkte.

Die Joghurtalternative "Alpro Natur" kostete im 500-Gramm-Becher 1,99 Euro. Für denselben Preis gibt es nun 400 Gramm. Das ergibt eine Preiserhöhung von 25 Prozent. Das Unternehmen erklärt in einer Reaktion an die Verbraucherzentrale, dass der kleinere Becher mehr nachgefragt werde. Für den Preis seien die "extrem" gestiegenen Rohstoffpreise verantwortlich.

Das Katzenfutter "Whiskas 1+ Geflügel Auswahl" enthielt ursprünglich zwölf Packungen à 100 Gramm. Seit Anfang des Jahres 2023 sind es noch zwölf Packungen à 85 Gramm. Der alte Preis lag der Untersuchung zufolge bei 4,29 Euro, der neue liegt bei 4,79. Das ist eine Preiserhöhung von 31,4 Prozent. In einer Reaktion an die Verbraucherzentrale verweist Hersteller Mars darauf, dass Verpackungen mit dem Hinweis "Neu" die Änderungen kennzeichnen. Für die Preise sei neben höherer Kosten auch eine neue Rezeptur verantwortlich.

Der Trend, dass Anbieter häufiger Produkte verteuern, indem sie in weitgehend gewohnter Verpackung weniger Inhalt verkaufen, fällt Beobachtern seit 2022 verstärkt auf. Die Verbraucherzentrale Hamburg, die dieses Vorgehen nach eigenen Angaben seit Jahren systematisch untersucht, verzeichnete im ersten Halbjahr 2023 einen neuen Rekord an Beschwerden. „Die meisten der von uns gezeigten Beispiele übertreffen bei weitem die Inflationsrate“, sagt Ina Bockholt von der "Stiftung Warentest".

Die Inflation lag für Lebensmittel im Juli 2023 bei 11,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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