Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Abstimmung läuft

Mogelpackung des Jahres: Ein Produkt des Bielefelder Oetker-Konzerns ist nominiert

Hamburg. Mit dem Negativpreis „Mogelpackung des Jahres” zeichnet die Verbraucherzentrale jährlich die dreistesten Fälle von Verbrauchertäuschung aus – auch ein Bielefelder Unternehmen ist nominiert. Bis zum 20. Januar, 16 Uhr kann online zwischen fünf nominierten Produkten bekannter Hersteller abgestimmt werden.

Mit der Wahl versucht die Verbraucherzentrale auf Verbrauchertäuschungen aufmerksam zu machen, zum Beispiel „Shrinkflation”. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Begriff „shrink” (schrumpfen) und „Inflation” zusammen: Weniger Inhalt zum gleichen oder sogar zu einem höheren Preis. Werden stattdessen wertvolle Zutaten durch günstigere ersetzt, spricht man von „Skimpflation” („to skimp” = knausern).

Zur Mogelpackung des Jahres sind für 2025 folgende fünf Produkte nominiert:

Kandidat 1: Milka Schokolade von Mondelez (48 Prozent teurer)

Die Milka Alpenmilch Schokolade der Mondelez Deutschland GmbH wiegt seit Anfang des Jahres, statt wie bisher 100, nur noch 90 Gramm. Zeitgleich stieg der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro. Die versteckte Preiserhöhung beträgt damit mehr als 48 Prozent. Während die Verpackung nahezu gleich geblieben ist, wurde die Dicke der Tafel um rund einen Millimeter reduziert. Die Gewichtsangabe ist zwar auf der Vorderseite der Verpackung aufgedruckt, jedoch werde sie im Regal vom Transportkarton der Marke verdeckt, so die Verbraucherzentrale.

Kandidat 1: Milka Schokolade von Mondelez - © Verbraucherzentrale Hamburg
Kandidat 1: Milka Schokolade von Mondelez (© Verbraucherzentrale Hamburg)

In einer Stellungnahme rechtfertigt der Konzern Mondelez die Änderung durch gestiegene Preise von Kakao, Energie, Verpackung und Transport. Die Verbraucherzentrale hat Klage eingereicht. Sie merkt an, dass diese Argumentation nicht überzeuge, da große Hersteller wie Mondelez ihren Bedarf an Kakao in langfristigen Verträgen absicherten.

Kandidat 2: Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker (90 Prozent teurer)

Nachdem die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG die Backmischung „Käse-Streusel Kuchen” vom Markt nahm, vermarktete sie ein Jahr später die Backmischung “Käse-Streusel” unter dem Slogan “Klassiker neu interpretiert” als Marktneueinführung. Die Rezeptur hat sich dabei nur leicht verändert, die Menge jedoch drastisch – von zuvor 730 auf nun 370 Gramm. Der gebackene Kuchen ist damit nur noch etwa halb so groß wie zuvor. Der neue Preis wurde nur geringfügig von 3,99 auf 3,79 Euro reduziert. Daraus resultiert eine versteckte Preiserhöhung von rund 90 Prozent.

Kandidat 2: Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker - © Verbraucherzentrale Hamburg
Kandidat 2: Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker (© Verbraucherzentrale Hamburg)

In einer Stellungnahme dieser Redaktion gegenüber verteidigt Dr. Oetker die Backmischung als „Neuprodukt”. Das Unternehmen bedauere, dass die Backmischung „als Mogelpackung verstanden wird“ und betont, dass das Konzept der Backmischung geändert worden sei. Es berücksichtige den „Ernährungstrend rund um kleinere Portionen“, werde in einer anderen Backform gebacken und anders geschnitten als das frühere Produkt.

Während das Unternehmen Transparenz gegenüber der Kundschaft verspricht, rechtfertigt es steigende Preise durch die geopolitische und klimatische Lage: „Diese ist nach wie vor sehr unsicher, wodurch die globalen Lieferketten beeinträchtigt und vereinzelte Rohstoffe mitunter nicht umfangreich verfügbar sind oder Preise deutlich steigen können.“

Die Verbraucherzentrale bezeichnet den Fall „Käse-Streusel“ als „Paradebeispiel für Shrinkflation“.

Kandidat 3: XXL Schoko Hafer-Müsli von Kölln (30 Prozent teurer)

Die Peter Kölln GmbH & Co. KGaA bietet seit 2025 statt eines 1.700 Gramm „Vorratspacks” des Schoko-Hafer-Müslis nun ein 1.050 Gramm „XXL Pack”. Von 9,99 Euro wurde die neue Packung auf 7,99 Euro reduziert. Wegen der Verminderung des Inhalts steigt der Preis dennoch um rund 30 Prozent.

Kandidat 3: XXL Schoko Hafer-Müsli von Kölln - © Verbraucherzentrale Hamburg
Kandidat 3: XXL Schoko Hafer-Müsli von Kölln (© Verbraucherzentrale Hamburg)

Zuvor hatte das Unternehmen mit einer Transparenzkampagne geworben und auf Müsli-Packungen den Hinweis „Weniger Inhalt. Gleiche Qualität” angegeben. In einer Stellungnahme rechtfertigt der Konzern die neue Packung als Reaktion „auf aktuelle Marktentwicklungen” und sagt, sie treffe den „Bedarf moderner Haushalte” und verringere damit „das Risiko von Lebensmittelverschwendung”.

Kandidat 4: Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr (29 Prozent teurer)

„Jetzt mehr drin. Mehr Geschmack.” Mit diesem Hinweis wirbt die Unilever Deutschland Holding GmbH für ihre Knorr Penne Pomodoro Mozzarella. Während der Inhalt von 163 auf 181 Gramm gesteigert wurde, hat sich der Preis von 1,39 auf 1,99 Euro erhöht – unter dem Strich bedeutet das eine Preissteigerung von rund 29 Prozent. Trotz leicht erhöhter Gesamtmenge ist weniger von den namensgebenden Zutaten, Tomaten und Mozzarella, verarbeitet. Ähnliches gilt für die anderen Produkte der „Spaghetteria”-Reihe.

Kandidat 4: Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr - © Verbraucherzentrale Hamburg
Kandidat 4: Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr (© Verbraucherzentrale Hamburg)

Unilever erklärt, dass die Preisempfehlung proportional zum Inhalt um 11 Prozent gestiegen sei. Diese Angabe ist durch die von der Verbraucherzentrale angegebene Preisänderung nicht nachvollziehbar. Es bleibt unklar, auf welche Preisangaben sich das Unternehmen stützt. Der Hinweis „Mehr Geschmack” beziehe sich laut Unilever darauf, dass die Zubereitungsempfehlung „bei nun mehr Inhalt“ eine unveränderte Wasserzugabe vorsehe und ein intensiverer Geschmack resultiere.

Kandidat 5: 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs (56 Prozent teurer)

Nach wie vor beinhaltet eine Packung von „3in1 Classic Kaffeesticks” von Jacobs Douwe Egberts 10 Kaffeesticks – statt wie früher 18 Gramm enthalten diese aber nun nur noch 12 Gramm. Der Preis wurde gleichzeitig von 2,69 auf 2,79 Euro erhöht. Unter dem Strich ist das Produkt also 56 Prozent teurer geworden.

Kandidat 5: 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs - © Verbraucherzentrale Hamburg
Kandidat 5: 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs (© Verbraucherzentrale Hamburg)

Der Hersteller gibt an, eine „Produktoptimierung” zur Senkung von Zucker und Kaloriengehalt durchgeführt zu haben. Die Verbraucherzentrale entgegnet, dass der Zuckergehalt des unzubereiteten Pulvers sogar gestiegen sei. Gleichzeitig habe sich auch die Menge an Kaffeepulver im fertigen Getränk verringert. Dies mache Jacobs vermutlich mit Aromen wett. Für die Verbraucherzentrale ein klarer Fall von Skimpflation.

Hier geht es zur Online-Abstimmung: Welches Produkt soll die „Mogelpackung des Jahres 2025“ werden?

Mogelei größer als Inflation

Insgesamt umfasst die Liste der Mogelpackungen über 1.000 Einträge. 77 neue Produkte kamen 2025 hinzu – der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung. Die versteckte Preissteigerung lag bei den neuen Produkten durchschnittlich bei 28 Prozent. Zum Vergleich: Die Teuerungsrate wird für 2025 vom Statistischen Bundesamt mit lediglich 2 Prozent angegeben.

Die größten Unternehmen, wie Mondelez, Nestlé und Unilever waren gleichzeitig in den vergangenen 15 Jahren auch die häufigsten auf der Liste.

Verbraucher sehen Politik am Zug

Die Verbraucherzentrale ruft zum Handeln auf. Rund 8 von 10 Verbrauchern fühlen sich von indirekten Preiserhöhungen getäuscht. Das ergibt eine Studie des Projektes Lebensmittelklarheit. Fast 90 Prozent befürworten verpflichtende Hinweise auf Verpackungen. In Ungarn und Frankreich sind diese seit 2024 Pflicht.

Die Verbraucherzentrale betont ihre Unterstützung für klare Regelungen. Dazu gehören verpflichtende gut sichtbare Kennzeichnung von Mengenreduktionen auf Verpackungen und im Handel sowie ressourcenschonende Verpackungen, die dem Inhalt entsprechen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.