Das Wanderwegekreuz an den Externsteinen sorgt weiter für Aufregung

Die Gegner stellen einen Antrag an den Stadtrat und den Kreistag, das Projekt an den Externsteinen abzulehnen

Manfred Brinkmeier

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- © Robin Jähne
Wanderkreuz Externsteine (© Robin Jähne)

Horn-Bad Meinberg. Die Gegner des geplanten Wanderwegekreuzes an den Externsteinen machen Druck. Der Arbeitskreis gegen Nazis Horn-Bad Meinberg und der Heimatverein Horn haben einen Antrag an den Stadtrat und den Kreistag gestellt, das Vorhaben abzulehnen.

Friedrich Brakemeier, Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes, setzt auf die Vernunft und ein Umdenken bei den Verantwortlichen. "Die Politiker müssen endlich Farbe bekennen. Wir fordern die Verantwortlichen dazu auf, das Projekt definitiv zu stoppen. Mein Eindruck: Fördergelder sind oft schlechte Berater für Politiker. Offenbar muss hier Geld ausgegeben werden. Das wollen wir aber nicht akzeptieren. Stattdessen wollen wir dem Kreuz mit dem Kreuz ein Ende bereiten."

Nach Angaben von Frank Huismann vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe werde das Wanderwegekreuz eher als Symbol für Schmiedekunst und neu belebte Kriegsnagelungen an den Externsteinen wirken. Dabei wäre es nicht das erste Mal, dass an den Externsteinen beziehungsweise in deren Nähe die Funken eines Schmiedefeuers fliegen.

Huismann erinnert daran, dass am ehemaligen Gasthaus an den Externsteinen schon einmal eine "Reichslehrschmiede" existiert habe, die der SS-Division Totenkopf unterstellt gewesen sei. Das Einschlagen von geschmiedeten Nägeln gegen das Leisten einer Spende habe ebenfalls eine wenig erfreuliche Vorgeschichte - nämlich Kriegsnagelungen, die ab 1915 in Deutschland in großem Umfang stattgefunden hätten. Der Historiker Dr. Andreas Ruppert hält dieses Motiv deshalb für verbrannt. "Was hier entstehen soll, ist Kriegssymbolik und keinesfalls ein Friedenssymbol. Das kann die Stadt Horn-Bad Meinberg doch nicht ernsthaft wollen, dass es so etwas in ihrem Stadtgebiet gibt."

Auch Kathrin Burgenmeister vom Arbeitskreis gegen Nazis warnt dringend vor der Umsetzung des Projektes. "Selbst wenn Touristen es nicht wissen, Rechtsradikale wissen um die Symbolik. Wir wollen das braune Spektrum nicht anziehen. Ich befürchte aber, dass genau das eintreten wird."

Robin Jähne von der Schutzgemeinschaft Externsteine kritisiert, dass es auch keinen Ideenwettbewerb unter Beteiligung heimischer Künst-ler gegeben hat. "Zudem sollte ein solches Projekt an einem symbolträchtigen Ort wie den Externsteinen gemeinsam entschieden werden. Ganz abgesehen davon, dass wir hier überhaupt keine Verbindung zum Thema Wandern sehen."

Auch große Events an der Felsengruppe, wie sie zukünftig immer am 8. Mai stattfinden sollen, sehe die Schutzgemeinschaft sehr kritisch. Robin Jähne: "Es ist schon schlimm, dass Ehrenamtliche, die sich so intensiv engagieren, nicht beteiligt werden. Es wäre zudem viel besser, wenn Fördergelder für andere Dinge ausgegeben würden, die dem Naturschutzgedanken nahe stehen."

Das Argument, den Tourismus ankurbeln zu wollen, weist Robin Jähne zurück. "Die Besucherzahlen an den Externsteinen sind in jüngerer Zeit gestiegen. Und die Leute kommen wegen der Ruhe zu den Externsteinen und nicht, weil dort Events stattfinden." Die Gegner des Wanderwegekreuzes hätten nichts gegen Tourismusförderung, ergänzt Frank Huismann. "Uns geht es um Sachargumente." Friedrich Brakemeier sagte in Anspielung auf die Gemanentümelei früherer Zeiten und die Geschichte vom angeblichen Heiligtum der Sachsen an den Steinen: "Wir brauchen keine Irminsul 2.0."

Günter Weigel: "Symbolik ist komplett eliminiert"

Wanderwegekreuz: Der Wirtschaftsförderer des Kreises weist die Kritik an dem Vorhaben zurück. Am Dienstag beschäftigt sich der Umweltausschuss der Stadt Horn-Bad Meinberg mit dem Thema

Horn-Bad Meinberg. Landrat Dr. Axel Lehmann lässt juristisch prüfen, wie mit dem Antrag der Wanderwegekreuz-Gegner umgegangen werden soll. Das teilte gestern Maike Delang von der Pressestelle des Kreises Lippe mit.

Nach Angaben von Günter Weigel, Chef der Wirtschaftsförderung des Kreises Lippe, sei lediglich die Entscheidung getroffen worden, dass das Projekt umgesetzt werden kann. Das heiße jedoch nicht, dass es tatsächlich aufgestellt werde. Zurzeit gebe es auch noch keinen Bauantrag.

Weigel: "Wir haben Rücksicht genommen und die Größe des Wanderwegekreuzes deutlich reduziert. Zudem ist die Symbolik komplett eliminiert. Ich erinnere auch an die Vereinbarung, dass es wieder abgebaut wird, wenn es negative Erfahrungen geben sollte. Was die Events betrifft, soll es nur eine Veranstaltung im Jahr geben - ohne jeglichen kommerziellen Hintergrund." Kommenden Dienstag soll sich der Horn-Bad Meinberger Umweltausschuss mit dem Thema befassen. Alexander Martin (CDU) sieht seine Fraktion in der Meinung gespalten. "Wir wollen unter anderem wissen, welche Potenziale von dem Projekt erwartet werden."

Für Manfred Vogt (SPD) ist es Sache des Landesverbandes Lippe, Vorkehrungen zu treffen, damit die Externsteine nicht zum Pilgerort Rechter werden. Für Diane Ammer (Linke) ist die vorgebrachte Kritik berechtigt. Es sei schade, wie die Sache vonstatten gegangen sei. "Leider sind hier Tatsachen geschaffen worden. In Zukunft müssen Entscheidungen anders laufen."

Seine Fraktion fühle sich über den Tisch gezogen, sagt Andreas Mickel (FDP). "Wir stehen auf der Seite der Gegner des Projektes." Von verhärteten Fronten spricht Reinhard Gerke (Grüne). "Wir fragen uns, ob wir das Wanderwegekreuz wirklich brauchen." Margarete Jegust-Heldermann (Bürger-Bündnis) will es sich nicht mit dem Landesverband verderben. "Wir müssen das akzeptieren."

Peggy Pfaff, Pressesprecherin des Landesverbandes, spricht von einer Entscheidung der Politiker. Mit der Reduzierung der Größe und dem Wechsel des Standortes sei versucht worden, einen Kompromiss zu finden.

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