Lemgo. Die Schulleitung vom Marianne-Weber-Gymnasium schlägt Alarm. Zum kommenden Schuljahr fehlen mindestens fünf Klassenräume. Wo die herkommen sollen? Derzeit noch völlig ungewiss. Die Raumnot am Marianne-Weber-Gymnasium (MWG) ist seit Jahren bekannt. Schon 2022 gab es entsprechende Zahlen: Zum Schuljahr 2026/27 werden rund 920 Jugendliche unterrichtet, damit gut 100 mehr als im laufenden Jahr. Bis 2030/31 gehen die Planer gar von knapp 1000 Schülern am MWG aus. Was also tun? Schulleiter Markus Herrmuth und seine Stellvertreterin Christine Malinowski können ihre Besorgnis kaum verbergen. Seit Jahren weisen sie auf die Raumnot hin, auf die wachsenden Schülerzahlen und darauf, dass dringender Handlungsbedarf besteht. „Vier Jahre können wir uns nicht behelfen“ Den haben auch Stadt und Politik ausgemacht, doch die Pläne lassen die Schulleitung etwas konsterniert zurück. Denn mit Umzug der Musikschule und Ausbau soll in der Wallschule zwar ein neues Oberstufenzentrum entstehen, das aber könnte frühestens 2029 bezugsfertig sein. „Vier Jahre aber können wir uns nicht behelfen, das ist einfach nicht möglich“, stellt Schulleiter Markus Herrmuth klar. Das MWG nutzt die Wallschule bereits für die Oberstufe, aufgrund von Raumnot sind auch der neunte und zehnte Jahrgang in die Schule am Wall übergesiedelt. Aus der Not heraus, wie Christine Malinowski betont, denn eigentlich bedürften die Schüler in dieser Altersstufe noch der stärkeren Einbindung. Doch am MWG fehlt der Platz und überdies stockt der geplante Ausbau von neun kleinen Fachräumen zu adäquaten Klassenzimmern. Sollten die Räume eigentlich nach Bauverzögerungen spätestens nach den Sommerferien zur Verfügung stehen, so geht die Schulleitung jetzt davon aus, die Klassenzimmer erst nach den Weihnachtsferien nutzen zu können. Damit kämen immerhin neun Räume dazu und die sechs Klassen aus dem neunten und zehnten Jahrgang könnten wieder ins Haupthaus zurückkehren. Doch damit ist es nicht getan. Denn im kommenden Schuljahr ist das Gymnasium nach dem fehlenden Jahrgang aufgrund der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren erstmalig wieder komplett. Und mit den neuen Fünftklässlern sind dann deutlich mehr Schüler da - mehr, als untergebracht werden können. Derzeit geht die Schulleitung von fünf fehlenden Räumen aus. Die müssten dann noch zusätzlich in der Wallschule gefunden werden. Doch auch die ist voll. Wohin mit den Containern? Und wenn, wie aktuell geplant, an der Wallschule ab 2027 ein Neubau und im Anschluss die Sanierung des Bestandsbaus umgesetzt werden soll, ist dazu noch unklar, wie die Beschulung während der Bauarbeiten dort laufen kann. Vorab müssten also zügig Container her. Doch auch hier ist die Frage, wohin mit den Modulbauten? Auf dem Schulhof am MWG ist kein Platz mehr vorhanden, weisen Herrmuth und Malinowski auf den nötigen Freiraum für ihre Jugendlichen hin, der ohnehin schon knapp bemessen und stark versiegelt sei. Auch eine mögliche Nutzung der neuen Container am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium, das die mobilen Klassenräume aufgrund des wegen PCB-Funden gesperrten Klassentraktes nutzt, halten sie für kaum umsetzbar. „Für unsere Lehrer wäre das allein aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich, zwischen den Schulen zu pendeln. Und auch für die Schüler problematisch.“ Bliebe noch Fläche an der Wallschule - inwieweit dort aber ungestörtes Arbeiten während der Bauarbeiten möglich ist, bleibe abzuwarten; zumal die Zuwegung für Baufahrzeuge sehr eng bemessen sei. „Wir hoffen, dass dort zumindest mobile sanitäre Anlagen bis zum kommenden Schuljahr aufgestellt werden“, weist Herrmuth auf die abgängigen Räumlichkeiten hin. Mangel nicht zum Standard machen Er setzt darauf, dass die Planungen jetzt mit Nachdruck beraten und umgesetzt werden. „Wir hätten uns gewünscht, dass in diesem Schuljahr, in dem wir aufgrund des fehlenden Jahrgangs weniger Schüler haben, die Planung und vielleicht auch schon Umsetzung vorangetrieben worden wären“, so die Schulleitung, denn die Misere sei ja seit Jahren bekannt. „Natürlich können wir uns über kurze Zeit behelfen, aber nicht über vier Jahre“, stellt sie klar. Leistungen und Kurse müssten im Notfall gestrichen werden, doch diese Mangellage dürfte nicht zum Standard werden. MWG, Wallschule und die Schüler Das Marianne-Weber-Gymnasium ist vierzügig mit maximal 120 Schülern pro Jahrgang angelegt. Einzig im siebten Jahrgang gibt es fünf Klassen. Im laufenden Schuljahr mussten bereits 15 Schüler für die fünften Klassen abgelehnt werden. Die Oberstufe wird in der alten Wallschule unterrichtet, der Bau stammt von 1910 und wurde in den 1970er Jahren grundlegend saniert und ist mittlerweile ein Sanierungsfall. Noch nutzen MWG und Musikschule gemeinsam die Schule. Nach Aus-und Umbau der Schule zum Oberstufenzentrum soll die Musikschule in die leer stehende Anne-Frank-Schule umziehen. Das Oberstufenzentrum muss dann Platz für rund 300 Jugendliche, etwa 18 Kursräume, Lehrerzimmer, Aufenthaltsräume und sanitäre Anlagen bieten. Die Planungen für Um- und Ausbau stehen noch an.