Eine akustische Entdeckungsreise im Eichenmüllerhaus

Martina Rehse

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Erschaffen Kunst: (von links) Peter Schwieger, Marcus Beuter und 
Angelika Höger musizieren auf besondere Art und Weise. - © Martina Rehse
Erschaffen Kunst: (von links) Peter Schwieger, Marcus Beuter und 
Angelika Höger musizieren auf besondere Art und Weise. (© Martina Rehse)

Lemgo-Brake. Die Besucher der „Klang-Performance Schwellenbereiche" werden ihre Umgebung ab sofort nicht nur mit anderen Augen wahrnehmen, sondern vor allem mit anderen Ohren. Das Künstlertrio „Geplante Obsoleszenz" hat die Räume der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus am Sonntag zum Klingen, Knarren, Dröhnen und Vibrieren gebracht.

Mit ihrer Darbietung, ihrer Geräuschmusik und einem damit öffentlich gemachten Experiment gingen die Künstler gemeinsam mit ihren Zuhörern auf eine akustische Entdeckungsreise. „Es war wirklich außergewöhnlich. Man musste sich erst einmal darauf einlassen. Ich habe teilweise eine galoppierende Pferdeherde gehört, manche Geräusche erinnerten mich an die Herztöne eines Babys bei einer Ultraschalluntersuchung", fand Besucherin Karin Raband nach der Vorführung.

Information
Die Künstler

„Geplante Obsoleszenz" ist ein Künstlertrio, das seit 2009 zusammen arbeitet. Die drei Künstler beschäftigen sich mit elektroakustischen Klangprojekten. Marcus Beuter ist Audiokünstler und elektroakustischer Komponist. Angelika Höger arbeitet mit interaktiven Rauminstallationen, die in einen Dialog mit ihren Betrachtern treten. Der Bastler und Techniker in dem Trio ist Peter Schwieger. Elektroakustische Improvisation ist sein Fachgebiet. Situationsbezogen baut er seine Instrumente selbst. Infos im Netz unter www.geplante-obsoleszenz.eu.

Die Stimmung glich einem Konzert – allerdings ohne die üblichen Musikinstrumente. Bespielt wurden die Räumlichkeiten mit dem, was sie boten: Es wurden Stühle auf dem Holzboden verrückt, Jalousien auf und zu gezogen, mit knarrenden, alten Fensterläden wurde musiziert. Sogar das Baugerüst vor dem Gebäude wurde mit einbezogen. Mit Hilfe von Kontaktmikrofonen entlockten die Klangkünstler alltäglichen Materialien und Gegenständen ihre spezifische Resonanz. So wurde auch das Reiben eines Kissens Kunst.

Das Projekt „Schwellenbereiche Raumbezogene Performance" erstreckt sich über fünf Vorführungen bei fünf verschiedenen Kunstvereinen. Die einzelnen Veranstaltungen stehen im Zusammenhang zueinander und ergeben ein gemeinsames Konzept. Zudem sollen die Kunstvereine miteinander verbunden werden, die Besucher werden auf andere Orte aufmerksam gemacht. Immer stehen die Räume mit ihren ganz besonderen Eigenarten im Vordergrund.

Die Galerie Eichenmüllerhaus war Schauplatz der dritten Vorführung. Da der Termin zwischen zwei Ausstellungen gelegt wurde, waren die Räume weitestgehend leer. Auch Harald Erdmann, Kunsterzieher aus Lemgo, zeigte sich begeistert: „Es ist eine besondere Erfahrung, seine Umgebung nicht nur nach der Optik wahrzunehmen, sondern auch nach dem Gehör. Ich probiere jetzt Zuhause sicherlich auch einiges aus."

Die nächste Aufführung der Reihe soll am 17. November in der Synagoge in Oerlinghausen stattfinden.

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