Leopoldshöher Johanneskirche wird abgerissen oder verkauft

Thomas Dohna

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Solidarität: Die Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde stehen vor der – jetzt ehemaligen – katholischen Johanneskirche. Sie wollen ihre Solidarität mit den Katholiken zeigen angesichts der überraschenden Entweihung des Gotteshauses. - © Thomas Dohna
Solidarität: Die Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde stehen vor der – jetzt ehemaligen – katholischen Johanneskirche. Sie wollen ihre Solidarität mit den Katholiken zeigen angesichts der überraschenden Entweihung des Gotteshauses. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Das Ende zeichnete sich ab: Die Johanneskirche an der Herforder Straße ist im katholischen Sinne keine Kirche mehr. Der Erzbischof von Paderborn hat sie profaniert. Das hat Pfarrer Michael Karsten auf Anfrage der LZ mitgeteilt. Die vor 15 Jahren gebaute Kirche darf damit verkauft oder abgerissen werden.

Offenbar sind die Gemeindemitglieder von dieser Entscheidung überrascht worden. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde zeigten sich betroffen.

Am Freitag habe ein Pfarrer im Gottesdienst im Pfarrheim St. Johannis das Schreiben des Erzbistums verlesen, mit dem die Kirche entwidmet wird, berichtete Pfarrer Karsten. Die im Altar abgelegten Reliquien der Päpste Leo III., Gregor VII. und Pius V. seien nach Paderborn gebracht worden. „Damit ist die Kirche kein geweihter Ort mehr", sagte Karsten.

Der Bau werde nun an einen Makler gegeben, der die Kirche verkaufen soll. Interessenten gebe es noch nicht. Es werde angesichts der Bauschäden schwer werden, die Kirche zu veräußern. Die Kirchengemeinde erwäge deswegen auch einen Abriss, sagte Karsten.

Die Katholiken fanden sich am Montagabend zu einer Gedenkstunde zusammen, die hauptamtlichen Mitarbeiter der evangelischen Gemeinde zeigten am Mittwochmorgen ihre Solidarität und ihr Unverständnis über die unangekündigte Entweihung der Kirche. Evangelische und katholische Gemeinde arbeiten seit Jahren in Arbeitskreisen und Veranstaltungen zusammen.

Die Kirche galt seit ihrer Fertigstellung als architektonisches Schmuckstück. Schon bald nach Ablauf der Gewährleistungsfristen zeigten sich aber Bauschäden. In einer Zwischendecke über dem Kirchraum hatte sich Schimmel ausgebreitet. Ein Gutachter stellte haarsträubende Versäumnisse der Planer und Handwerker fest.

Das Dach und die Mauerabdeckungen waren falsch konstruiert und unzureichend ausgeführt. In den Raum zwischen Dach und abgehängter Decke konnte kalte Luft ungehindert einströmen. Die Feuchtigkeit in der aus dem Kirchenschiff aufsteigenden warmen Luft schlug sich nieder und führte zum Schimmelbefall, der letztlich die Schließung der Kirche zur Folge hatte.

Für dieses Jahr rechneten Gutachter Schäden von rund 500.000 Euro aus, für deren Beseitigung die Kirchengemeinde aufkommen müsste. „Das Geld hat sie nicht", so Pfarrer Karsten.

Die Frage, wer die Schäden zu verantworten hat, stellt sich für die Gemeinde nicht mehr. Die Gewährleistungsfristen sind lange abgelaufen. „Der Kirchenvorstand hat deshalb das Erzbistum gebeten, die Kirche aufzugeben", sagt Pfarrer Karsten.

Der seinerzeit lang ersehnte Bau für die Katholiken im Ortsteil Leopoldshöhe ist mit Mitteln der Kirchengemeinde, des Erzbistums und einer groß angelegten Geldsammlung aufgebracht worden. Eine ähnliche Sammlung auch für die Sanierung anzustrengen, dazu sah sich der Kirchenvorstand nicht in der Lage. Ohnehin will das Erzbistum im Zuge der Neuordnung der katholischen Gemeinden in Westlippe die Zahl der Kirchengebäude reduzieren.

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